Ich brauche Jemanden der mich in den Hintern tritt

Es ist schon sehr interessant wie sehr gut ich funktioniere wenn äußerer Druck vorhanden ist. In der Reha arbeite ich kontinuierlich mit und habe sogar ein Befridigend was die Ordnung angeht bekommen. Bin ich zu Hause, so geht der übliche Schlendrian weiter. Auch mein Psychiater bei der ADHS-Ambulanz hat gesagt dass ich eigentlich Jemanden bräuchte der mich ständig in den Hintern tritt. Mein Göttergatte ist aber selber nachlässig und hat wegen einer Depression, selber Antriebsprobleme.

Das ist aber auch fürchterlich. Eigentlich brauche ich wirklich Jemanden der mich ständig antreibt. Auch bei anderen Tätigkeiten, etwa bei 1-Euro-Jobs oder wenn ich anderen geholfen habe, war der Antrieb und die Motivation besser. Ich brauche also Druck von Außen.

Advertisements

Bei handwerklichen Tätigkeiten fehlt mir die notwendige Sorgfalt bei kaufmännischen Tätigkeiten ist es ähnlich.

In der beruflichen Reha werden auch handwerkliche Werkstücke von mir verlangt. Dabei fehlt mir die notwendige Sorgfalt. Ein Regal das ich erstellen mußte war etwas schief. Ich habe Fehler bei den Abmessungen gemacht. Das frustriert mich sehr. Sorgfalt und Genauigkeit sind nicht meine große Stärke, Die Ausdauer hat sich bei mir aber verbessert. Der Antrieb ist normal wenn äußerer Druck vorhanden ist. Wenn ich mit die Zeit selber einteilen muss neige ich zur Prokrastination, also dem Aufschieben.

Es frustriert mich ungemein das ich handwerkliche Arbeiten nicht so ordentlich ausführen kann wie ich es mir wünsche. Auch bei meinen Handarbeitsprojekten, zumindest bei den komplizierteren gibt es immer wieder Mängel. In der Reha sollen aber gerade die Grundlegenden Arbeitsfähigkeiten wie auch die Sorgfalt geübt werden.

Ich hoffe das bringt etwas. Aber ich halte mich eher für einen sozialen Beruf geeignet als für einen handwerklichen. Tabletten geben wäre aber in der Altenpflege für mich ein Problem. Es könnte sein das ich sie vergesse oder Medikamente doppelt gebe. Essen reichen und Grundpfelgearbeiten wie Asistenz bei der Körperpflege würden mir eher liegen.

Bei kaufmännischen Tätigkeiten wie bei einer Inventur ist es nicht besser. Ich bin nicht so genau wie andere Leute.

Ich weiss nicht wie es weiter gehen soll

Die berufliche Reha verläuft sehr schwierig. Bei den praktischen Aufgaben habe ich Angst zu versagen. Ich denke dass ich vieles fasch mache. Im theorethischen Teil bin ich ganz gut. Auf dem Anrufbeantworter hatte ich jemanden vom Arbeitsamt. Es geht da um eine geförderte Stelle für Langzeitarbeitslose. Vielleicht wäre das was für mich. Unsere Wohnung ist nach wie vor chaotisch. Mir fällte es schwer Ordnung zu halten und die Wohnung zu putzen. Mein Mann ist depressiv und daher auch keine große Stütze. Ich vermute das er so etwas wie eine Dysthemie hat. In dem Aufräumbuch für ADSler das ich in einem der letzten Post´s erwähnt habe wird radikales entrümpeln gefordert.

Dazu fehlt mir aber immer noch der Antrieb. Es ist aber auch vertrakt. In der beruflichen Reha gelingt es mir mich aber so halbwegs zu fokussieren wenn auch Hintergrundgespräche nerven. Ich werde wohl die Maßnahme zu Ende machen müssen. Ich denke das ich das psychisch durchstehe. Ich weiss aber nicht ob ich für die Anschlussmaßnahme geeignet bin. Das wird sich ja sicher bald herausstellen.

Ich weiß nicht was ich tun soll. Vielleicht ist abwarten das klügste im Moment.

Mir fällt es schwer meine Meinung zu vertreten

Einige Kollegen aus der Maßnahme äußern sich sehr schlecht über meinen Wohnort, ich wohne in einem Arbeitervorort einer Großstadt. Auch über sozial Schwache und Randgruppen hat sich ein Kollege schlecht geäußert. Das fand ich sehr frustrierend ich bin aber nicht auf das Thema angesprungen. Der Gerechtigkeitssinn beim ADS ist auch etwas positives. Ich muss lernen diese Gabe konstruktiv einzubringen. Im Moment schweige ich nur viel. Schließlich bin ich ein gebranntes Kind. Bei meiner letzten Umschulung habe ich mich sogar mit Dozenten angelegt die Unsinn über ADHS und ADS gesprochen habe. Am Schluss war ich verletzt und herabqualifiziert worden. Das tat wirklich weh und ich möchte diese Erfahrung nicht noch einmal machen. Dennoch wäre es sinnvoll gewesen etwas zu sagen. Ich muss noch an der richtigen Dosierung arbeiten. Das muss ich noch lernen wann es klug ist sich anzulegen oder nicht.

Bin gut medikamentös eingestellt

Heute hatte ich meinen ersten Tag bei der beruflichen Reha. Ich habe mich gewundert wie gut ich mit Strattera eingestellt bin. Es wurde zwischenzeitlich etwas lauter in dem Seminarraum, dennoch ist es mir mit etwas Mühe gelungen mich zu konzentrieren.

Die Kollgen sind sehr nett und mein direkter Platznachbar ist sehr hilfsbereit. Es ist eine bunte Truppe und das ist auch gut so. Vor einigen handwerklichen Aufgaben habe ich etwas Angst. Ich denke aber es wird irgendwie gehen.

Ich denke auch dass das Risperidon ein wenig hilft was die Gelassenheit angeht. Es beruhigt sehr stark.

Ich bin zuversichtlich dass ich die Maßnahme schaffe.

Abnehmen und entrümpeln

Ich bin stark übergewichtig und ich bin Messie. Das sind Wahrheiten denen ich ins Auge sehen muss. Ich will meine Frühstücksgewohnheiten umstellen. Anstatt ein Teilchen vom Bäcker will ich eine Banane essen. Das ist auch süß und gesünder als  die süßen Teilchen die mir der Bäcker verkauft. Und ich will wieder einmal die Woche wieder schwimmen gehen. Abends will ich auf Schokolade verzichten und anstatt 1 bis zwei Äpfel essen. Ich hoffe das hat weniger Kalorien als die Schokoriegel die ich sonst esse.

Was das entrümpeln angeht weiss ich mir nicht so recht zu helfen. Wir haben einfach zu viele Sachen. Dabei haben wir schon viel weggeworfen. Ich muss noch radikaler werden. Auch Sachen die man noch gebrauchen kann wegwerfen. Einfach wegwerfen den zum verkaufen oder verschenken habe ich keinen Elan. Martin soll nur paar teure Aktbildbände versuchen bei ebay los zu werden. Obwohl er hat auch einen schlechten Antrieb das nervt an der Stelle auch. Ich weiß nicht wie ich mir helfen soll. Kaufen tue ich nicht mehr so viel. Doch Samentüten, Wolle und ab und an ein gedrucktes Buch.

Die dicken Wollreste will ich für einen Afghanen eine Häkeldecke verwenden und außerdem will ich mehr gärtnern dieses Jahr. Und im Bücherregal ist noch Luft weil ich vor einer Weile ziemlich ausgemistet habe. Also habe ich meine „Kaufsucht“ relativ im Griff.

ADS in meinem Leben

Als Kind war ich schon sehr verträumt und langsam. Ich wurde immer mit meinem Patenonkel verglichen der auch psychische Probleme hatte den ich aber nie kennengelernt habe. Meine Klassenlehrerin in der Grundschule sagte immer: “ bis der Junge fertig ist hat eine Oma für ganz China Pullover gestrickt“. Ich war auch sehr empfindlich und weinte wegen den kleinsten Neckereien. Bei der Berufsausbildung in einem Büroberuf kam ich vor allem im EDV Unterricht nicht mit. Ganz schlimm war mein Versuch autofahren zu lernen daran bin ich wegen meiner Unaufmerksamkeit gescheitert. Ich holte das Abitur erfolgreich nach und scheiterte dann im Studium weil ich mit der mangelnden Struktur an der Uni nicht zurechtkam. Eine Umschulung zum Werbekaufmann verlief katastrophal. Praktisch habe ich versagt. Danach habe ich mich innerlich zurückgezogen und mich mit der Arbeitslosigkeit abgefunden. Zwischenzeitlich musste ich nach meiner Ausbildung im Büroberuf in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden weil ich aus psychischer Überlastung eine Psychose entwickelte. Das war so mit 18. Aber das hatte sehr viele unterschiedliche Gründe. Vor einem Jahr hatte ich wegen Mobbing einen Rückfall als ich zum Seniorenbetreuer umschulen wollte. Jetzt besuche ich demnächst ein berufliches Trainingszentrum für psychisch Kranke und will danach erneut zum Seniorenbetreuer bei einem anderen Bildungsträger umschulen. Als Begleiterkrankungen habe ich noch eine Sexsucht entwickelt die ich aber durch eine Nebenwirkung der antipsychotischen Medikation überwunden habe und leide an einer episodischen Depression mit Grübeln und Antriebsarmut.

Keine Angst mehr in Fantasien abzudriften

Ich habe nach langer Zeit beschlossen einen historischen Roman zu lesen. Ich habe vorher solche Literatur vermieden weil ich Angst davor hatte zu sehr in Tagträume abzudriften. Ich habe mich für „Surinam“ von Cynthia Mc Leod entschieden. Auf dem Weltgebetstag der Frauen war dieses Land Thema und da wurde auch dieser Roman als Lektüre empfohlen. Es geht um Plantagenbesitzer und Sklaverei. Eine Zeit lang habe ich solche Bücher gemieden aus Angst das sie einen Hyperfokus auslösen. Aber das geschieht nicht mehr. Daher erlaube ich mir einen historischen Roman zu lesen der mit meiner Realität nicht viel zu tun hat. Bei anderen Büchern hatte ich diese Befürchtung nicht.

Mein Kopf ist merkwürdig leer

Es ist schon merkwürdig wie sich mein Leben in letzter Zeit verändert hat. Früher war mein Kopf ganz voller Tagträume. Jetzt habe ich das überhaupt nicht mehr. Das lästige Grübeln über die Entstehung der Psychose im vorletzten Jahr hat auch nachgelassen.

Ich muss auch nach nichts mehr im Internet suchen. Da ich nicht mehr tagträume muss ich auch kein Futter für diese Tagträume mehr suchen. Ich will auch nicht mehr wegziehen, weil das meine Lebensqualität nicht unbedingt verbessert. Ich bin zufrieden mit dem was ist. Heute habe ich den Flur und die Küche etwas aufgeräumt. Das ist schon mal ein gutes Zeichen das mich das Chaos hier in der Wohnung stört.

Mit meinem Mann bin ich auch zufriedener wenn ich mir schon wünsche das er am Wochenende zu mehr Antrieb hätte als in Schlafanzug und Morgenmantel vor dem Computer zu  hocken.

Ich habe gestern eine Aufzeichnung von Maischberger im Fernsehen gesehen und eine philosophische Talksendung mit Richard David Precht. Ich schaue ja sonst kein Fernsehen. Das war wirklich interessant.

Zur Zeit lese ich den Roman „Zusammen ist man weniger allein“. Aus dicken Wollresten will ich eine weitere Decke häkeln. Ein Muster muss ich mir noch einfallen lassen. Ich denke aber ich verwende einfach halbe Stäbchen in Reihen.

 

Schlechte Aufmerksamkeit ein Beispiel

Ich trage zwei Monate schon neue Schuhe. In die neuen Schuhe musste ich auch die ortopädischen Einlagen tun. Mir ist erst nach Zwei Monaten aufgefallen das ich die Einlagen vertauscht habe und habe mich gewundert das mich immer die Fersen schmerzen.  Das ist so ein typisches Beispiel für fehlende Aufmerksamkeit. Mir ist das gar nicht aufgefallen das ich die Einlagen vertauscht habe erst nach zwei Monaten habe ich das endlich korrigiert.