Ich bin irgendwie niedergeschlagen

Heute habe ich zu gar nichts Lust. Das Wetter ist grau und ich fühle mich passend zum Wetter. Ich weiß gar nicht woher es kommt. Ich musste über eine Cousine zweites Grades nachdenken die im katholischen Polen einen geschiedenen Mann geheiratet hat und deswegen von ihrer Mutter verstoßen wurde. Irgendwie ist das tot traurig. Ich bin froh dass die altkatholische Kirche Geschiedene und  Wiederverheiratete akzeptiert.

Ich lebe ja auch noch in „Sünde“, Martin mein Mann hält nichts von einer kirchlichen Segnung.

Ich glaube das es schwierig ist wenn ein Teil eines Paares religiös ist und der andere Teil nicht. Weihnachten ist mir das wieder aufgefallen. Das tut mir auch weh, das Weihnachten für meinen Mann keine Bedeutung hat. Er sagt an Ostern wäre wenigstens das Wetter besser. Aber er ist auch nicht für das Feiern von Ostern. Im Grunde feiert er kein Weihnachten mehr seit dem seine Schwester mit 14 Jahren gestorben ist. Er war da wohl so um die 15 oder 16 und ist jetzt 56. Ich nehme es mit Humor. Ich nenne meinen Mann dann einfach Ebenezer nach Ebenezer Scrooge oder Mr. Grinch. Aber die Feiertage sind ja schon längst vorbei.

Es ist nicht einfach mit einem schyzoiden Partner zu leben. So gesellige Sachen sind nichts für ihn. Obwohl er manchmal die meisten Gespräche bei Familienfeiern bestreitet.

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Leben in der Dortmunder Nordstadt

Ich lebe mit meinem Mann in Dortmund in der Nordstadt.  Viele haben Vorurteile gegen diesen Teil unserer Stadt. Manches stimmt schon! Also der viele Sperrmüll und sonstige Müll ist mir schon ein Dorn im Auge und treibt leider auch unsere Nebenkostenrechnung für die Wohnung in die Höhe. Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit.

Es gibt noch andere Teile die erfreulicher sind. Zum einen haben wir ganz gute Nachbarn. Über uns wohnt eine Studenten-WG mit Studenten aus Bangladesh. Obwohl sie Muslime sind und auch es nicht fassen konnten das ich mit einem Mann verheiratet bin haben sie uns kostenlos ein Sofa rauf getragen, man wäre schließlich doch Nachbarn.

Unter uns wohnt eine türkische Familie, sie sind ebenfalls Muslime. Die Frau trägt kein Kopftuch, doch einmal sah ich sie bei offener Tür ein Kopftuch anlegen  und im Treppenhaus kam ein älteres türkisches Ehepaar mit entgegen. Meine Nachbarin zwinkerte mir verschwörerisch zu, da war mir klar das das ältere Ehepaar wohl die Schwiegereltern oder Eltern sind.

Vor drei Jahren hatte ich eine psychotische Depression. Nichts konnte mich aufmuntern und alles an Informationen war zu viel und bedrohlich. In der Innenstadt sang eine Gruppe Roma und ich hörte eine schöne klare Frauenstimme aus der Gruppe heraus. Etwas brachte mich doch zumindest zu lächeln und ich warf eine größere Münze in den bereitgestellten Behälter für die Spenden der Passanten. Und einige Tage später hörte ich in unserer Straße wieder diese klare Frauenstimme aus einem geöffneten Fenster und mir war klar das es sich um diese junge Frau handelt. Und ich sah das als gutes Omen und einige Tage später ging es mir besser.

In meinem Wahn glaubte ich das ich vor den Scinetologyverfolgern untertauche müsste. Nach einem Tag mit bizarren Situationen die für mich alle bedrohlich erschienen kam ich an das Schaufenster eines Kunstladens in der Nordstadt vorbei. In dem Schaufenster lag ein Buch über Borussia Dortmund. Auf ihm war drauf gedruckt, Fußball, Heimat und Gottvertrauen. Da wurde mir klar ich kann nicht weg ich bin hier zu Hause. Und danach habe ich wieder Hoffnung gefunden das alles wieder gut wird. Und es ist jetzt 2018 und ich mache bald eine medizinische Rehabilitation und bin seit über 3 Jahren frei von psychotischen Beschwerden.

 

Der Kaiser von Portugallien und was noch so ist!

Vor kurzem habe ich durch eine Antalogie an Weihnachtsgeschichten die Literatur von Selma Lagerlöf für mich entdeckt. Unter anderem will ich den „Kaiser von Portugallien“ lesen. In diesem Buch geht es unter anderem um die Psychose der Hauptfigur. Ich war ja selber psychotisch. Größenwahn gehörte auch zu der ersten meiner Psychosen. Ich habe mich als „Messias“ der Schwulen und Lesben gesehen. Ganz schön verrückt nicht wahr.

Für Frauen und Mädchen mit ADHS empfehle ich ja immer noch gerne Anne auf Green Gables von Lucy Maud Montgomery. Auch ich als hypoaktiver Junge konnte mich etwas mit ihr identifizieren.

Heute bin ich zum Zahnarzt überpünktlich gekommen. Ich habe heute nicht so sehr getrödelt ab morgen kann ich dank der neuen Krone wieder herzhaft in einen leckeren Apfel beißen.

 

Mir geht es einigermaßen gut

Heute war Krankensalbung im Gemeindegottesdienst unserer altkatholischen Gemeinde. Ich habe mich auch salben lassen, obwohl ich dachte eigentlich habe ich keine schwere Krankheit. Das soll ja auch der inneren Stärkung dienen.

Heute Nacht habe ich geträumt das ich in die Reha-Klinik in Boppard komme. Dort habe ich jeden Tag zwei Gläser Wein getrunken und bin noch dicker als schon jetzt geworden.

Bisher habe ich noch keine Antwort auf meinen Widerspruch gegen die Klinikzuweisung durch die Rentenversicherung bekommen. Ich weiß nicht ob ich das richtig gemacht habe. Ich habe das relativ formfrei gemacht.  Der Einspruch ist fast zwei Wochen her. Vielleicht sollte ich da mal anrufen.

Unserem Diakon habe ich einen Teil der Geschichte um die Psychose erzählt, er reagierte wie zu erwarten sehr einfühlsam.

Gestern war ich auf einer Geflügelausstellung in einer Nachbarstadt. Mir haben dort die blau gesäumten Andalusier Hühner am besten gefallen. Ich kenne nur blaugesäumte Wyandotten. Mein Bruder hat mir einen neuen Schreibtischstuhl vorbeigebracht, den mein Vater vom Sperrmüll gerettet hat. Er ist gelb und sehr bequem.

Prokrastination ist nicht als Krankheit anerkannt /berufliche Aussichten

Prokrastination wird im DSM nicht erwähnt. Ich denke schon das Aufschieberitis krankhafte Züge haben kann. Bei mir ist es gemischt mit einer starken Antriebshemmung. Im Grunde kann ich nur bei großen  Druck etwas im Haushalt tun z. B. wenn sich Besuch ankündigt.

Manchmal bin ich auch traurig deswegen. Weil mein Leben nie richtig Fahrt aufnimmt. Meine Arbeitslosigkeit liegt an den Versagensängsten. Ich vermeide Situationen in denen ich bewertet werden kann. Einen Bürojob kann ich nicht Leisten da Versage ich total. Und handwerkliche Arbeiten kommen auch nicht in Frage. Manchmal habe ich auch Zweifel das ich als Alltagsbegleiter oder Seniorenbetreuer bestehen würde. Ich bin halt sehr unsicher. Aber ich denke das ist der einzige Job der halbwegs passt. Eine Ganztagsstelle in dem Bereich zu finden ist aussichtslos. Aber vielleicht könnte ich auch nur 20 Stunden arbeiten wie mein Mann. Das würde mir total reichen. Mit unserem gemeinsamen Einkommen kämen wir zurecht. Für einen pflegerischen Job bin ich zu krank. Nach einer psychotischen Depression hält mich die Berufspsychologin vom Arbeitsamt für zu labil. Ich denke aber schon das ich eine stabilere Stimmung habe und die Psychose ganz ausgeheilt ist. Die Diskrimminierungserfahrung im EWZ  der Bildungsstätte in der ich zum Seniorenbetreuer ausgebildet werden sollte,als ADSler war ähnlich schlimm wie die Ablehnung als femininer Schwuler Mann in einem schwulen Begegnungszentrum. Ich glaube ich muss mich von der Idee verabschieden alle Menschen in meiner Umgebung mögen zu müssen. Nur eine Dozentin die gegen das Konzept ADHS hetzt ist wirklich schwer ertragbar. Ich hätte mich beim Arbeitsamt beschweren sollen und nicht an die Öffentlichkeit gehen sollen auf meinem Blog. Das hat vieles nur schwieriger gemacht.

Vor dem Neid kann ich nicht entkommen

Als ich studieren wollte wurde ich von meinen weiteren Verwandten beneidet, weil ich angeblich etwas Besseres sein wollte. Als ich jetzt von der Reha-Kur erzählte habe ich eine Kollegin beim Handarbeiten tuscheln hören „den Arbeitslosen die nie gearbeitet haben wird alles in den Hintern gesteckt“. Dabei geht es darum dass ich arbeiten will, nur das Jobcenter zahlt mir keine Umschulung weil sie mich nach der psychotischen Depression für zu labil halten.  Ich glaube mit  mir tauschen wollte die Kollegin nicht. Zum einen habe ich materiell viel weniger als sie und zum Anderen bin ich auch nicht psychisch gesund. Ich habe ja eine Depression die man Dysthemie nennt und ich habe soziale Ängste. Außerdem habe ich auch schon häufiger in einem 1 Euro Job gearbeitet. Ich habe 150 Euro mehr für 6 Stunden Arbeit täglich bekommen. Am liebsten wären die wohl dafür das Langzeitarbeitslose keine Lebensrecht hätten. Das ist zumindest der Umkehrschluss daraus.  Und durch das ADS bin ich nicht so leistungsfähig wie andere das macht mir den Wiedereinstieg in Arbeit schwerer.

Mein Patenkind hat kein ADHS

Am Samstag habe ich mein Patenkind bei meinen Eltern getroffen. Ihre Mutter gab mir folgende Auskunft zu ihrem Störungsbild. E. hat eine emotionale Entwicklungsstörung. Ich weiß jetzt nicht ob ich erleichtert sein soll. ADHS lässt sich besser medikamentös behandeln.

E. ist sehr dankbar und freute sich über die mitgebrachten Süßigkeiten wie auch über das Versprechen ihr zu Weihnachten ein Häkelanleitungsbuch für Kinder zu schenken.

Sie besucht eine Förderschule und ist recht gut in Kunst und Englisch. Lesen tut sie zu meinem Leidwesen nur manchmal und dicke Bücher sind nicht so ihr Ding. Was mir aufgefallen ist das die Mutter sehr auffallend streng zu ihr und ihrer Schwester ist. Ein ruhigerer und sanfterer Umgang tut da wirklich not.

Ansonsten war es eine sehr positive Erfahrung und ich bin im großen und ganzen  zufrieden mit der Begegnung. Ich mache mir nicht so viele Sorgen um das Mädchen. Sie war sehr ruhig und etwas schüchtern. Wenn Sie schlechte Tage hat, ist sie drei Tage lang nicht beschulbar. E. hatte an diesem Wochenende eindeutig einen guten und schönen Tag bei meinen Eltern. Wir waren die Alpakas begucken die in der Nähe meiner Eltern grasen und ich habe Fragen vermieden die dem Mädchen peinlich sein könnten. So fragte ich nur sehr oberflächlich nach schulischen Leistungen. Sie geht allerdings gerne in die Schule, das finde ich wieder gut.

 

Mein Antrieb ist nach wie vor unterirdisch

Mir geht es relativ gut. Ich grübel zwar manchmal aber bin kaum noch depressiv. Der Antrieb ist immer noch schlecht. Ich sollte vielleicht das „Workbook“ zur „5 seconds rule“ durcharbeiten das ich vor einer Weile gekauft habe. Wir bekommen Ende November Besuch von einer Verwandten und unsere Wohnung ist chaotisch wie immer.

Der Antrieb ist einfach unterirdisch und mir fällt es auch schwierig Prioritäten zu setzen. Das ist das Problem dass das ADS noch so mitbringt. So und jetzt muss ich paar Erledigungen in der Stadt machen. Und das geht jetzt auch ohne 5 Sekunden Regel.

Mein Patenkind kommt zu Besuch

Es gibt sehr freudige Nachrichten für mich. Mein Patenkind, ein 12 jähriges Mädchen, kommt zu meinen Eltern zu Besuch. Nach Jahre langer Funkstille werde ich wieder Kontakt zu ihr haben. Ich kann gar nicht beschreiben wie glücklich mich das macht. Endlich kann ich sie auch die Dinge fragen die mir wichtig sind. Ob die Bücher die ich ihr zu Weihnachten schicke ihr gefallen. Und ob sie auch auf der Waldorfschule handarbeiten lernt. Natürlich auch welche Lieblingsfächer sie hat. Mein Patenkind ist etwas verhaltensauffällig. Ich als ADSler habe da aber Verständniß für. Ich litt auch unter Stimmungsschwankungen bis ich Strattera in der ADHS Ambulanz aufgeschrieben bekommen habe.

Ich habe ja sonst nichts vom Leben!

Das ist mein Lieblingsspruch wenn ich mal wieder zu viele Süßigkeiten gegessen oder Geld für meine bescheidenen Hobbys ausgegeben habe oder meinen Mann necke. Wir fahren ja nicht in Urlaub und Ausgehen tun wir auch nicht großartig. Mit meinem Kumpel G. mache ich schon mal Ausflüge innerhalb unseres Bundeslandes. Wir waren in diesem Jahr in Paderborn im Dom und an der Pader spazieren, in Xanten mit dem Schiff und in Mühlheim in einem Wald mit Tiergehege und sind in Essen auf der Ruhr mit einem Ausflugsschiff gefahren und in Oberhausen im Tierpark gewesen.  So schlecht ist mein Leben gar nicht.

Mein Mann ist eher ein Stubenhocker. Mit ihm gucke ich ab und an einen Scince Fiktion oder Animee Film auf Video. Dieses Wochenende bin ich mit G. bei einem LSBQT- Filmfestival. Ich denke auch daran Weihnachten doch etwas üppiger zu feiern als geplant. Es schadet sicher nicht wenn wir uns bei den Süßigkeiten einschränken. Ich denke schon das ich mir doch ein paar Geschenke wünschen werde. Vielleicht irgendwelche praktischen Sachen oder auch etwas zu lesen. Große Geschenke brauche ich nicht die gab es schon im Vorjahr. Vielleicht wird die Reha doch noch genehmigt und dafür brauche ich bestimmt noch Kleidung wie einen Bademantel oder so etwas. Mal schauen! Ich bin mir nicht sicher ob ich die Reha genehmigt bekomme. Ich habe keinen Kontakt zu meinem Patenkind mehr weil ich  mich mit dem Stiefvater nicht gut verstehe. Ich will Weihnachten einen Brief schreiben und um Verzeihung bitten. Aber so einfach ist das nicht. Der Stiefvater des Mädchens ist sehr rechthaberisch und auch konservativ.

Meinem Patenkind könnte ich eine Orgelpfeifenpatenschaft schenken, für eine der kleineren Orgelpfeifen der neuen Orgel für mein Patenkind. Aber dann habe ich schlechtes Gewissen das der Eindruck entsteht das ich sie zum Altkatholizismus bekehren will. Ich bin ja schon so anders als die anderen Familienmitglieder. Dabei haben die Altkatholiken in Polen viele Skandale verursacht. Das ist nicht gerade ein gutes Argument für eine Bekehrung. Die deutschen Altkatholiken sind sehr liberal, ich könnte mich auch mit meinem Mann segnen lassen, aber er hält nichts von einem kirchlichen Segen für unsere Partnerschaft, er praktiziert keine Religion.