Ich hatte zweimal im Leben eine akute psychotische Reaktion

Ich denke über die zwei psychotischen Episoden in meinem Leben nach.  Die erste bekam ich mit 19. Sie hatte belastende Lebensereignisse als Hintergrund. Zum einen war meine Endtäuschung über die Schwulenszene damals sehr stark. Ich konnte mit der Promiskuität und der internalisierten Homophobie und dem   Hass auf tuckige Schwule nichts anfangen. Teilweise war ich auch Opfer von Ausgrenzung.  Auch das ADS spielte da durchaus eine Rolle. Ich glaube die mangelhafte Selbstbehauptungsfähigkeit und das Versagen in beruflichen Zusammenhängen waren ein Problem. Dann war da noch die drohende Versetzung nach Ostdeutschland und Konflikte in der Familie wegen meiner beruflichen Zukunft nach meiner Kündigung bei einem staatlichen Unternehmen.

Die zweite psychotische Episode hatte ich während einer Umschulung. Manipulatives und ausgrenzendes Verhalten wegen meiner ADS-Erkrankung durch Dozentinnen und eine Depression wegen meiner Telefonsexsucht lösten auch zuerst depressive Symptome aus bis ich dann Verfolgungsängste entwickelte.

Ich denke dass psychotische Episoden innere Konflikte wiederspiegeln. Und das zum einen das befürchtete oder auch tatsächlich sich nicht angenommen fühlen, depressive Episoden auslöst und dieser innere Konflikt auf andere projeziert wird und es zu paranoiden Phantasien kommt.

Was mir geholfen hat ist das Annehmen meiner Eigenarten und ein geschütztes freundliches Umfeld. Die Solidarität von den anderen Mitpatienten half mir mich  zu erholen. Auch die Berichte in der Mannschaft etwa über eine Ausstellung über schwule Dandys hat mir geholfen. Da ich mich nicht  mehr so als Außenseiter gefühlt  habe, weil ich ungerne sehr sportliche Kleidung trage. Insbesondere meine Hemden und Mützen fallen aus dem Rahmen.

Was die Sexsucht angeht hat mir die Abstinenz als Folge der mangelhaften Errektionsfähigkeit wegen der Medikamentennebenwirkungen geholfen. So dass ich jetzt abstinent bin was diese Form der Sexsucht angeht.