Mir hängt die Stadt zum Hals heraus

Ich bin und bleibe ein „Small-Town-Boy“. Ich bin nicht sehr glücklich in der Großstadt.  Der ganze Straßenverkehr und dieses Häusermeer geht mir in Dortmund auf die Nerven. Als schwuler Mann habe ich geglaubt nur in der  Großstadt leben zu können. Ich weiß nicht ob das so eine natürliche Gesetzmäßigkeit ist. Ob die Agrarwüste etwa des Münsterlandes besser für mich wäre. In Lünen-Brambauer zu leben, wie meine Eltern kann ich mir auch nicht vorstellen. Kulturell ist da nichts los und zum einkaufen haben sie es auch weit.

Martin und ich können uns keinen Umzug leisten. Und die Stadt vertröstet uns auch nur was die Ansiedlung eines Supermarktes am Borsigplatz angeht und den Grünzug über die Westfalenhütte zum Fredenbaumpark angeht. Ich vermisse so sehr den Wald meiner Kindheit. Aber ich war auch sehr einsam in Lünen. Das ist in Dortmund nicht so.

Es bleibt mir nichts anderes übrig als mich mit dem Leben hier zu arrangieren. Hier am Borsigplatz gibt es wenigstens Hoffnung das wir in der Nähe einen Grabelandgarten pachten können.

Ich muss mich einfach häufiger im Grünen aufhalten. Zur Not im Hoeschpark und im Freibad Stockheide. Das der Wald im Hoeschpark so vernachlässigt wird ist einfach auch eine Schande. Der bot doch etwas an Rückzugsmöglichkeiten. Ich war da lange nicht mehr ich weiss tatsächlich nicht wie es dort aussieht. Ob der Teil um den Teich noch sehr sumpfig ist. Vielleicht hat sich die Lage dort verbessert?

Gedanken gegen den Dortmund Blues!

Im Grunde bin ich sehr unzufrieden mit meiner Heimatstadt Dortmund. Die Stadt ist sehr zersiedelt, große zusammenhängende Wald- und Naturflächen gibt es in unserer Stadt nicht. In Duisburg ist das zum Beispiel der Fall. Der Stadtwald ist dort 10 qkm groß. Auch an schönen historischen Gebäuden fehlt es in Dortmund. Durch meine persönliche Lebenssituation bin ich aber gezwungen in dieser doch etwas tristen Stadt wohnen zu bleiben. Mit diesem Artikel möchte ich mich etwas trösten.

Was gefällt mir an Dortmund? Also ich  mag unseren Kanal mit seinem  Hafen. Jedes Jahr mache ich mindestens einmal die Hafenrundfahrt. Sie führt durch alle Hafenbecken an dem Straßendorf Deusen mit seinen Wiesen und Feldern und einer großen begrünten Abraumhalde vorbei.

Das Dortmunder Hafenviertel ist auch von der Gastronomie wesentlich innovativer als es etwa vergleichbare Viertel in Duisburg oder auch Münster sind. Es gibt ein halbes Dutzend neuer sehr urbaner Szenekneipen und Treffs im Hafenviertel.

In Deusen auf einer Halde gibt es einen sehr schönen Teich der sehr naturnah ist und wo viele Felsenbirnen wachsen. Die stacheligen Früchte sind sehr mühsam zu Pflücken geben aber gekocht aber gutes Gelee oder auch Marmelade ab. Der Teich ist botanisch geshen sehr vielfältig bewachsen. Für mich und meinen Mann ist das auch ein beliebtes Ausflugsgebiet. Auch das Arboretum vom Rombergpark mit seinem Nordamerika-Teil gibt mir das Gefühl für einige Momente in einem kanadischen oder nordamerikanischen Wald der Atlantikregion zu stehen.

Ich mag Akustikgitarrenmusik. Im Torhaus im Rombergpark gibt es was klassische Musik auf diesem Instrument angeht immer wieder Konzerte aus einer regelmäßigen Veranstaltungsreihe. Auch im „Rekorder“ am Hafen und in der Pauluskirche gibt es Auftritte von „Singern und Songwritern“ in Begleitung einer Gitarre.

An historischen Gebäuden gibt es nicht mehr sehr viele in der Innenstadt. Doch alle Innenstadtkirchen sind mittelalterlichen  Urspungs und haben wunderschöne Altarbilder. Die Marienkirche hat ein wunderschönes Altarbild von Conrad von Soest und die Petrikirche beherbergt das sogenannte „Goldene Wunder“. Das ist das bildreichste Werk der mittelalterlichen Kunst in Deutschland oder auch Europa, und ist ein riesiger vergoldeter Schnitzaltar aus Antwerpen. Das Azad Gebäude aus rotem Sandstein finde ich schön und natürlich die historische Häuserzeile gegenüber der Reinoldikirche. Die Marienkirche ist mit Abstand die schönste hiostorische Kirche in der ganzen Umgebung. Die Fenster des Chores der Reinoldikirche sind ebenfalls sehr prächtig wie auch die Figuren von St. Reinoldus und Karl dem Großen.

Ich wohne in der Dortmunder Nordstadt die das größte Zusammenhängende Altbauwohngebiet mit vielen Gründerzeithäusern im Ruhrgebiet ist.

In Eving gibt es einen größeren Wald das   sog. Grävingholz und den Süggelwald. Dort hält Jemand auch Kängurus und es gibt dort auch ein Wildgehege.

Der Staudengarten im Rombergpark ist sehr schön und auch der Rosengarten vom Westfalenpark.

Unsere altkatholische Gemeinde bekommt eine neue Pfarrkirche. Sie hat eine schöne Holzfurnierdecke und schöne blaugetönte große Fenster. Ich glaube jetzt ist schon  mein Dortmund Blues weg. Obwohl mir viele andere Städte besser gefallen wie etwa Raststatt, Karlsruhe oder Oldenburg.