Sissy-Boy-Syndrom und Phantasie

In einem psychologischen Forum habe ich von einem jungen Mann gelesen der wohl ein reges Phantasieleben hat und viele weibliche Züge an sich hat, die er als Sissy-Boy-Syndrom beschreibt.

Von der sexuellen Orientierung pendelt er zwischen Bi- und Hetereosexualität. Ich weiss nicht ob er ADS hat. Was ich aber vermute ist dass er sehr sensibel ist. Er wünscht sich u. a. eine friedliche Welt. Wie ich finde ist das sehr sympathisch.

Ich denke dass unsere Kategorien von Männlich-und Weiblichkeit zu eng sind. Ich denke nicht dass gegengeschlechtliches Rollenverhalten immer etwas mit Homosexualität zu tun haben muss. Es kann schlichtweg Sensibilität sein.

Irgendwie habe ich mich in dem jungen Mann aber wiedererkannt. Auch in seinen romantischen Tagträumen von der großen Schwester oder der perfekten Frau. So ähnlich war dass ja auch bei mir mit dem Indianerkrieger der mutig aber auch sensibel ist.

Meinen Bruder fand ich damals langweillig und  einfältig.  Ich denke das Sexualität und Geschlechtsrollenverhalten zwei unterschiedliche Ebenen sind. Das wir die Geschlechtsrolle erst lernen und das sie ein kulturelles Konstrukt ist. Es gibt Stammeskulturen in  Ozeanien oder Afrika in denen Frauen agressiv und aktiv sind.

Viel hat das mit unserer Lebensweise  und Wirtschaftsweise zu tun und der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Auch unsere Religion spielt da mit rein.

Ich kenne viele schwule Männer die das Klischee des Sissy-Boys oder der Tunte nicht erfüllen. Mein Mann ist z. B. Computernerd, ein anderer Freund wandert gerne und ist ebenfalls in der EDV-Branche. Meine erste große Liebe bastelte gerne an alten Radios herum.

Es gibt durchaus heterosexuelle Männer die sehr sanftmütig sind und auch z. B. häkeln oder stricken. Viele halten sie dann für exzentrisch doch gehören sie fest zu normalen Männlichkeitsspektrum das eben sehr weit sein kann. Wir sprechen daher auch von Gender und dies meint die soziale Geschlechterrolle die unabhängig vom Sex, also dem biologischen Geschlecht seine kann. Es gibt auch heterosexuelle Altenpfleger oder mitunter auch Floristen.  Daher ist auch Genderpolitik so wichtig. Nicht jede Normabweichung muss bedenklich sein. Und der Begriff Sissy-Syndrom ist stigmatisierend und daher abzulehnen.

Wir sind halt alle verschieden und die Bandbreite kann sehr groß sein und das ist auch gut so.

Sexsucht oder Liebeshunger?

Wenn ich sehr ehrlich bin habe ich ein sehr enormes Bedürfnis nach körperliche Nähe. Neulich habe ich etwas gemacht was ich ewig nicht mehr gemacht habe. Ich habe ein Kissen in den Arm genommen und es gewiegt wie ein Kind.

Manchmal denke ich dass wenn ich früher als Kind, Jugendlicher und auch noch als junger Erwachsener davon geträumt hatte einen verletzen Indianerkrieger im Arm zu halten, dass ich mich selber vielleicht im Arm gehalten habe.

Ich habe zwar ein enormes sexuelles Bedürfnis, doch fehlt mir häufig vor allem bei anonymen Kontakten die Zärtlichkeit.  Ich denke dass es eine Art Bewältigungsstrategie ist, dass ich immer Männer geliebt habe die Außenseiter waren. Im Grunde habe ich nicht nur ihn getröstet sondern mich damit.

Gerade Zärtlichkeit hat in schwulen Beziehungen und in der Subkultur keinen sehr hohen Stellenwert. Manchmal wundert es mich nicht mehr dass es so viele SM-Liebhaber in der Szene gibt. Wie sollen denn auch Männer  miteinander Sex haben? Muss dass nicht automatisch sehr rauh sein?

Es ist schon merkwürdig und wenn man zärtlich sein darf muss man denjenigen fast schon heiraten. Zärtlichkeit gehört für schwule Männer hauptsächlich in feste Beziehungen. Bisexuelle Männer die heterosexuell sozialisiert sind endtäuschen häufig den Schwulen der den rauhen halbheterosexuellen Kerl erwartet. Ich denke schon dass die meisten Bisexuellen besser küssen können als die Schwulen weil sie mehr Übung haben und Frauen auf diesem Gebiet anspruchsvoller sind.

Schwule sind tatsächlich häufig emotional verklemmt. Ich denke dass liegt daran dass sie sich sonst zu sehr verletzbar fühlen wenn sie ihren Gefühlen zu freien Lauf lassen. Ich bevorzuge glaube ich generell eher bisexuelle Partner oder schwule Männer die gelassener und erfahrener sind. Ich glaube dieses sich aufgehoben und respektiert fühlen dass findet man eher bei einem gestanden Mann als bei einem noch so athletischen  Jüngling. Ich denke dass es vielen Schwulen besser gehen würde wenn Sie ihre Emotionen nicht ständig von der Sexualität abspalten würden. Das gilt nicht nur für konservative oder auch rechtsgesinnte Schwule, auch manche Linke halten Romantik für „heteronormativ“.

Wie soll der Mensch da noch ein Mensch bleiben wenn er sich seiner Menschlichkeit berauben läßt? Ich denke es ist nicht nur für mich ein  Manko, mich nicht angenommen zu fühlen, sondern für die meisten Schwulen Männer auch. Ihre Angst des sich verlieren im Anderen, also abhängig sein in der Beziehung, läßt sie erst später reifen und glückliche Menschen sein. Ich denke dass muss nicht sein.

Das klingt so als wäre ich als Kind grob vernachlässigt oder geschlagen worden. Das war bei mir nicht der Fall. Ich Glaube Sex und auch Liebe dienen mir dazu mit dem alltäglichen Wahnsinn klar zu kommen. Wenn ich Martin oder einen anderen Außenseiter im Arm habe mache ich die Welt ein wenig besser. Genauso wie die Phantasie mit dem Indianerkrieger im Arm mich über die Tatsache hinweg tröstet das es Rassismus und Genozide gegenüber den Ureinwohnern Nordamerikas gab und noch gibt.

Es hat auch etwas mit Empathie aber auch mit Identifikation zu tun. Denn wie kann man etwa die Parolen einer AfD ertragen. I make love not war, you now!!! 🙂

 

 

 

Szenefrust und so! Zweiter Versuch!

Eigentlich frustriert mich die Schwulen bzw. Lesbenszene seit dem ich sie kennengelernt habe. Ich habe mich dort sehr fremd gefühlt fast wie ein Außerirdischer.

Zum einen hängt dass damit zusammen das ich sehr früh mein Coming-Out hatte. Zum anderen auch dass ich mich in vielen der Anderen weder vom  Lebensstil oder auch von der Sexualität repräsentiert  gefühlt habe. Es gibt zwei große Minderheiten aus der Szene mit denen ich so mein Probleme habe. Zum einen sind es die sog. Ephebophilen. Das sind Männer die Jugendliche Partner bevorzugen. Meistens im Alter so von 16 bis 21 Jahren.

Das kommt daher dass ich eher auf reifere Männer stehe. Männer fangen so ungefähr mit Ende 20 für mich interessant zu werden. Für mich ist diese Vorliebe einfach schwer nachvollziehbar. Zum Anderen ist der Jugendwahn in der  Schwulenszene unbeschreiblich. Das weicht zwar mittlerweile etwas auf, doch sind Männer ab 30 für viele schwule Männer nicht mehr sexy.

Zum anderen habe ich ein Problem mit der Lederszene. Ich  nehme zwar keinen  Anstoß an der abweichenden Sexualität. Aber ich nehme an der Frauen und Tuntenfeindlichkeit dieser Szene  Anstoß.

Auch einige Schwestern von der Tuntenfraktion empfinde ich als anstrengend. Viele represäntieren für  mich die schwule Form der Tussi die man in der Szene „Husche“ nennt.

Ich vereinfache da sicher auch vieles und nicht jeder Lederkerl ist ein Macho, und viele die junge Männer mögen schlafen auch mit Älteren. Doch die Tendenz stimmt schon.

Es gab  für mich sehr wenig Halt in der Szene. Es gibt auch sehr wenig Toleranz vieler der Szene-Gruppen für einander.. Ich bringe sie auch nicht immer auf, das führt dann zu solchen Beiträgen wie der ersten Version dieses Post´s auf meinem  Blog.

Wenn man psychisch labil ist und sich nur schwer wehren kann und dann zwischen die Fronten gerät ist das sehr schwierig. Viele Erfahrungen sind 20 Jahre alt und älter und trotzdem sind viele Wunden nicht vernarbt. Zumal ich damals auch noch als Beamtenanwärter gearbeitet habe. Ein schwuler Kollege bezeichnete seinen  Arbeitsplatz bei einer Behörde auch als „Spießerzoo“. Da ist wirklich etwas wahres dran.

Zum anderen war auch das Ausleben von Sexualität für mich schwierig. Eigentlich wünschte ich mir nur  Nähe und Geborgenheit und auch Zärtlichkeit. Das sind Dinge die damals in der Szene Mangelware waren. Mich hat vor einer Weile eine Aussage von dem schwulen Comic Autor Ralf König schockiert. Er hat mal gesagt dass er noch in seinem Alter eine Beziehung führen würde in der es nicht nur um Sex geht, hätte er nicht mehr erwartet. Wie kalt und abweisend doch unsere kleine Welt unter dem Regenbogen doch ist.

Sicher hat das alles seine Geschichte. Vieles hat mir der Jahrhunderte langen Diskriminierung von Schwulen zu tun. In der Sex nur heimlich passieren durfte.Daher gibt es in der Szene auch so viele Nischen für anonymen Sex. Vieles ist auch  nur „posing“. Es gibt ja auch Ledertunten und kerlige Huschen. So wie es auch androgyn wirkende Heteromänner gibt.

Ich weiß nicht warum die Community so intolerant ist. Aber vieles hat mit einer brüchigen Identität zu tun. Wenn man den Anderen so akzeptiert wie er ist dann verliert man ein Stück von seiner eigenen Identität. Heteros haben sich viel früher mit Geschlechterrollen auseinandergesetzt als es Schwule und Lesben tun. Es gibt zwar immer wieder da auch Rückschläge da Emanzipation nie linear verläuft. Doch wenn die eigene Identität in der  Mehrzahl der Fälle abgelehnt wird dann lernt man nicht unbedingt Toleranz. Dann gefährdet die Tunte mit abgeknickten Handgelenk und Glitzershirt die Identität des dominanten harten Ledermanns.

Weiblich wirkende Männer oder auch  nur sensible Männer stehen ganz unten in der gesellschaftlichen Hackordnung. Es gibt nur wenige Nischen die femininen Schwulen Männern und sensiblen Heteros gesellschaftlich zugestanden werden. Für den Schwulen ist es der Clown der auf der Travestiebühne Weiblichkeit parodiert und für den sensiblen Hetero ist es im Grunde die Kunstszene. Es gibt viele sensible Architekten, Maler und natürlich Dichter. Sie haben meistens einen Vorteil da sie aus gebildeteren Schichten kommen. Für mich einem Jungen aus der Arbeiterklasse war das alles sehr schwierig obwohl ich sehr tolerante Eltern habe.

Wenn man tuckig ist, was die sexuellen Wünsche aus der Reihe tanzt und dann noch psychisch labil ist, dann ist das ein Supergau der dazu geführt hat dass ich mit 19 für ein halbes Jahr in eine psychatrische Klinik gemußt habe. Ich habe Verfolgungsängste bekommen und sah überall nur Feinde die mir etwas schlimmes antun  wollen. Hinzu kamen noch familiäre Konflikte weil ich meinen Job im öffentlichen Dienst gekündigt habe. Die soziale Lage von arbeitslosen Beamten war damals schwierig.

Ich habe dann das Abitur nachgeholt und erfolglos u.  a. Slawistik in Münster studiert.

ADHS wurde bei mir erst mit Ende 30 diagnostiziert. Einige Jahre früher hätte es keine medikamentöse Hilfe für mich gegeben. Mein Leben war lange Zeit ein Scherbenhaufen. Erst jetzt geht es mir etwas besser.  Mir meinem geliebten Computer Nerd Martin bin ich aber schon 17 Jahre zusammen. Er ist wie ich auch eher ein Außenseiter.

Ich war sehr verbittert das wird jetzt besser. Die Szene verändert sich etwas durch die liberalere Einstellung in der Gesamtgesellschaft. Viele jüngere Schwule wollen so leben wie ich. Ich bin irgendwie der Trendsetter zumindest was das Thema Monogamie angeht.

Halt gibt mir auch die altkatholische Gemeinde und etwas meine Tätigkeit als Seniorenbetreuer.

Nicht alles war bisher schlecht in  meinem Leben sonst würde ich nicht mehr leben. Aber vieles war sehr frustrierend. Doch die  Tendenz geht jetzt  nach oben und ich glaube das bleibt jetzt so.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schöne schwule Männer

Schwule Männer gelten als schön. Tatsächlich wird man dieses Klischee beim Gang in eine schwule Diskothek bestättigt finden.

Schwule Männer sehen sich unter einem großen Druck gut auszuschauen. Sie sind natürlich nicht von Natur aus Alle schön.

Es wird nachgeholfen mit allem was Kosmetik und Fitnessindustrie hergeben. Viele schwule Männer haben es auch schwer alt zu werden. Dreißig gilt schon als alt in der Subkultur und mit 40 gilt man als Greis.

Dies hat Folgen – auch psychische! 50 Prozent der Schwulen gehen nicht gerne in die  Subkultur weil sie dort wegen ihres Aussehens ausgegrenzt werden. Im Zeitalter des Internets auch bei gayromeo und auf facebook.

Es gibt allerdings auch Gegenbewegungen aus der Alternativ und Undergroundkultur. Butt z. B. das schwule Avangardemagazin aus den Niederlanden zeigt bewußt auch Aktfotos von „durchschnittlichen“ Schwulen Männern. Daruner auch Promis wie etwa Michael Stipe Leadsänger von REM.

Die heterosexuelle Hypsterszene und ihre Modetrends finden auch Anhänger unter Schwulen. So dass der  Körperkult eher bei weniger gebildeten hedonistischen Schwulen noch hoch im Kurs ist. Doch ist das eher in den Metropolen der Fall und weniger in zweitrangigen Städten und Regionen wie dem Ruhrgebiet.

Seinen Ursprung hat dieser Körperkult u. a. auch in den USA in der sog. protestantischen Leistungserotik. Ein gestählter Körper erzählt von harter Arbeit und Askese, die für die evangelikalen Konfessionen der USA typisch sind,

Evangelikale Christen glauben dass sie bereits zu Lebzeiten für frommes Leben durch besonderen beruflichen und finanziellen Erfolg von Gott belohnt werden. Auch gebietet die Moral dieser Religion den Verzicht auch auf üppiges Essen.

Also kommt so Vieles an schlimmen Trends aus den USA.

Nur sind wir Mensch halt von Geburt verschieden. Der eine ist üppiger der andere neigt zur Schlankheit. Diese Moral ist im Grunde wieder die Natur. So wie wir Menschen von Geburt an verschieden sind, sind auch die Geschmäcker was die Figur des begehrten Geschlechts angeht. In der Schwulenszene ist auch die Leder- und Bärenszene ein guter Beweis für die Verschiedenartikeit der Geschmäcker. Aber nicht jeder üppige Mann oder auch seine Verehrer mögen Lederkleidung oderSM-Praktiken. Ich selber bin üppig und mein Mann war lange sehr hager und dennoch haben wir zueinander gefunden.

Ich möchte meine Leser auffordern tolerant zu sein und die, mit einer weniger im Mainstream begehrten Figur ermuntern selbstbewußt zu sein und schlagfertig. Wozu braucht man den einen Mann mit Waschbrettbauch, wo in jedem Haushalt es Waschmaschinen gibt ;-), ts ts.

Also Jungs laßt euch nicht ärgern und entmutigen. Und immer den Kopf hoch tragen damit man auch Euer sicher sympathisches Gesicht sieht.