Ich bin müde und lustlos

Gestern Nacht musste ich eine weitere Tablette von dem niedrigpotenten Neuroleptikum nehmen um zu schlafen. Ich habe sehr lange geschlafen und komme nicht in die Gänge. Dabei wartet ein hungriger Kater auf mich dass ich ihn füttern soll am anderen Ende des Stadtteils. Ich muss mich nicht übermäßig beeilen weil der Kater heute früh noch von der Bekannten gefüttert wurde, sie fliegt erst heute in den Urlaub nach Mallorca.

Ich schreibe im Moment fast täglich einen Blogbeitrag. Wer soll das alles lesen? Es erstaunt mich schon sehr wie viel Mitleid ich mit James aus Bob der Streuner habe. Vielleicht erinnert er mich ein wenig an meine eigene schwierige Lebenssituation, die doch immer um Längen besser war.

Ich habe wieder etwas Fernweh. Ich würde gerne in einer anderen, kleineren Stadt leben. Vielleicht liegt es wirklich daran dass ich mich etwas einsam fühle. Ich habe nur wenige regelmäßige soziale Kontakte. Ich telefoniere täglich mit meiner Mutter und spreche mehrmals die Woche mit dem Verkäufer von unserer Stadtteilbuchhandlung wo ich hin und wieder auf einen Gratis Kaffee hingehe.

Martin sehe ich erst abends. Ich brauche wirklich einen Job. Das ist schon klar warum ich mich so einsam fühle. Im September mache ich aber dann die Umschulung zum Seniorenbetreuer bei den Maltesern.

 

Ein neues Angebot vom Arbeitsamt

Heute war ich beim Arbeitsamt. Die Sachbearbeiterin hat  mir angeboten klären zu lassen ob bei mir ein Reha-Bedarf besteht. Dazu muss ich noch einmal zum Amtsarzt und auch noch einmal zum Psychiater in der ADHS-Ambulanz. Er soll da etwas schriftliches aufsetzen.

Die Beurteilung durch den berufspsychologischen Dienst war nicht so verheerend wie ich dachte. Mir wird zugestanden dass ich die Umschulung vom Intellektuellen her bewältigen könnte weil ich schon auch anspruchsvollere Arbeiten gemacht habe.

Problematisch wäre die Konzentrationsfähigkeit und psychische Belastbarkeit.

Meine Sachbearbeiterin hat mir eine geförderte Beschäftigung  im Seniorenbegleitdienst angeboten. Darüber habe ich mich gefreut. Das würde ein höheres Einkommen und eine angemessene Beschäftigung für mich bedeuten. Das ist ja das was ich mir wünsche. Ich bekomme eine Einladung von einem Kollegen von ihr und da wird geprüft ob ich da hinein passe. Auf jeden Fall war der Besuch des Arbeitsamtes angenehmer als ich dachte.

Wer keine Ahnung hat sollte mal besser die Fresse halten – eine Mutter über ADHS

Bei diesem Artikel den ich heute in der Huffington Post gelesen habe musste ich an die Dozentinnen vom EWZ  in Dortmund denken. Es gibt so viele Fehlinformationen über ADHS in der Welt dass es richtig weh tut. Vorurteile gegenüber dieser Krankheit verletzen uns Betroffene ungemein. Ob es die Unterstellung einer Modekrankheit ist, Faulheit oder einfach als Versagen der Eltern bewertet wird ist wirklich ungerechtfertigt. Und gerade ausgesprochene Ritalinkritiker kommen aus unseriösen wissenschaftlichen Nischen. Und ein Teil dieser Nischen wird sogar von der Scinetology-Sekte ausgefüllt. Es ist berührend wie diese Mutter ihren Kampf mit dem Syndrom ihres Sohnes beschreibt und wie einfach Hilfe für ein hyperaktives Kind sein kann. Die Jahrzehnte lange Forschung zu ADHS, was die am besten erforschte psychiatrische Störung des Kinder- und Jugendalters ist, wird mit einfachen lapidaren Sätzen, wie das ist nur ernährungsbedingt, haben wir alle nicht ADS, von Ritalinkritikern weggewischt. Und das ist tatsächlich unerträglich.

Hier ist der Link zum Artikel:  http://www.huffingtonpost.de/anja-falk/adhs-behandlung-therapie_b_9180502.html

Vorteile vom Leben in der Dortmunder Nordstadt

Im Grunde bin ich ein „Small-town-boy“. Ich bin in Lünen an der Stadtgrenze zu Dortmund aufgewachsen. Meine Eltern und mein Bruder leben noch in Brambauer, wohin es eine Straßenbahnverbindung aus Dortmund und der Nordstadt gibt.

Lange habe ich auch davon phantasiert wieder in einer Kleinstadt zu leben. Ich weiss auch mittlerweile dass das kulturelle Angebot etwa in Lünen gar nicht so schlecht ist.

Ich komme jetzt zum eigentlichen Thema des Blogbeitrags. In der Dortmunder Nordstadt kommt man mit wenig Geld aus. Die mieten hier sind niedrig, das einrichten der Wohnung ist nicht teuer weil es ein Sozialkaufhaus mit Möbeln von der Diakonie gibt und natürlich den Billigbaumarkt Tedox.

Was meine Hobbys angeht bin ich in der Dortmunder Nordstadt gut augehoben. Es gibt Wolle bei Zeeman und bei Tedox günstig zu kaufen. Grabelandgärten gibt es sowohl von der Deutschen Bahn als auch vom Verband der Kleingärtner.

Was das lesen und Musik hören angeht bin ich hier gut aufgehoben denn es gibt einen Buchladen der auch ein kleines Sortiment an Büchern vom Verlag 2001 führt an der  Münsterstraße.

Wenn es mir danach ist   Leute zu treffen gibt es hier viele Vereine und auch  einige Kneipen und Partys. Für schwule und Lesben gibt es die gemeinnützige Begegnungsstätte KCR, am Borsigplatz macht der Verein Borsig11 immer schöne Aktionen und auch im Kunstladen ConcordiaArt gibt es intressante Konzerte, gerade auch im Bereich der Singer und Songwriter.

Was ein Nachteil vom Borsigplatzviertel ist, dass es keinen sehr nahen Supermarkt dort gibt. Ich muss an die Bornstraße oder zum Nordmarkt bzw. zu den Supermärkten bei Hornbach.

Und an Pantoffelgrün fehlt es etwas. Den Hoeschpark finde ich nicht so schön und zum Fredenbaumpark  ist es relativ weit. Es soll aber irgendwann  ein Grünzug vom Hoeschpark über die Westfalenhütte zum Fredenbaumpark entstehen. Das ist aber erst in der Planung, und in Dortmund passieren Veränderungen immer langfristig.

Auch soll es in einem geplanten Wohngebiet am Borsigplatz einen neuen Supermarkt geben. Doch auch diese Planungen stehen nicht kurzfristig vor der Umsetzung. Also ist dies der große Wehrmutstropfen in der Nordstadt. Aber gerade für Menschen mit einer Behinderung ist die Nordstadt eine gute Wohnadresse weil das wohnen sehr günstig ist. Und gerade Menschen mit einem Handykap  haben häufig kein hohes Einkommen.

Die medizinische Versorgung ist hier o. k. . Es gibt Fachärzte, Massagepraxen, Ergotherpiepraxen und die Unfallklinik. Auch mehrere Nervenärzte gibt es in der   Nordstadt. Allerdings lasse ich mich in der ADHS Ambulanz an der LWL-Klinik in Aplerbeck behandeln.

Was bringt mir das Medikament Straterra

Straterra wirkt etwas weniger gut als Methylphenidat bzw. Ritalin. Etwa 30 Prozent der Symptome werden besser. Bei mir konkret sind das zu allererst die großen Stimmungsschwankungen, die niveliert Stratterra. Und die Konzentration wird dauerhaft besser ich kann zum Beispiel besser lesen und habe mehr Freude daran. Auch die Impulsivität ist dauerhaft weniger geworden.

Nun zu einem Nachteil. Stratterra wirkt nicht so gut auf den Dopaminhaushalt im Gehirn. Ein höherer Dopaminspiegel  ist aber für den Antrieb und die Motivation wichtig. Der Antrieb hat sich bei mir nicht verbessert. Im Grunde muss ich täglich mit meinen inneren Schweinhund kämpfen. Durch Sport wird das aber etwas besser.

Unterschwellige Depressionen können auch durch die Medikation durch Stratterra hochkommen. Das liegt daran dass man den Scherbenhaufen des Lebens bewußter wahrnimmt in all seinen Teilen. Bewußtheit bringt halt auch mehr Bewußtsein für die eigenen Probleme mit. An sich macht das Medikament aber nicht depressiv es wirkt aber eher Stimmungsausgleichend als dauerhaft Stimmungsaufhellend. Eventuell kann da Coaching oder eine Psychotherapie helfen. Ich nutze den  Blog für eine Psychohygiene in dem ich über all meine Schwierigkeiten schreibe.

Ein Problem dass bestehen bleibt und das auch eher Methylphenidat verbessern soll sind die Mißempfindungen bei der Sexualität. Das liebevoll gemeinte Berührungen durch den Partner als unangenehm erlebt werden können. Das ist aber generell ein Problem beim hypoaktiven Subtyp. Die Berührungsempfindlichkeit durch Zärtlichkeiten ist ein Symptom des ADS. Als schwuler Mann nehme ich daher auch gerne die aktivere Rolle ein so dass ich das dadurch umschiffe. Früher habe ich Martin  meinem Lebensgefährten die Schuld daran gegeben. Aber es liegt an mir.

An Nebenwirkungen  habe ich entzündete Gesichtshaut die sich aber gut mit einer Ringelblumen- und Sanddorngesichtscreme behandeln läßt. Diese Creme habe ich bei Kodi gekauft. Und ich habe Bauchschmerzen wenn ich zum Stuhl absondern auf die Toilette muss. Sonst habe ich keine Nebenwirkungen.

Ich hatte zweimal im Leben eine akute psychotische Reaktion

Ich denke über die zwei psychotischen Episoden in meinem Leben nach.  Die erste bekam ich mit 19. Sie hatte belastende Lebensereignisse als Hintergrund. Zum einen war meine Endtäuschung über die Schwulenszene damals sehr stark. Ich konnte mit der Promiskuität und der internalisierten Homophobie und dem   Hass auf tuckige Schwule nichts anfangen. Teilweise war ich auch Opfer von Ausgrenzung.  Auch das ADS spielte da durchaus eine Rolle. Ich glaube die mangelhafte Selbstbehauptungsfähigkeit und das Versagen in beruflichen Zusammenhängen waren ein Problem. Dann war da noch die drohende Versetzung nach Ostdeutschland und Konflikte in der Familie wegen meiner beruflichen Zukunft nach meiner Kündigung bei einem staatlichen Unternehmen.

Die zweite psychotische Episode hatte ich während einer Umschulung. Manipulatives und ausgrenzendes Verhalten wegen meiner ADS-Erkrankung durch Dozentinnen und eine Depression wegen meiner Telefonsexsucht lösten auch zuerst depressive Symptome aus bis ich dann Verfolgungsängste entwickelte.

Ich denke dass psychotische Episoden innere Konflikte wiederspiegeln. Und das zum einen das befürchtete oder auch tatsächlich sich nicht angenommen fühlen, depressive Episoden auslöst und dieser innere Konflikt auf andere projeziert wird und es zu paranoiden Phantasien kommt.

Was mir geholfen hat ist das Annehmen meiner Eigenarten und ein geschütztes freundliches Umfeld. Die Solidarität von den anderen Mitpatienten half mir mich  zu erholen. Auch die Berichte in der Mannschaft etwa über eine Ausstellung über schwule Dandys hat mir geholfen. Da ich mich nicht  mehr so als Außenseiter gefühlt  habe, weil ich ungerne sehr sportliche Kleidung trage. Insbesondere meine Hemden und Mützen fallen aus dem Rahmen.

Was die Sexsucht angeht hat mir die Abstinenz als Folge der mangelhaften Errektionsfähigkeit wegen der Medikamentennebenwirkungen geholfen. So dass ich jetzt abstinent bin was diese Form der Sexsucht angeht.

 

Ich habe gar nicht genug Platz in meinem Zimmer

Heute habe ich etwas mit dem Aufräumen in meinem Zimmer angefangen. Ich stelle fest dass ich nicht genug  Platz habe um die brauchbaren Sachen aufzuheben. Selbst wenn ich auch diese reduziere. Der alte Kleiderschrank von Martins Mutter hatte zwei Türen mehr und oben noch eine ganze Zeile an  kleinen Schrankteilen. Für Bett- und Tischwäsche ist nicht genug Platz. Es gibt aber noch Schränke in denen noch Sachen von Martins Mutter drin sind. Ich  muss die brauchbaren Sachen in durchsichtigen Müllbeuteln zwischenlagern.

Das alles ist hier komplizierter als ich dachte. Bisher habe ich nur etwas Papier weggeräumt und Schmutzwäsche von der Wäschetruhe im Eingang des Zimmers weggeräumt. Ich habe jetzt schon Panik davor dass ich das nicht schaffe. Es ist egal  wie weit ich komme. Aber jeder Gegenstand der seinen Platz findet oder im Müll landet verbessert meine Lebensqualität enorm.

Anne im Rainbow Valley – Figur mit ADS!

Schon als Kind liebte ich die Verfilmungen von Anne of Green Gables von Sullivan Entertainment. Wie gut konnte ich mich in das verträumte Waisenmädchen Anne doch einfühlen.

Der Roman „Anne in Rainbow Valley“ beschreibt Anne als Erwachsene Frau und Mutter von 6 Kindern. Die Figur des Priesters Meredith ist hier besonders intressant weil sie in ihm einen ADSler  vom vorwiegend unaufmerksamen Typus beschreibt. Er gilt als sehr abwesend und verträumt und bringt es fertig zu einer Hochzeit eine Predigt für eine Beerdigung zu lesen oder mal in Filzpantoffeln zu einem Gottesdienst zu erscheinen.

Ich habe vor mir dieses Buch als E-Book zu kaufen.  Und hoffe viel Spass an diesem Roman für  Kinder und Jugendliche auch als Erwachsener  zu haben. Dieser Etwa 1916 geschriebene Roman beweist wieder einmal dass es ADS schon immer gab.

 

 

Online-Video von Dr. Martin Winkler zu ADHS und Depression!

Auf seinem Blog ADHS-Spektrum bei wordpress hat Martin Winkler ein Video zu ADHS Depression veröffentlicht das die Depression in Zusammenhang mit Selbstabwertung und Angst vor Ablehnung bringt.

Hier der Link: https://adhsspektrum.wordpress.com/2016/08/26/adhs-und-depression-empfindsamkeit-fuer-kritik/

Finde ich wie häufig gut und treffend formuliert. Besser kann man dass glaube ich nicht auf den Punkt bringen.