Ich muss mich neu erfinden

Da ich nicht mehr tagträume muss ich mich neu erfinden. Was früher wichtig war ist nicht mehr so wichtig. Meine alten Interessen taugen zu nichts mehr. Ich habe ja z. B. gerne historische Romane gelesen weil ich mich gerne in diese Welten hinein geträumt habe. Im Grunde will ich aber etwas lesen was mit der Gegenwart zu tun hat. Was mit meinem Leben und  mit mir zu tun hat. Ich bin viel egozentrischer geworden. Ich stehe viel mehr im Mittelpunkt meines Kosmos. Ich fand den Roman von Mina Teichert „Neben der Spur aber auf dem Weg“ ganz gut. Vielleicht lese ich noch „Emily auf der Moon Farm“ obwohl es ein Jugendroman ist, weil es da um eine Tagträumerin geht ähnlich wie bei „Anne auf Green Gabels“.  Von Indianer Abenteuern will ich nicht mehr träumen. Es gibt Erwachsene die das wirklich noch kultivieren wie etwa der Stiefvater meines Patenkinds Emilia. Salvador Sobral ist mir langhaariger Held genug. Und seine Musik bewegt  mich jedenfalls. Es ist aber so das ich mich neu finden muss. Ich weiß nicht mehr was mir wichtig ist. Ich möchte in der Gegenwart und in der Realität verwurzelt sein. Scince Fiktion und Fantasieabenteuer wie bei Martin fallen da schon weg. Bin ich da zu streng  mit mir?

Meine kleine Farm Fantasien finde ich nicht so verkehrt. Ich träume noch vom Grabelandgarten mit der Zwerghühnerschar. Das würde mir auch gut tun. Ich glaube der Umgang mit Tieren würde mir wirklich gut tun und die Gartenarbeit. Den Topfgarten habe ich aufgegeben. Die Amseln haben zu viel Schaden angerichtet. Dafür habe ich viele Pflanzen auf dem Balkon. Ich habe auch Gemüsepflanzen dort. Und zwar Prunkbohnen und Radieschen. An Kräutern haben ich Pfefferminze und auf dem Hof noch Winterheckenzwiebeln.

Ich glaube aktiv zu sein ist mir wichtiger als nur der passive Träumer. Ein besserer Koch möchte ich auf jeden Fall werden und einige kompliziertere Häkelmuster und Projekte möchte ich umsetzen. Auf jeden Fall mehr als nur halbe Stäbchen in Reihen.

Das sind ja Ziele genug. Aber was könnte ich denn noch lesen was mich in die Gegenwart führt. Vielleicht sollte ich mich mal von Dominic oder Karin vom Litfass beraten lassen. Das wäre sicher sinvoll.

 

 

Ich fange immer mehrere Dinge gleichzeitig an führe sie aber nicht zu Ende

Das sich nicht konzentrieren können wirkt sich auch auf meine Hobbys aus.

Es ist doch wie verhext. Ich habe immer so viele Ideen die ich machen kann was meine Hobbys angeht, fange aber sie nicht an oder führe sie nicht zu Ende. Ich verzettel mich auch bei Freizeitaktivitäten. Der Poncho ist noch nicht fertig da habe ich eine Tischdecke fast zur Hälfte fertig gemacht. Als es schwierig wurde habe ich den Poncho liegen lassen.

Im Grunde muss ich am Halsausschnitt noch eine oder zwei Reihen anhäkeln und ihn zusammenhäkeln und die zahlreichen Fäden einziehen.

Im Grunde komme ich nur mit einfachen Häkelmodellen zurecht. Ich habe auch extra einen Poncho gehäkelt weil ich die Armausschnitte für einen Pullover nicht kann. Das erfordert zu viel Genauigkeit und Konzentration. Im Moment häkele ich gerne halbe Stäbchen und Stäbchen in Reihen. Auch Mützen habe ich so gemacht. Das Muster habe ich dann mit einem changierenden Garn, so ähnlich wie ein Sockengarn in Streifen da rein gehäkelt. Das sieht wirklich gut aus. Bei Zeemann hatten die so ein tolles Garn aus Polyacryl das schon ein Muster in sich hatte. Manchmal verwende ich auch tiefer eingestochene Stäbchen für ein Muster.

Außerdem habe ich noch Garn zum Häkeln von Spülschwämmen gekauft. Das habe ich auch noch mal irgendwann vor.

Den Roman von Terry Prachett “ Rollende Steine“ werde ich wohl nicht zu Ende bringen. Der ist mir zu langatmig. Dafür habe ich mehrere andere Bücher und Kurzgeschichtensammlungen gekauft und schon angelesen.

Ich werde wohl als nächstes den Roman „Harka – Die Söhne der großen Bärin“ lesen.  Mit dem Prachettroman komme ich nicht zurecht. Ich habe auch einen Gedichtband von Fernando Pessoa aus der Stadt und Landesbibliothek ausgeliehen da ist das Gedicht Pressagio, das Salvador Sobral gesungen hat, nicht drin. Es gibt aber noch mehr an übersetzten Gedichten von Pessoa in der Bibliothek. Ich muss doch mal in einem anderen Gedichtband von Pessoa gucken.

Viele Kurzgeschichtensammlungen von Lucy Maud Montgomery habe ich bei Amazon günstig als E-Book heruntergeladen und die kompletten Romane um Anne of Greengables auch.

Ich frage mich wann ich das alles lesen will. Denn ich habe noch vor längerer Zeit einen Roman um das Gilgamesh Epos und einen Band  der Lebenserinnerungen eines Tierarztes gekauft. Zeit habe ich eigentlich genug Streife aber nach den Lebensmittel einkäufen zu lange noch in der Stadt herum. Meistens um wieder neue Inspirationen zum Handarbeiten oder Lesen zu finden.

Im Grunde ist das furchtbar. Dabei kaufe ich nichts mehr aber schauen tue ich trotzdem noch.

Ich bin depremiert

Lange Zeit haben mich die depressiven Symptome aus dem Vorjahr in Ruhe gelassen.

Heute haben wieder zum x-ten mal wilde Tiere meinen Topfgarten auf dem Hinterhof verwüstet. Ich denke es waren wohl Ratten oder auch Amseln die meine Pflanzen zerbissen und das Erdreich aufgewühlt haben.

Auch meine Beziehung frustriert mich. Die unterschwellige Depression von Martin und seine Antriebsarmut  zieht mich mit herunter. Wir unternehmen nichts mehr gemeinsam und unser Sexleben ist eingeschlafen.

Mein Antrieb ist tiefer in den Keller gesunken. Es fällt mir schwer überhaupt mich abends sinnvoll zu beschäftigen. Tagsüber schaffe ich nur die Lebensmitteleinkäufe und das Kochen des Abendessens.

So kann es nicht weiter gehen. Ich muss doch etwas tun. Ich weiß nicht was. Ob ich mir etwas vom Nervenarzt aufschreiben lassen soll. Es ist komisch mit Depressionen bei mir sie halten nicht durchweg an. In einem anderen Moment kann die Stimmung schon besser sein. Vielleicht reicht es wenn ich mich mit etwas sinvollem beschäftige.

Sicher wäre es auch nicht verkehrt wenn Martin und ich was gemeinsam unternehmen würden. Doch seine sozialen Ängste sind wirklich schlimm so das wir nur ins Kino oder Essen gehen können. Volksfeste und Märkte kommen nicht in Frage und Diskotheken auch nicht. Das war früher etwas besser da sind wir wenigstens tanzen gegangen. Das ist nicht wirklich leicht mit einem schyzoiden Partner.

Aus Schusseligkeit Medikamente vertauscht und Termin beim Arbeitsamt

Heute habe ich fast den ganzen Tag geschlafen. Ich habe letzte Nacht schlecht geschlafen und aus Versehen die Nachtmedikation morgens genommen.  Nach dem Termin beim Arbeitsamt habe ich  mich dann zu Hause wieder hingelegt und bin nur mal kurz aufgewacht um etwas zu essen.

Ich nehme zur Nacht ein Neuroleptikum zum schlafen. Tagsüber nehme ich Stratterra und ein Neuroleptikum wegen einer psychotischen Episode.

Der Termin beim Arbeitsamt war wegen einem Projekt für Langzeitarbeitslose. Die Stadt bietet einige Stellen für Langzeitarbeitslose an u. a. im Kantinenbereich und in der Betreuung und Begleitung von Senioren. Ich habe da meine Konzentrationsprobleme verschwiegen ich hoffe das dass nicht schlimm ist.

Der große Schlachtplan gegen Schmutz und Chaos

Ich habe ja durchaus Züge eines Messies, zwar nur aus Antriebsarmut als durch die Unfähigkeit wegzuwerfen, dennoch ist unserer Haushalt sehr chaotisch und es fehlt auch an kontinuierlicher Sauberkeit.

Das Chaos in meinem Schlafzimmer ist etwas kleiner geworden und ich arbeite auch immer wieder daran und zwar am Donnerstag. Zur Belohnung hole ich Martin und mir für die gemeinsame Entrümplung unseres Zimmer immer ein Grillhühnchen vom Imbiss an der Hauptstraße. Das Chaos in der Küche räume ich jeden Abend auf und kaufe dafür Hobbyartikel wie Pflanzen für meinen Hinterhofgarten oder Wolle zum Handarbeiten.

Und das Chaos im übrigen Teil der Wohnung will ich ebenfalls täglich bewältigen. Ich möchte jeden Tag die Wohnung putzen und aufräumen und das für eine Stunde. Als Belohnung gehe ich jeden Tag zum Bäcker Kaffee trinken und meinen Bekannten Dominic auf seiner Arbeit in einem Buchladen besuchen.

Ich hoffe das bringt etwas. Aber ich denke schon dass dies ausreicht. Am Sonntag will ich mich immer eine Stunde um Balkon und Hinterhofgarten kümmern. Das reicht wahrscheinlich. So viel Zeit brauche ich gar nicht außer etwas zum, gießen, düngen, pflanzen und den Boden lockern.

Ich werde berichten was das gebracht hat.

 

Mina Teicherts biografischer Roman „Neben der Spur aber auf dem Weg“ ist wirklich spannend

Gestern habe ich mir das Buch von Mina Teichert „Neben der Spur aber auf dem Weg“ gekauft, dass sich biografisch mit ihrem ADS beschäftigt.

Ich lese dass Buch jetzt gerade den zweiten Tag und ich bin schon auf Seite 170 von 269.

Es ließt sich sehr gut und ich lese es sehr begeistert und konzentriert. Sie schildert die Reizüberflutungen anschaulich und ihre Phantasiewelt als Kind und die Begleitstörungen wie etwa selbstverletzendes Verhalten und Alkoholmissbrauch.

Die löcherige Biografie ähnelt stark meiner ich habe auch einen miesen Callcenter Job gemacht aus dem ich gekündigt wurde weil ich zu ehrlich war und die Leute nicht über den Tisch ziehen wollte.

Ich hatte mehr soziale Ängste als Sie. Auch andere Essstörungen, ich habe eher immer zu viel gegessen. Und andere Süchte. Bei mir war es eher Sex zum runterkommen als Alkohol und Cannabis. Und die Hochsensibilität fehlt etwas bei ihr. Ich weiss nicht wie es mit Weltschmerz und solchen Dingen bei ihr aussieht und dem Gerechtigkeitssinn und dem übersteigerten Mitgefühl für andere. Vielleicht kommt das aber noch im Buch vor. Zum Schluss soll sie auch Lösungsstrategien für ADS Probleme bieten. Schön wäre es wenn sie mehr über ihre Phantasiewelten erzählt hätte. Auf die wäre ich nämlich wirklich gespannt. Was andere ADSler träumen finde ich ungemein interessant.

Mir gefällt das Buch sehr gut weil es deutlich macht wie schwierig das Leben mit ADS ist. Ich würde das Buch Betroffenen und Angehörigen schon empfehlen. Einem muss schon klar sein dass jeder Fall auch anders ist und das nicht alle ADSler ähnliche Biografien haben. Das liegt auch am Schweregrad der Erkrankung und am persönlichen Umfeld. Mina Teichert gehört in meinen Augen zu den Schwerstbetroffenen. Ihr Bruder ist hyperaktiv und hat schon früh Hilfe bekommen. ADS bleibt dagegen lange unerkannt.

Ein neues Angebot vom Arbeitsamt

Heute war ich beim Arbeitsamt. Die Sachbearbeiterin hat  mir angeboten klären zu lassen ob bei mir ein Reha-Bedarf besteht. Dazu muss ich noch einmal zum Amtsarzt und auch noch einmal zum Psychiater in der ADHS-Ambulanz. Er soll da etwas schriftliches aufsetzen.

Die Beurteilung durch den berufspsychologischen Dienst war nicht so verheerend wie ich dachte. Mir wird zugestanden dass ich die Umschulung vom Intellektuellen her bewältigen könnte weil ich schon auch anspruchsvollere Arbeiten gemacht habe.

Problematisch wäre die Konzentrationsfähigkeit und psychische Belastbarkeit.

Meine Sachbearbeiterin hat mir eine geförderte Beschäftigung  im Seniorenbegleitdienst angeboten. Darüber habe ich mich gefreut. Das würde ein höheres Einkommen und eine angemessene Beschäftigung für mich bedeuten. Das ist ja das was ich mir wünsche. Ich bekomme eine Einladung von einem Kollegen von ihr und da wird geprüft ob ich da hinein passe. Auf jeden Fall war der Besuch des Arbeitsamtes angenehmer als ich dachte.

Wer sind meine Freunde und wo treffe ich sie

In meinem Freundeskreis habe ich ehemalige Nachbarn, einen Bekannten aus der Schwulenszene und einen Künstler von Borsig11.

Die meisten von ihnen leben in einer ähnlichen Situation wie ich. Einige haben soziale Ängste, ADS oder sind aus anderen Gründen Außenseiter.

Viele kommen auch aus der Dortmunder Nordstadt in der ich auch Lebe.

Um Leute zu treffen gehe ich regelmäßig zum Gottesdienst der altkatholischen Gemeinde mit anschließendem Gemeindecafe, zum Handarbeitskreis im Cafe Aufbruch, und zu einzelnen Veranstaltungen von Borsig11 und im Concordia Art.

Ich gehe so gut wie nie in die Schwulenszene. Ab und an gehe ich zu einem schwulen Filmabend in die Schauburg aber das geschieht sehr selten.

Auch in Kneipen und Bars gehe ich selten. Im Jazz Club Domizil war ich zwei mal. Häufiger gehe ich dann schon eher zur klassischen Gitarrenreihe im Torhaus im Rombergpark. Mit Martin gehe ich ganz selten ins Kino meistens in Scince Fiktion Filme und englische Komödien.

 

 

Was für meinen Sinn hat mein Leben?

Außer in der Ausbilung und einige Wochen im  Callcenter habe ich noch nie in meinem Leben richtig gearbeitet.

Im Grund habe ich nur meine Träume für die ich Lebe doch sind diese weit weg entfernt.

Ist mein Leben sinnlos? Manchmal habe ich schon den Gedanken dass ich nur wenig wert habe.

Ich denke aber dass ich für Jemanden auch ein Schatz bin, wenn es nur Martin mein Lebenspartner ist. Und ich leiste ihm Gesellschaft, koche für ihn und baue ihn auf. Ich denke nicht dass das mein Leben keinen Sinn hat. Auch wenn man mal hingefallen ist muss man nicht liegen bleiben. Vielleicht hat mein Leben mehr Sinn als das von meinem Bruder der Singel ist und in einer Großbäckerei   durch ein Zeitarbeitfirma beschäftigt ist.

Hat man nur einen Wert  wenn man seinen Lebensunterhalt selber verdienen kann? Sicher nicht. Vielleicht sollte ich das Arbeitslosengeld II auch als Grundsicherung wahrnehmen bis ich auf die Beine komme. Und das ich wieder auf die Beine komme, dass ist auch mein Verdienst.

Ich habe heute viele Bücher entrümpelt und meinen Computertisch aufgeräumt. Ja ich habe nur Convience Produkte aufgewärmt aber ich war für Martin da und habe ihn in den Arm genommen als er sagte das er depremmiert ist.  Ich denke ich habe wert aus mir selber. Und wer weiss vielleicht wird das ja noch etwas mit der Erwerbsarbeit. Ich bemühe mich ja dass das etwas wird mit der Arbeit. Ich investiere sogar gespartes Geld in einen Kurs bei den Maltesern.  Vielleicht sollte ich akzeptieren dass ich eine Behinderung habe und dass die durchaus keine  Lapalie für mein Leben ist. Beim Test in der ADHS-Ambulanz in Bochum hatte ich einen Scorwert von 68 was sehr hoch ist. Ich muss akzeptieren dass ich mit mehr Dingen zu kämpfen habe als andere. Dafür geht es mir aber durch die Medikation schon besser als vor Jahren. Und das ist auch ein Fortschritt. Ich lese gleich noch etwas vielleicht bringt mich das auf andere Gedanken.

Ich habe mehr Freude am Lesen

In diesem Jahr habe ich schon eine Biografie, zwei Novellen (Kurzromane) und mehrere Kurzgeschichten gelesen. Zur Zeit lese ich ein Buch von Terry Pratchett. Früher habe ich viel weniger gelesen. Wenn dann auch mehr Sachbücher und dann auch nur abschnittweise. Jetzt lese ich viel mehr Belletristik.

Auf Terry Pratchett hat mich eine alte Schulfreundin gebracht. Die anderen Bücher und Geschichten waren von und über Lucy Maud Montgomery. Bei ihr kommt das Motiv des Tagträumers häufiger vor.  Wie etwa im „Schloss in den Wolken“ einem der wenigen Romane die Lucy Maud Montgomery für Erwachsene geschrieben hat.

Ich kann mich wohl doch besser konzentrieren und habe mehr Spass beim lesen. Also ist das auch eine positive Wirkung von Strattera.