Eine Coming Out Geschichte

Hier kommt ADS wieder nur am Rande vor aber ich packe ja viele Sachen die mich bewegen in diesen Blog. Mitunter sind das auch schwule Themen.

Ich habe heute Caroline Emckes Buch „Wie wir begehren“ verschenkt. Ich musste selber an meine Kindheit und Jugend in einer Kleinstadt im Ruhrgebiet denken. Und an mein eigenes Coming Out das im Gegensatz zu Emckes sehr früh war. Sie schreibt in diesem Buch über sexuelle Identität und ihr eigenes Coming Out.

Ich war vielleicht 13 Jahre alt. Ich musste in der 7. Klasse der Hauptschule sein. An einem Flohmarkttisch eines Schulfestes erstand ich ein Jugendbuch mit dem Titel „Ein Indianer namens Heinrich“ von Joe Pestum. Ich hatte es wirklich mit Indianern, ich bin schließlich auch mit den Winnetouverfilmungen mit Pierre Brice aufgewachsen und träumte davon einen verletzten Apachenkrieger zu pflegen. Diesem Heinrich aus Joe Pestums Roman sah in meiner Phantasie ein türkischer Junge  aus einer anderen Klasse sehr ähnlich. Und ich träumte davon sein Freund zu sein. In der Tat kamen wir uns auf dem Schulhof näher und unterhielten uns häufiger, aber diese Freundschaft zu Hüsseyn blieb sehr oberflächlich. Im Deutschunterricht probten wir für ein Theaterstück für eine Abschlussfeier der 10. Klassen in der Turnhalle. Es war eine moderne Variante von „Aschenputtel“.  Der Prinz war ein Mädchen und ich spielte die zweite Schwester von Aschenputtel. Hüsseyn sah das und sagte:“ dass Du so einer bist wusste ich schon lange“! Unsere Kontakte wurden spärlicher und brach dann später ganz ab. Eines Abends als junger Erwachsener, ich muss so 18 gewesen sein, wollte ich  mit der Bahn aus der Kleinstadt in der ich wohnte, in die benachbarte Großstadt zum offenen Abend des Schwulenzentrums fahren, als ich einer Gruppe türkischer Jugendlicher begegnete. Zwischen ihnen Hyssein ich grüßte ihn, und einer seiner Kollegen fragte dann“ bist Du schwul? Und fasste mich an den Kragen und fragte nach Geld. Hyssein ging dazwischen so dass ich den Bahnhof verlassen und auf einem anderen Weg an mein Ziel kommen konnte. Ich denke schon dass Hüsseyn eine gewisse Sympathie für mich hegte und ich bin ihm auch dankbar das er mich vor dem Raub bewahrte. Ich weiß nur das er auf die schiefe Bahn geraten ist und mit unverzollten Zigaretten handelte, die er mir mal anbot als ich schon längst in der Großstadt wohnte und ihm dort begegnete. Wir sind beide sehr unterschiedlich doch haben wir vor einander Respekt und das beeindruckt mich.

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Würde ich gerne so wiedergeboren wie ich bin?

Schwul zu sein und ADS zu haben ist schon ein ganz schönes Päckchen was man da aufgeladen bekommt. Es ist so, dass viele depressive Verstimmungen mit diesen beiden Themengebieten zu tun haben. Zum einen ist da z. B. die Ausgrenzung von femininen schwulen Männern und das fast überall.  Ich bin auch hin und wieder Zielscheibe für Witze geworden und habe auch Abwertungen durch andere schwule Männer erfahren.

Das ADS macht mich weniger widerstandsfähig gegen seelische Angriffe. Ich bin weniger schlagfertig und zuletzt auch beruflich weniger erfolgreich wie andere gesunde Menschen. Auch lebe ich etwas gefährlicher weil ich durch Unachtsamkeit im Verkehr einfach schneller in Unfälle verwickelt werden kann.

Aber ich würde gerne so wiedergeboren wie ich bin. Zum einen kenne ich es nicht anders zum anderen habe ich auch Glücksmomente die mir meine Besonderheiten bescheren. Die Freude etwa anderen Menschen zu helfen, die Liebe zu Martin meinem Mann der mich alles vergessen lässt wenn er über meine Witze lacht und meine kindischen Neckereien mitmacht oder auch erwiedert. Außerdem habe ich eine große Liebesfähigkeit die wirklich ihres Gleichen sucht. Das kann mir manchmal zum Verhängnis werden wenn ich mich einseitig verliebe, aber ich liebe Martin wie ihn kaum ein anderer lieben kann.

Ich bin genügsam geworden. Wenn ich lesen kann und handarbeiten geht es mir gut.

Ein „richtiger“ Mann zu sein ist für mich gar nicht so attraktiv. So viel Verantwortung für eine Familie tragen möchte ich gar nicht. Ich könnte mir gar nicht erlauben in einem schlecht bezahlten sozialen Beruf halbtags arbeiten zu wollen.

Ich glaube der liebe Gott hat mich auch so gemacht dass ich für andere da bin. Ob es für Martin ist oder für die Senioren die ich als Alltagsbegleiter betreuen werde. Im Grunde bin ich auch auf meine weise stark. Wie einfach ist es gesunde Menschen zu lieben. ich mag Menschen die ihre eigenen Schwierigkeiten haben. Mir ist bewusst geworden wie viel ich geben kann obwohl ich so verletzlich und eingeschränkt bin. Und das ist gut so, bei allen Schwierigkeiten die ich habe.

Homochrom Filmfestival Dortmund-Köln, queere Filme über einen Künstler der als Kind ADHS hatte und über das Glück stricken zu können

Ich habe mit meinem Mustergatten gerade das Programm vom Homochromfilmfestival in Dortmund studiert. Es laufen zwei Filme über die ich mich sehr freue. Zum einen ist das der amerikanische Film „Happy a littel Film with a big smile“. Hier geht es um einen Künstler der aus einer Lebenskrise wieder zu sich und zum glücklich sein findet. Es ist ihm u. a. der Partner gestorben. Als Kind war er hyperaktiv und die Kunst half ihm damit klar zu kommen. Er hat eine Botschaft und verkündet die öffentlich mit seiner Kunst „Sei glücklich aus Dir heraus“. So habe ich das verstanden. Aber ihr könnt das auf der Website von homochrom genauer nachlesen. Der Film läuft am Sonntag den 29. 10. in Dortmund in der Schauburg.

„The cloth knitt“ handelt von einem jungen Mädchen das von ihrer Mutter verlassen wird und zu ihrem Onkel flüchtet. Dort ist die Transidente Freundin des Onkels eingezogen. Sie kümmert sich liebevoll um das Mädchen und alle 3 (!) haben oder entwickeln eine Leidenschaft fürs stricken.

Dieser Film läuft am selben Tag um 20 Uhr ebenfalls in der Schauburg auf der Brückstraße in Dortmund. Viel Spass auf dem Festival!!!

Warum die Szene Schwule nicht glücklich macht

Ich habe schon viel über die Ausgrenzungserfahrungen in der Szene berichtet. Und ich schreibe jetzt mehr über Schwule Themen! Sorry liebe ADSler gerade ist schwule Woche auf meinem Blog. Ich habe einen intressanten Artikel über die Psyche von Schwulen in der Huffington Post gelesen zu dem ich einen Link am Ende des Beitrages hinterlassen will. Dieser Text kann eine mögliche Erklärung für einen Teil meiner psychischen Probleme im letzten Jahr sein.

Hier nun der Link zu dem Artikel:

http://www.huffingtonpost.de/michael-hobbes/einsamkeit-drogensucht-depression-und-selbstmord-schwulen_b_18224392.html

Ich bin immer noch beeindruckt von dem Roman „Holding the Man“!

Mir gefällt das Männerpaar in Holding the Man außerordentlich gut. Mir fällt auf wie sehr mich Bücher und Filme beeinflussen. Als wären die Geschichten gute Freunde und als gehörten sie zu meiner alltäglichen Realität. Manchmal denke ich das  mir die Geschichten wichtiger sind als meine eigene Realität.

Ich habe auch von einer schönen Liebesgeschichte mit viel weniger Drama zu berichten. Martin und ich hatten nur Schwierigkeiten wegen unserer psychischen Besonderheiten. Er als eigenbrödlerischer Computer Nerd und ich als verträumter Chaot.

Irgendwie kann ich mich mit Timothy aus dem Roman so gut identifizieren er ist so frühreif und früh Erwachsen geworden. Und ich glaube ich würde mich auch in John verlieben. Ich hatte zwar auch meine Abenteuer und eine Zeit lang war ich auch sehr promiskuitiv, für mich war das aber mehr eine Sucht als eine Lust. Um so spannender finde ich die Geschichte von Timothy. Ich weiß nicht ob er typisch schwul ist, aber seine Leidenschaftlichkeit ist wirklich überraschend. Ich glaube dass ist das rührendste und wichtigste Buch das ich gelesen habe. Das tragische Ende mit dem Aids-Tod von John ist wirklich grundtief traurig. Da war aber auch so viel Liebe das sie teilten und das er auch teilweise von Familie und Freunden bekam. Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert.

Erste Liebe und Coming Out

Wieder einmal mische ich die Themen in  meinem Blog. Im Grunde heißt der Blog ja ADStagtraeumer.  Ich bin allerdings ein schwuler Mann, daher finde ich es auch o. k. über solche Themen zu schreiben.

Ich lese zur Zeit den Roman „Holding the Man“ über eine Liebe die auf der High school in Australien begann und wo zum Schluss auch der Tod eines der Männer durch eine Aids bedingte Erkrankung eine Rolle spielt.

Ich muss an das Coming Out von Timothy dem etwas Jüngeren denken. Es erinnert mich so sehr an mein eigenes und an meine erste große Liebe mit 17 Jahren, W. W. war ein Kumpel aus dem lokalen Schwulenzentrum der auch aus der gleichen Kleinstadt stammt wie ich. Die Liebe war sehr einseitig, dennoch habe ich noch schöne Erinnerungen an unsere platonische Freundschaft. Es war zu dieser Zeit gefühlt immer Sommer und ich war immer mit dem Fahrrad unterwegs. Und ich war besessen von der Idee mit ihm zusammen zu sein. Doch ich ließ ihn kalt. Für mich war das eine sehr schwierige Erfahrung. Daran, dass ich mehr von ihm wollte, ist auch unsere Freundschaft auf Dauer gescheitert. Ich habe aber einen ganz ähnlichen Mann später dann kennengelernt und geheiratet. Martin ist auch so ein verschlossener in sich gekehrter Typ. Ebenfalls ein Technikfreak wie W. nur nicht mit Radios sondern mit Computern und Internet.

Um einen alten Schlager zu zitieren „Liebeskummer lohnt sich nicht my Darling“. Ich dachte ich werde nie mehr so glücklich wie mit ihm. Aber im nachhinein hat sich das nicht bewarheitet. Ich bin jetzt mit Martin 20 Jahre zusammen. Fünf Jahre länger als das Paar in dem Buch. Und ich bin glücklich!!!

Mein Beitrag zum internationalen Coming-Out day

Zur Zeit lese ich den schwulen Liebesroman „Holding the Man“. Er beginnt in der Schulzeit eines der Protagonisten und handelt auch vom Coming-Out in diesem autobiografischen Roman. Eine der Hauptfiguren Tim Cunningrave hatte sein Coming-Out genau so früh wie ich mit 14 und hatte sich das erste mal in einen Mann mit 8 verknallt. Bei mir war das ähnlich, ich fantasierte von Winnetous Kriegern die ich immer pflegen und trösten wollte wenn sie verletzt waren. Ich war ein riesiger Fan der Verfilmungen der Karl May Romane um diesen Apachen  Häuptling. Ich glaube diese Fantasien begannen so mit 5 Jahren. Mit dem Alter wurden sie immer stärker sexuell gefärbt und ich fantasierte später generell von Männern.

Ich hatte mein Coming Out auf Raten. Mit 12 habe ich mich in der Schule immer zu Homosexualität geäußert und dann wurde ich als schwuler Junge stärker wahrgenommen und wurde mit diesen Aussagen wie etwa als es um Menschenrechte ging ob alle das Recht hätten denjenigen zu heiraten den man wollte oder ich äußerte mich auch zum Thema Transsexualität und Transvestitismus, weil ich davon im Fernsehen Beiträge dazu gesehen hatte. Damit wurde ich von Mittschülern aufgezogen das führte zu depressiven Verstimmungen. Da war ich dann 14.

Meine Mutter fragte dann nach was denn sei ob ich wegen einem Mädchen etwas hätte. Ich sagte nein und fragte dann wie es wäre wenn es ein er wäre. Meine Mutter hatte Angst das ich vielleicht durch Jemanden verführt worden wäre und das vielleicht etwas mit meinem Hormonhaushalt nicht in Ordnung wäre und schlug vor zum Arzt zu gehen. Ich redete ihr das alles aus und wir sprachen mehrmals darüber. Sie hatte auch Angst dass sie etwas in der Erziehung falsch gemacht hätte und auch das redete ich ihr  auch aus.

Mein Vater erfuhr es mit 17 von meiner Mutter als ich begann regelmäßig zu den offenen Abenden vom Schwulen- und Lesbenzentrum zu gehen. Er weinte wohl als er das erfuhr. Ich war ja ein Sissy-Boy und erklärte das so dass ich mich mehr wie ein  Mädchen fühle. Ich spielte als Kind etwa auch mit Puppen und lieber mit den  Mädchen als mit den Jungs. Als ich in die Szene kam merkte ich erst dass ich nicht die Norm bin und das viele erst später ihr Coming-Out haben und nicht feminin sind. Das führte auch zu starken depressiven Verstimmungen. Ich habe auch Ausgrenzung erfahren durch andere Schwule erfahren.. Aber es war nicht soo dramatisch eigentlich aber es macht mich trotzdem sehr traurig. Es hat etwa noch 5 Jahre gedauert bis ich mich wohl in meiner Haut gefühlt habe. Und jetzt lebe ich ein Leben das mir gefällt. Ich bin seit über 10 Jahren in einer altkatholischen Gemeinde wo Homosexuelle total akzeptiert sind und besuche auch ganz selbstverständlich einen Handarbeitskreis wo ich der Hahn im Korb bin. Und bin da auch akzeptiert. Auch bei meinem letzten 1 Euro Job war das alles kein Problem. Ich war Betreuungskraft in einer Alltentagesstätte. Da habe ich mich sehr wohl gefühlt.

Mit Martin  meinem Ehemann bin ich gut 20 Jahre zusammen. Und ich bin glücklich mit ihm.

Sexualkunde und Akzeptanz für Vielfalt

Ich erinnere mich selber an den Sexualkundeunterricht in  Nordrhein-Westfalen in den 80er Jahren. Meine Familie ist eine katholische Spätaussiedlerfamilie, Sexualität war total tabuisiert. Ich habe mal als Teenager ein polnisches Wort falsch ausgesprochen dass es sich wie das Wort für die weibliche Scheide anhörte. Mein Vater wurde dabei rot und konnte mir den Fehler nicht erklären der ihn zum lachen brachte.

Mein Bruder ist 7 Jahre älter als ich und hat mir in meiner Grundschulzeit Angst vor dem Aufklärungsunterricht in der 4. Klasse gemacht. Das wäre so ekelig. Ich fand dass gar nicht schlimm über Sex wurde nicht gesprochen obwohl ich da schon aufgeklärt war wie Kinder gezeugt werden. Wozu große Brüder doch taugen. Im Grunde ging es nur um Schwangerschaft und Geburt. Es wurde uns Kindern erklärt wie eine Schwangerschaft abläuft und ein Kind geboren wird. Meine Eltern haben von ihren Eltern auf dem Lande noch erzählt bekommen dass die Kälber und Fohlen aus dem Wald zugelaufen sind und die Kinder der Storch gebracht hat.

So weltfremd wurden Kinder in Polen in den 50er Jahren erzogen. In der weiterführende Schule musste ich den Zyklus der Frau auswendig lernen. Über Homosexualität wurde auch gesprochen. Wobei eine türkische Mitschülerin doch behauptete das gebe es in der Türkei nicht. Wobei sie die Lehrerin korrigierte, weil wohl homosexuelles Verhalten verbreiteter ist als in Deutschland wegen der strikten Geschlechtertrennung.  Was hätte ich mir gewünscht im Sexualkundeunterricht, dass auch über Transidentität gesprochen worden wäre und über Rollenverhalten und Rollenklischees. Ich als femininer schwuler Mann war dazu verdammt ein Doppelleben zu leben. Ich spielte etwa mit Puppen und strickte und häkelte. Nur eine Freundin wusste das von mir. Ich fände es gut das auch über Frauenrechte gesprochen worden wäre. Ich war auf einer guten Grundschule und die Jungs sprachen von den Mädchen nur als den Weibern. Alles was die Mädchen machten war abzulehnen. Das fand ich damals sehr schockierend.

Bottom Shaming : Wenn passive Schwule beleidigt werden

Das ist ja ein Blog über ADS, aber ich schreibe auch hin und wieder auch über meine anderen psychischen Probleme wie etwa den Szenefrust.

Ich wurde häufiger schon als feminin wirkender Mann von anderen Schwulen beleidigt und ausgegrenzt.

Das Magazin Mannschaft liefert in einem Artikel eine mögliche Erklärung. Sie hat mit Rollenklischees und Internalisierter Homophobie, also Selbsthass zu tun.

Hier der Link zu dem Artikel des Magazins Mannschaft.

http://www.mannschaft.com/2017/06/bottom-shaming-wenn-passive-schwule-beleidigt-werden/

 

 

Homosexuellenverfolgung in Tschetschenien

Irgendwie gehen mir zur Zeit die Nachrichten über die Verschleppung, Folter und auch die Morde an schwulen Männern in Tschetschenien nahe.  Ich möchte irgend etwas tun um da zu helfen und um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Etwa 150 schwule und bisexuelle Männer wurden von Sicherheitskräften in Tschetschenien verschleppt und gefoltert. Einige sind dabei gestorben. Ich bin nach wie vor geschockt.

Es ist mir in letzter Zeit kaum eine Nachricht so nahe gegangen. Ich habe schon einen befreundeten Künstler angemailt ob ihm etwas einfällt. Wir haben in Dortmund kein russisches Konsulat vor dem man demonstrieren könnte. Ich weiss nicht was man sonst tun könnte. Vielleicht fällt Euch liebe Follower etwas  ein was man machen kann um darauf aufmerksam zu machen. Ein erster Schritt ist dieser Blogpost. Wenn Ihr von geplanten Demonstrationen in NRW wißt dann nutzt die Kommentarfunktion um mich zu benachrichtigen.