Aus Schusseligkeit Medikamente vertauscht und Termin beim Arbeitsamt

Heute habe ich fast den ganzen Tag geschlafen. Ich habe letzte Nacht schlecht geschlafen und aus Versehen die Nachtmedikation morgens genommen.  Nach dem Termin beim Arbeitsamt habe ich  mich dann zu Hause wieder hingelegt und bin nur mal kurz aufgewacht um etwas zu essen.

Ich nehme zur Nacht ein Neuroleptikum zum schlafen. Tagsüber nehme ich Stratterra und ein Neuroleptikum wegen einer psychotischen Episode.

Der Termin beim Arbeitsamt war wegen einem Projekt für Langzeitarbeitslose. Die Stadt bietet einige Stellen für Langzeitarbeitslose an u. a. im Kantinenbereich und in der Betreuung und Begleitung von Senioren. Ich habe da meine Konzentrationsprobleme verschwiegen ich hoffe das dass nicht schlimm ist.

Bessere Konzentration wirkt sich auf mein Einkaufsverhalten aus

Ich glaube dass ich viel weniger impulsiv bin was mein Einkaufsverhalten angeht. An persönlichen Dingen kaufe ich gerne Garn zum Handarbeiten und E-Books weil die keinen Platz weg nehmen und weniger kosten als physikalische Bücher.

Wie schon erwähnt interessieren mich nicht mehr so viele Themen wie früher.  Das ist schade weil ich den Hyperfokus schon als etwas sehr beglückendes erlebt habe. Vielleicht sollte ich mir regelmäßig eine große Wochenzeitung kaufen und lesen. Ich fand einen Artikel über Salvador Sobral im „Freitag“ gut.

Ich lese tatsächlich mehr erzählende Literatur als Sachbücher. Das war früher anders. Ich glaube mich nervt es das abends kaum noch Dokumentationen im Fernsehen kommen und ich Spielfilme selten schaue. Daher lese ich viel mehr und häkel abends und höre Musik.

Mein Poncho ist fast fertig und ich häkel an einer Tischdecke in Streifen aus beiger und rosafarbener Wolle mit halben Stäbchen.

Im Moment hören wir eine CD von Melissa Etheridge häufig und den Stream des Albums von Salvador Sobral „Excuse me“.  Den song „Gently we Row“ von Melissa Etheridge finde ich sehr schön.

Ich habe Mina Teicherts Roman „Neben der Spur aber auf dem Weg“ gelesen. Im Moment lese ich Kurzgeschichten von Lucy Maud Montgomery und hab noch ein E-Book mit Tiergeschichten von ihr runtergeladen.

Es gibt sicher viele undiagnostizierte ADSler, besonders unter Frauen!

Gestern habe ich eine Bekannte von Borsig11 angesprochen ob sie vielleicht ADS hat. Sie wird leicht durch Geräusche abgelenkt. Sie geht mit dieser Geräuschempfindlichkeit so um dass sie die Haupteinkaufsstraße bei uns in der Stadt meidet und sich viel in der Natur aufhält. Ich denke sie weiss gar nicht dass es so etwas wie ADS gibt. Sie kennt glaube ich nur die hyperaktive Variante. Sie bloggte das Thema total ab weil sie nicht noch mehr Probleme haben will als schon jetzt. Das fand ich eine interessante Aussage. Also hat sie auch Begleiterkrankungen!

Irgendwie ist das wie verhext wie viele das doch in meinem Bekanntenkreis sind. Gerade in den Einrichtungen wo Menschen mit Tagesfreizeit aktiv sind, etwa bei Borsig11 oder auch im Cafe Aufbruch finden sich immer viele psychisch auffällige Menschen.

Irgendwie kenne ich kaum normale Menschen. Überall in meiner Umgebung sind Menschen mit sozialen Ängsten oder auch mit ADS. Ich lerne praktisch kaum andere Leute kennen. Außer in der Gemeinde, aber da haben wir auch Leute mit sozialen Ängsten und auch vereinzelte ADSler bzw ADHSler. Wieso ist das so. Vielleicht liegt es daran dass das niederschwellige Angebote sind wo man Kontakte knüpfen kann.

Ich denke dass gerade ADSler ja auch sehr menschenscheu sind. Es liegt sicher auch an den Versagensängsten die wir in uns tragen. Nicht so zu funktionieren wie es andere tun. Daher haben wir auch nur eher lockere Kontakte und Bekanntschaften. Das ist schade weil echte Freundschaften für uns schon wichtig sind und bei der Alltagsbewältigung helfen können. Mein Selbstvertrauen ist auch schlecht. Richtig erfolgreiche Menschen traue ich mich gar nicht erst anzusprechen. Die können ja auch nicht verstehen was für Schwierigkeiten ich etwa auch habe meinen Alltag zu organisieren. Vielleicht sollte ich meiner Bekannten von meiner Situation erzählen und dass man nicht unbedingt „Kinderkoks“ nehmen muss um mit dem ADS umzugehen. Es gibt auch eine psychotherapeutische Praxis die Achtsamkeitstraining macht. Das soll wirklich vielen helfen. Gerade das Buch von Mina Teichert hat mich ermutigt Achtsamkeitstraining zu machen. Vielleicht versuche ist es doch noch mal so im übertragenen Sinne auf der Couch in einer psychotherapeutischen Praxis. Vielleicht hilft das ja wirklich.

Was unterscheidet mich vom Fall Mina Teichert

Ich habe ja Mina Teicherts autobiografischen Roman, „Neben der Spur aber auf dem Weg“ gelesen.

Irgendwie bin ich immer noch etwas nachdenklich und auch geschockt was den Fall Mina Teichert angeht. Ihre Begleiterkrankungen zum ADS sind wirklich nicht von Pappe.

Selbstverletzendes Verhalten und Angststörungen wie auch Spannungsschmerzen kenne ich nicht.

Also meine Situation ist eine ganz andere. Am meisten abgelenkt werde ich durch Geräusche und Gedanken. Gespräche vor allem wenn Leute durcheiander Reden finde ich schwer ertragbar. Da bekomme ich so einen schwer ertragbaren Druck auf den Kopf. Früher als ich noch im Büro gearbeitet habe, habe ich dann die Tür zugemacht damit ich mich konzentrieren konnte. Ein Großraumbüro mit mehreren Kollegen die arbeiten wäre nicht gegangen. Ich glaube auch in Klassenräumen war ich nicht so glücklich obwohl ich das Abitur und auch zwei Berufsausbildungen mit Ach und Krach gemacht habe. Die Theorie war das eine aber in der Praxis habe ich dann versagt. Und Auto fahren kann ich nicht weil ich mich auf zu viele Sachen gleichzeitig konzentrieren muss. Mina Teichert fährt dagegen Auto.

Was habe ich an Süchten. Typisch für ADS-Männer ist eine Pornografie- und Sexsucht. Die ich aber nach der letzten Psychose die ich hatte, bewältigen konnte. Die Nebenwirkungen durch die Neuroleptika waren so stark dass ich keine Erektion bekam.

Ich habe soziale Ängste und wahrscheinlich eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung. Das hat sicher mit den Versagensängsten durch das ADS zu tun, so dass ich soziale Situationen meide und damit auch die Bewertung durch Andere.

Stimmungsschwankungen kenne ich auch. Die haben sich durch die Einnahme durch Strattera aber gelegt. Ritalin bzw. Medikinet habe ich auch nicht vertragen. Ich habe gegen Abend wenn das Medikament an Wirkung nachließ Depressionen bekommen.

An Essstörungen leide ich am Bingeeating. Ich neige dazu mich abends mit Süßigkeiten vollzustopfen. ADS kommt aber nicht von zu viel Zucker. Schließlich habe ich die Störung seit meiner Kindheit. Laut Grundschulzeugnis schon seit der ersten Klasse.

In dem Zeugnis steht drin dass ich noch sehr verträumt und langsam bin.

Und da war ich noch nicht pummelig. Dick wurde ich erst in meiner späteren Grundschulzeit.

Mein größtes Problem ist im Moment der Antrieb was insbesondere die Hausarbeit angeht. Ich bin ebenfalls kein guter Hausmann.

 

 

Der große Schlachtplan gegen Schmutz und Chaos

Ich habe ja durchaus Züge eines Messies, zwar nur aus Antriebsarmut als durch die Unfähigkeit wegzuwerfen, dennoch ist unserer Haushalt sehr chaotisch und es fehlt auch an kontinuierlicher Sauberkeit.

Das Chaos in meinem Schlafzimmer ist etwas kleiner geworden und ich arbeite auch immer wieder daran und zwar am Donnerstag. Zur Belohnung hole ich Martin und mir für die gemeinsame Entrümplung unseres Zimmer immer ein Grillhühnchen vom Imbiss an der Hauptstraße. Das Chaos in der Küche räume ich jeden Abend auf und kaufe dafür Hobbyartikel wie Pflanzen für meinen Hinterhofgarten oder Wolle zum Handarbeiten.

Und das Chaos im übrigen Teil der Wohnung will ich ebenfalls täglich bewältigen. Ich möchte jeden Tag die Wohnung putzen und aufräumen und das für eine Stunde. Als Belohnung gehe ich jeden Tag zum Bäcker Kaffee trinken und meinen Bekannten Dominic auf seiner Arbeit in einem Buchladen besuchen.

Ich hoffe das bringt etwas. Aber ich denke schon dass dies ausreicht. Am Sonntag will ich mich immer eine Stunde um Balkon und Hinterhofgarten kümmern. Das reicht wahrscheinlich. So viel Zeit brauche ich gar nicht außer etwas zum, gießen, düngen, pflanzen und den Boden lockern.

Ich werde berichten was das gebracht hat.

 

Mina Teicherts biografischer Roman „Neben der Spur aber auf dem Weg“ ist wirklich spannend

Gestern habe ich mir das Buch von Mina Teichert „Neben der Spur aber auf dem Weg“ gekauft, dass sich biografisch mit ihrem ADS beschäftigt.

Ich lese dass Buch jetzt gerade den zweiten Tag und ich bin schon auf Seite 170 von 269.

Es ließt sich sehr gut und ich lese es sehr begeistert und konzentriert. Sie schildert die Reizüberflutungen anschaulich und ihre Phantasiewelt als Kind und die Begleitstörungen wie etwa selbstverletzendes Verhalten und Alkoholmissbrauch.

Die löcherige Biografie ähnelt stark meiner ich habe auch einen miesen Callcenter Job gemacht aus dem ich gekündigt wurde weil ich zu ehrlich war und die Leute nicht über den Tisch ziehen wollte.

Ich hatte mehr soziale Ängste als Sie. Auch andere Essstörungen, ich habe eher immer zu viel gegessen. Und andere Süchte. Bei mir war es eher Sex zum runterkommen als Alkohol und Cannabis. Und die Hochsensibilität fehlt etwas bei ihr. Ich weiss nicht wie es mit Weltschmerz und solchen Dingen bei ihr aussieht und dem Gerechtigkeitssinn und dem übersteigerten Mitgefühl für andere. Vielleicht kommt das aber noch im Buch vor. Zum Schluss soll sie auch Lösungsstrategien für ADS Probleme bieten. Schön wäre es wenn sie mehr über ihre Phantasiewelten erzählt hätte. Auf die wäre ich nämlich wirklich gespannt. Was andere ADSler träumen finde ich ungemein interessant.

Mir gefällt das Buch sehr gut weil es deutlich macht wie schwierig das Leben mit ADS ist. Ich würde das Buch Betroffenen und Angehörigen schon empfehlen. Einem muss schon klar sein dass jeder Fall auch anders ist und das nicht alle ADSler ähnliche Biografien haben. Das liegt auch am Schweregrad der Erkrankung und am persönlichen Umfeld. Mina Teichert gehört in meinen Augen zu den Schwerstbetroffenen. Ihr Bruder ist hyperaktiv und hat schon früh Hilfe bekommen. ADS bleibt dagegen lange unerkannt.

Ein neues Angebot vom Arbeitsamt

Heute war ich beim Arbeitsamt. Die Sachbearbeiterin hat  mir angeboten klären zu lassen ob bei mir ein Reha-Bedarf besteht. Dazu muss ich noch einmal zum Amtsarzt und auch noch einmal zum Psychiater in der ADHS-Ambulanz. Er soll da etwas schriftliches aufsetzen.

Die Beurteilung durch den berufspsychologischen Dienst war nicht so verheerend wie ich dachte. Mir wird zugestanden dass ich die Umschulung vom Intellektuellen her bewältigen könnte weil ich schon auch anspruchsvollere Arbeiten gemacht habe.

Problematisch wäre die Konzentrationsfähigkeit und psychische Belastbarkeit.

Meine Sachbearbeiterin hat mir eine geförderte Beschäftigung  im Seniorenbegleitdienst angeboten. Darüber habe ich mich gefreut. Das würde ein höheres Einkommen und eine angemessene Beschäftigung für mich bedeuten. Das ist ja das was ich mir wünsche. Ich bekomme eine Einladung von einem Kollegen von ihr und da wird geprüft ob ich da hinein passe. Auf jeden Fall war der Besuch des Arbeitsamtes angenehmer als ich dachte.

Schweigen ist nicht so mein Ding und ich werde schnell müde

Obwohl ich nur hypoaktiv bin, fällt es mir manchmal schwer ganz ruhig zu sein wenn es gefordert ist. Durch die Impulsivität neige ich zum dazwischenreden. Und manchmal sage ich so nonsens Sätze wie „Wollen wir nicht auf die PEI (Prince Edward Island) auswandern“ wenn keiner was sagt. Manchmal ist das schon richtig zwanghaft.

Prince Edward Island ist die Heimat einer Romanfigur von Lucy Maud Montgomery.

Ich bin immer sehr langsam gewesen und ich werde schnell müde. Früher als ich noch gearbeitet habe oder studiert habe ich mich nachmittags auch noch einmal hingelegt und hatte davor schon Kopfschmerzen.

 

Ich fühle mich einsam

Ich schreibe zur Zeit viele Blogbeiträge weil ich mich einsam fühle. Den Tag über spreche ich kaum mit Jemandem von dem ich mich verstanden fühle. Ich habe schon Freunde und einen Lebensgefährten, dennoch fühle ich mich häufig nicht verstanden.

Manche Themen sind mir auch zu peinlich. Das ich im Moment mich wie ein Teenager fühle und für Salvador Sobral schwärme ist so ein Thema. Wer findet diesen zotteligen Jazzbarden mit den rollenden Kopfbewegungen schon attraktiv.  Ich mag auch seine melancholischen Lieder sehr gerne. Eines der Lieder das er gecovert hat kenne ich sogar als Original aus einem Pedro Almodovar Film. Ay Amor heißt es ! Ich meine es kommt in „Gesetz der Begierde“ vor, sicher bin ich mir nicht. Sobral singt es so sanft und zart das ich jedes mal eine Gänsehaut davon bekomme.

Ein anderes Thema das ich mit niemandem so recht reden kann ist Nina Teicherts autobiografisches Buch über ADS „Neben der Spur, auf dem Weg“ oder so ähnlich.

Ich überlege es ernsthaft zu kaufen weil es auch Tipps zur Bewältigung des ADS gibt. Ihr Schicksal ist so traurig. Sie hatte so viele Unfälle und hat auch Brände ausgelöst. Dann war sie noch magersüchtig. Das will doch keiner so Recht hören. Mit solchen Themen darf man gefühlt Niemanden belasten.  Es könnte ja das Weltbild erschüttern.

Psychische Probleme sind tabu in unserer Welt. Ich kann auch nicht alles im Blog schreiben was ich möchte. Zum Beispiel auch um die Entstehung meiner Psychose, ohne dass mich Jemand für bekloppt hält.

 

Ich brauche einen besseren Schlachtplan gegen die Unordnung

Der letzte Schlachtplan gegen die Unordnung war nicht wirklich praktikabel. Ich überlege einen neuen Schlachtplan.

Gerade die Unordnung in der Küche ist ein Problem. Ich könnte jeden Abend nach dem Abendessen die Küche noch aufräumen und putzen. Jeden Tag eine halbe Stunde. Spülen brauche ich nicht wir haben eine Spülmaschine. Für eine Woche regelmäßigen putzen und aufräumen würde ich mich dann belohnen. Was wäre eine angemessene Belohnung. Was kann man regelmäßig machen und es ist nicht teuer und es ist wetterunabhängig. Meine Ausflüge zu Zeemann brachten überhaupt nichts. Ich könnte zu einem Basteldiscounter in Dortmund Hörde fahren. Ich meine damit Mc Günstig. Da bekomme ich auch Wolle. Ich fahre da sonst eher selten hin. Ich könnte auch in Hörde Kaffee trinken gehen. Das klingt gut. Das reicht erst einmal als Idee. Ich handarbeite ja regelmäßig und mache auch kleinere Sachen so dass ich schon häufiger Wolle brauche.

Das klingt ganz vernünftig. Das reicht erst einmal als Veränderung. Das  muss sich erst einmal einspielen dann kann ich etwas anderes angehen.