Homosexuellenverfolgung in Tschetschenien

Irgendwie gehen mir zur Zeit die Nachrichten über die Verschleppung, Folter und auch die Morde an schwulen Männern in Tschetschenien nahe.  Ich möchte irgend etwas tun um da zu helfen und um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Etwa 150 schwule und bisexuelle Männer wurden von Sicherheitskräften in Tschetschenien verschleppt und gefoltert. Einige sind dabei gestorben. Ich bin nach wie vor geschockt.

Es ist mir in letzter Zeit kaum eine Nachricht so nahe gegangen. Ich habe schon einen befreundeten Künstler angemailt ob ihm etwas einfällt. Wir haben in Dortmund kein russisches Konsulat vor dem man demonstrieren könnte. Ich weiss nicht was man sonst tun könnte. Vielleicht fällt Euch liebe Follower etwas  ein was man machen kann um darauf aufmerksam zu machen. Ein erster Schritt ist dieser Blogpost. Wenn Ihr von geplanten Demonstrationen in NRW wißt dann nutzt die Kommentarfunktion um mich zu benachrichtigen.

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Sissy-Boy-Syndrom und Phantasie

In einem psychologischen Forum habe ich von einem jungen Mann gelesen der wohl ein reges Phantasieleben hat und viele weibliche Züge an sich hat, die er als Sissy-Boy-Syndrom beschreibt.

Von der sexuellen Orientierung pendelt er zwischen Bi- und Hetereosexualität. Ich weiss nicht ob er ADS hat. Was ich aber vermute ist dass er sehr sensibel ist. Er wünscht sich u. a. eine friedliche Welt. Wie ich finde ist das sehr sympathisch.

Ich denke dass unsere Kategorien von Männlich-und Weiblichkeit zu eng sind. Ich denke nicht dass gegengeschlechtliches Rollenverhalten immer etwas mit Homosexualität zu tun haben muss. Es kann schlichtweg Sensibilität sein.

Irgendwie habe ich mich in dem jungen Mann aber wiedererkannt. Auch in seinen romantischen Tagträumen von der großen Schwester oder der perfekten Frau. So ähnlich war dass ja auch bei mir mit dem Indianerkrieger der mutig aber auch sensibel ist.

Meinen Bruder fand ich damals langweillig und  einfältig.  Ich denke das Sexualität und Geschlechtsrollenverhalten zwei unterschiedliche Ebenen sind. Das wir die Geschlechtsrolle erst lernen und das sie ein kulturelles Konstrukt ist. Es gibt Stammeskulturen in  Ozeanien oder Afrika in denen Frauen agressiv und aktiv sind.

Viel hat das mit unserer Lebensweise  und Wirtschaftsweise zu tun und der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Auch unsere Religion spielt da mit rein.

Ich kenne viele schwule Männer die das Klischee des Sissy-Boys oder der Tunte nicht erfüllen. Mein Mann ist z. B. Computernerd, ein anderer Freund wandert gerne und ist ebenfalls in der EDV-Branche. Meine erste große Liebe bastelte gerne an alten Radios herum.

Es gibt durchaus heterosexuelle Männer die sehr sanftmütig sind und auch z. B. häkeln oder stricken. Viele halten sie dann für exzentrisch doch gehören sie fest zu normalen Männlichkeitsspektrum das eben sehr weit sein kann. Wir sprechen daher auch von Gender und dies meint die soziale Geschlechterrolle die unabhängig vom Sex, also dem biologischen Geschlecht seine kann. Es gibt auch heterosexuelle Altenpfleger oder mitunter auch Floristen.  Daher ist auch Genderpolitik so wichtig. Nicht jede Normabweichung muss bedenklich sein. Und der Begriff Sissy-Syndrom ist stigmatisierend und daher abzulehnen.

Wir sind halt alle verschieden und die Bandbreite kann sehr groß sein und das ist auch gut so.

Regenbogenfamilie und Genderfragen

Die Diskussionen bei der Sendung von Sandra Maischberger fand ich endtäuschend. Mit diesem Artikel möchte ich meine Sicht der Dinge mitteilen.

Wenn Kinder bei einem Homosexuellen Paar aufwachsen gibt es den Begriff Regenbogenfamilie dafür. Ein befreundetes Frauenpaar hat Kinder aus der Nachbarschaft miterzogen. Unter anderem einen aufgeweckten Jungen der jetzt um die 20 Jahre alt ist.

Sie hatten einen sehr guten und prägenden Einfluß auf ihn. Beide mögen alte Rockmusik und weckten bei dem Jungen das Bedürfnis E-Bass zu spielen. Und das tut er mit sehr großem Erfolg der ihn auch einen namenhaften Gitarrenwettbewerb gewinnen ließ.

Auch ein prähomosexueller Junge fühlte sich sehr wohl bei den beiden Frauen. Sie spürten früh dass er anders war und hatten sogar die Befürchtung das er Transidentisch wird. Doch er entwickelte sich gut und ich spürte vor einigen Jahren als wir sie besuchten das sein freundliches lächeln mehr war als Höflichkeit. Ich denke er identifizierte sich mit uns. Mein Mann Martin erklärte ihm viele Dinge am Computer und ich war erstaunt wie gut die Beiden zurecht kamen. Was für ein Glück das für ihn war dass er uns kennenlernen konnte und keine Angst haben  musste dass wir ihn komische finden. Das er als Kind Hobbys wie putzen hatte.

Bei dem jungen Mann der den Gitarrenwettbewerb gewonnen hatte, hatte die Bekanntschaft mit unseren Freundinnen auch einen direkten Einfluß auf sein Verhältnis zu Frauen. Ich habe immer gestaunt wie liebevoll er mit seiner Freundin  umging. Was liebe bedeutet hat er auch bei diesem lesbischen Paar gelernt. Ich fand das sehr rührend wie zärtlich und aufmerksam er immer war wenn seine Freundin bei ihm war.

Auch was das Rollenverständniß von Jungs angeht hat sich in der letzten Zeit etwas verändert. Der Neffe einer Freundin von mir entwickelt sich sehr ungewöhnlich zu einem netten vielseitig intressierten kleinen Jungen. Sein Vater stammt aus Ghana und liebt die Küche seiner Heimat. Ganz selbstverständlich hat er die Rolle des Kochs in der Familie übernommen. Sein Sohn ahmte ihn nach und bekam einen Spielzeugherd geschenkt. Sein Intresse fürs Handwerken hat er allerdings von seiner Tante, einer sehr kreativen alleinstehenden Frau. Er hilft ihr auch bei Holzarbeiten im Garten. Ich denke dass er sicher ein guter  Handwerker wird. So haben sich jetzt schon die Rollenvorstellungen verändert.

Auch die homosexuelle Gemeinschaft verändert sich deutlich. Es gibt kaum noch Transvestitten. Dies war vor 30 Jahren noch anders. Viele androgyne schwule Männer integrieren ihre weiblichen Seiten in einer männlichen Geschlechtsidentität. Dennoch gibt es verschieden transidentische Lebensweisen. Ich  würde mir wünschen dass sie auch in ihrer optischen Unvollkommenheit  in der Gesellschaft mehr angenommen fühlen könnten. Wichtig ist noch dass sie sich nicht mehr gezwungen sehen müssen durch Operationen geschlechtlich anzugleichen. Dass sie so angenommen werden wie sie sind, als Frau mit männlichen Körper oder als Mann mit weiblichen. Ich denke nicht dass dies die Polarität zwischen Mann und Frau aufhebt sondern dass man sie um eine Kategorie erweitert. Das Transmenschen so bleiben können wie sie sind und das man ihnen genauso großen Respekt zollt wie anderen Menschen auch.

Der Kinderwunsch von Homosexuellen sollte grenzen haben. Da wo sie die Würde anderer Verletzt. Eine bezahlte Leihmutterschaft ist für mich indiskutabel. Dies sollte auch für Heterosexuelle ein Tabu bleiben. Eine Frau ist keine mietbare Gebärmaschine, oder ein Stück Vieh das man decken läßt. Daher ist dort eindeutig eine ethische Grenze überschritten.

Die Problematik der Toleranz

Toleranz heißt dulden. Und häufig wird dieser Begriff im Zusammenhang mit marginalisierten, das heißt ausgegrenzten  Gruppen, verwendet.

Diese Gruppen erleben eine Stigmatisierung wegen bestimmter Merkmale die der Gruppe zugesprochen werden.

Wie etwa Promiskuität bei Homosexuellen oder Kleinkriminalität bei Armutszuwandrern vom Balkan.

Hier gibt es real problematisches Verhalten  das schwierig zu verstehen sein kann, aber auch durch Vorurteile verstärkt wird.  Häufig hat dieses Verhalten aber auch etwas mit der Diskrimminierungssituation dieser Gruppen zu tun.

Homosexuellen wird zum Beispiel das Gründen einer Familie gesetzlich erschwert. Und Roma vom Balkan etwa sind Globalisierungsopfer. Nach dem Ende des Kommunismus und Einführung der Marktwirtschaft wurden als erstes Roma entlassen.

Ein weiteres Phänomen das die Marginalisierung erklärt ist die Verwendung dieser Gruppen als Sündenbock. Die eigenen Verfehlungen werden auf diese Gruppen projeziert. Die eigene Lüsternheit  wird den Homosexuellen angekreidet wie etwa die Armut der Roma. Dies lenkt vorübergehend von den eignen Problemen ab und gilt als Erklärungsmuster.

Wie kann man das Dilemma verändern und vermeiden in die Vorurteilsfalle zu tappen.

Ich denke dass es wichtig ist Probleme immer ganzheitlich zu berachten und Vorurteile durch Wissen zu ersetzen. Da sind unsere Medien in der Pflicht die allerdings nicht immer dieser Aufgabe nachkommen. Viel zu häufig werden populistische Hetzer zu Talksendungen eingeladen und ihnen wird zu viel Raum eingeräumt.

Nun das psychologische Problem des Sündenbocks ist schmerzhaft aufzulösen. Hier kann nur Selbstreflextion helfen und dies kann unangenehm sein. Wir sollten vor Allem nicht versuchen den Anderen zu endmenschlichen weil dies immer dazu führt dass wir Dinge verschärfen und dem  Problem nicht gerecht werden, sondern schlimmer noch ir sollten uns an unsere kulturellen Wurzeln erinnern die mehr sind als nur Deutschtümmelei. Manchmal kann es heilsam sein die Verfehlungen unserer Geschichte zu studieren. Etwa die Zwangschristianisierung am Baltikum oder die Mechansismen der Demagogie des Nationalsozialiemu babarischen Instinkten Folgen.

Wir Menschen sind nicht dazu ausgelegt in großen Gesellschaften zu Leben. Im Grunde sind wir Dörfler geblieben, die nur 300 Gesichter sich merken können. Doch prägt uns nicht nur unser genetisches Erbe sondern sowohl Kultur in vielen Dingen ohne es zu wissen auch die Religion. Wir sollten aus Fehlern unserer Geschichte lernen und auch die Stärken unserer Kultur betonen. Die immer schon das Fremde in der Lage war zu integrieren. Im  Ruhrgebiet sind es zum Beispiel die Polen die ganz selbstverständlich in  unserem Land leben. Dies ist alles sehr  anspruchsvoll im  Einzelnen doch wir Menschen sind lernfähig das unterscheidet uns vom Tier und das vergessen Rassisten zu oft.

Dies gilt für uns aber auch für die Anderen deshalb müssen wir versuchen als Gesellschaft miteinander auszukommen. Dies bedeutet Toleranz!

Die Homosexuellenszene und Transgender Menschen

Traditionell gibt es eine enge Verbindung von Homosexuellen- und Transsexuellen- bzw. politisch korrekt Transgenderszene.

In vielen Kulturen etwa der Dritten Welt leben Homosexuelle Männer als Transvestittten. Grund dafür ist die stark traditionellen Geschlechtsrollenmuster in diesen Ländern. In Europa ist dies dank der Frauen- und Schwulenbewegung anders.

Homosexuelle Männer kombinieren ihr Begehren das auf Männer ausgerichtet ist mit männlichen Rollenvorstellungen. Dies kann sehr unterschiedlich gestaltet sein. Es gibt da ein sehr breites Spektrum an Rollenbildern vom SM-Leder Macho oder seine Männlichkeit betonenenden Hip-Hopper und Alternativ Rock Liebhaber bis zum sensiblen Mann mit femininer Gestik und Mimik und exszentrischem Kleidungstil. Homosexuelle verstehen sich als Männer auch wenn sie manchmal einen exszentrischen Lebensstil pflegen.

Selten kann Homosexualität ein Zwischenschritt zum Transgender sein. Auch homosexuelle Transgender kommen vor. Also Männer die in Frauenkörpern geboren wurden und andere Männer begehren. Lesbische Transfrauen, also Frauen mit biologisch männlichem Körper und Ursprungsgeschlecht kommen sogar recht häufig vor. Verstehen sie sich als burschikose lesbische Frau, was unter lesbischen Frauen häufig ist haben sie wesentlich größere Identitätsprobleme als Männer liebende Transfrauen. Auch ist die Toleranz sowohl in der Schwulenszene als besonders auch in der  Lesbenszene gegenüber Transmenschen häufig auch nicht genügend vorhanden. Die Angst der  Lesbenszene besteht darin von Männern durch die Hintertür unterwandert zu werden.

Schwule Männer die sich als männlich wahrnehmen und mitunter vielleicht auch eine Macho Attitüde haben werten Transfrauen und auch feminin wirkende Männer häufig ab. Man kann schon davon sprechen das die Solidarität mit Transmenschen häufig brüchig ist.

Transmänner haben es häufig leichter da man ihnen ihre Vergangenheit als Frauen seltener ansieht. Es ist bedauerlich dass diese Solidarität derart brüchig ist da sowohl Homosexuelle als auch Transgender unter den gleichen oder ähnlichen Ausgrenzungsmustern leiden.

Bei vielen Homosexuellen die Transgender ablehnen spielt ein nicht bewältigtes Coming Out eine Rolle. Ähnliche wie homophobe Heteros sich durch die Abwertung Schwuler Männer ihre Männlichkeit vergewissern tun dies auch mitunter auch schwule Männer.

Doch scheint bei Beiden Heteros als auch schwulen Männern oder auch Transfrauen ausgrenzenden lesbischen Frauen die eigene sexuelle bzw. auch Geschlechtsrollenidentität nicht genügen gefestigt zu sein, so dass sie sich von alternativen  Männlichkeitsvorstellungen bzw. Weiblichkeitsvorstellungen in ihrer eigenen Rolle bedroht fühlen. In ihrer Rolle gefestigte Menschen  definieren sich nicht über Ausgrenzung sondern durch ihren Lebensstil.

Also ist Transphobie eine Folge von Frauenfeindlichkeit und brüchigem Selbstbewußtsein von Männern bzw auch lesbischen Frauen. Frauen haben es leichter alternative Geschlechtsrollenmodelle zu leben. Es gibt kaum herabsetzende Begriffe für burschikose Frauen und wenn klingen sie veraltet wie etwa kesser Vater oder Mannweib. Dagegen ist Tunte, Schwuchtel oder Tucke immer noch für einen Mann eine schwerwiegende Beleidigung.

Selbst ich ein femininer schwuler Mann habe manchmal auch Probleme mit einigen Ausdrucksformen schwuler Kultur und stehe ihnen mitunter kritisch entgegen. Mich stört an der Travestie etwa dass sie Frauen parodiert und sie durchaus auch deftig karikiert. Ich finde es auch nach wie  vor problematisch wenn sog. Crossdressern ( crossdressing – Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts) in die Rolle des Clowns gezwungen werden. Sicher gibt es begabte Komiker und Komikerinnen unter Crossdressern wie etwa Olivia Jones doch finde ich es auch beschähmend, dass es für sie die einzige gesellschaftlich akzeptierte Freiraum ist die wir ihnen einräumen. Und einige Schwule Travestiekünstler treiben das vermeitlich lächerliche derart auf die Spitze dass es förmlich eine Form der Selbstdemütigung hat . Ansonsten freue ich mich häufig an der Buntheit der Rollenidentitäten und bin mit alternativen Geschlechtsrollenidentitäten solidarisch.