Umgang mit Aufschieberitis / Prokrastination

Ich habe in einem Forum jetzt einen interessanten Tipp zum Umgang mit der Aufschieberitis bekommen. Die sogenannte zwei Minuten Regel. Versuchen wenigstens zwei Minuten bei der Sache zu bleiben und die unangenehme Aufgabe zu bewältigen.

Ich will das auf jeden Fall versuchen. Und die sogenannte 5 Sekunden Regel will ich auch versuchen. Einfach von 5 auf 1 rückwärts zählen und dann einfach die Aufgabe beginnen ich hoffe das bringt etwas. Gestern habe ich das schon Ausprobiert und den  Abwasch der nich in die Spülmaschine muss bewältigt. Ich hoffe auch dass das in Zukunft etwas bringt.

Advertisements

Ich habe nur wenig Antrieb

Es ist schon sehr nervig, dass ich zu kaum etwas Lust habe. Ich mache kaum was im Haushalt. Gerade unsere Küche ist ein Problemfeld. Ich habe mir vorgenommen den Kühlschrank zu reinigen und endlich auch das Altpapier wegzubringen und die Oberflächen abzuwischen. Ich versuche morgen damit anzufangen. Das einzige was ich aktiv an diesem Wochenende gemacht habe war einkaufen und uns irgendwelche Convience Produkte aufwärmen und dann habe ich mich noch etwas um meinen Topfgarten gekümmert. Ich habe die Pflanzen gedüngt und Sprossenbrokoli und Zwiebeln und Petersilie ausgesät. Ich koche immer noch zu selten richtig. Vielleicht muss ich meine Einstellung etwas verändern und die Ist-Zustand nicht so sehr ins negative ziehen. Ich grübel auch wieder. Das ist nicht so gut. Ich habe mich mit einer Wodka-Brennerei auf meiner Trauminsel Prince Edward Island beschäftigt. Ursprünglich wollte das Frauenpaar dort Whiskey brennen dann ist es Kartoffel-Wodka  und Blaubeerwodka, für den sie sogar Auszeichnungen bekamen, geworden. Ich habe ihnen dazu geraten. Aber ich finde keinen richtigen Kontakt zu ihnen. Prince Edward Wodka kann man auch bei uns in Deutschland kaufen. Ich finde es schade das ich so recht keinen Kontakt finde und es lustig finde das es ein lesbisches Paar ist denen die Brennerei gehört. Ich wollte auf PEI die Wirtschaft fördern weil die Insel auch etwas strukturschwach ist. Mittlerweile beschäftigen die Frauen 15 Leute in ihrer Brennerei, das ist eine gute Sache. Auch die riesige Biogasanlage am Lüner Hafen samt dezentraler Blockheizkraftwerke habe ich den Stadtwerken vorgeschlagen. Hier kann die Stadt viel Geld für Energiekosten sparen und das ist gut. Aber ich habe ja keine Ahnung von so etwas. Die ist zu überdimensioniert. Ich bin davon ausgegangen das sie komplett mit Gülle aus dem Münsterland beschickt werden könnte. Das war eine Fehler das es überwiegend Mais ist der nicht so umweltfreundlich ist.

Mit der Reha geht es nicht weiter

Zur Zeit bin ich in einer Art Orientierungsmaßnahme bei einem beruflichen Trainingszentrum für psychisch Kranke. Diese Maßnahme dauert einen Monat.

Für die Hauptmaßnahme ist meine Arbeitsleistung zu fehlerhaft. Ich musste handwerkliche Dinge machen und auch monotone sich wiederholende Arbeiten.

Ich hänge jetzt ganz in der Luft. Ich überlege ob ich doch im Herbst auf eigene Kosten eine Umschulung zum Seniorenbetreuer mache. Ich muss mir das gut überlegen. Vielleicht macht mir das Arbeitsamt auch keinen Strich durch die Rechnung. Ich sehe da keine andere Möglichkeit.

Das würde mir wirklich gut tun. Vielleicht ist meine Idee gar nicht so schlecht.

 

Musik über Kopfhörer in der Bahn sind echte Erleichterung

Beim ADS gelingt ja das selektive hören nicht. In öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich nur schwer entspannen weil ich automatisch alle Gespräche um mich herum mithören muss. Das kann sehr anstrengend sein. Mein Göttergatte hat mir u. a. gute Kopfhörer für mein neues Smartphone geschenkt. Ich bin wesentlich entspannter in der Bahn und kann endlich auch meinen Gedanken nachhängen oder ausspannen ohne jedes Gespräch mitzuhören. Irgendwie sieht die Welt mit eigenem Soundtrack ganz anders aus. Es ist schade das ich nicht schon als Kind einen Walkmann hatte. Aber irgendwie bin ich darauf nie gekommen dass das entlastend ist. Ich dachte das ist ganz normal das man Hintergrundgespräche automatisch mitbekommt. Aber anscheinend ist das nicht so. Andere Menschen können sich in ihre eigenen Gedanken oder ein Buch vertiefen was ich nicht kann. Dafür stört meinen Bruder Musik beim lesen. So verschieden kann das sein. Ich kann nur jedem ADSler bzw. ADHsler empfehlen das auszuprobieren. Das macht richtig Spass.

Ich brauche Jemanden der mich in den Hintern tritt

Es ist schon sehr interessant wie sehr gut ich funktioniere wenn äußerer Druck vorhanden ist. In der Reha arbeite ich kontinuierlich mit und habe sogar ein Befridigend was die Ordnung angeht bekommen. Bin ich zu Hause, so geht der übliche Schlendrian weiter. Auch mein Psychiater bei der ADHS-Ambulanz hat gesagt dass ich eigentlich Jemanden bräuchte der mich ständig in den Hintern tritt. Mein Göttergatte ist aber selber nachlässig und hat wegen einer Depression, selber Antriebsprobleme.

Das ist aber auch fürchterlich. Eigentlich brauche ich wirklich Jemanden der mich ständig antreibt. Auch bei anderen Tätigkeiten, etwa bei 1-Euro-Jobs oder wenn ich anderen geholfen habe, war der Antrieb und die Motivation besser. Ich brauche also Druck von Außen.

Ich weiss nicht wie es weiter gehen soll

Die berufliche Reha verläuft sehr schwierig. Bei den praktischen Aufgaben habe ich Angst zu versagen. Ich denke dass ich vieles fasch mache. Im theorethischen Teil bin ich ganz gut. Auf dem Anrufbeantworter hatte ich jemanden vom Arbeitsamt. Es geht da um eine geförderte Stelle für Langzeitarbeitslose. Vielleicht wäre das was für mich. Unsere Wohnung ist nach wie vor chaotisch. Mir fällte es schwer Ordnung zu halten und die Wohnung zu putzen. Mein Mann ist depressiv und daher auch keine große Stütze. Ich vermute das er so etwas wie eine Dysthemie hat. In dem Aufräumbuch für ADSler das ich in einem der letzten Post´s erwähnt habe wird radikales entrümpeln gefordert.

Dazu fehlt mir aber immer noch der Antrieb. Es ist aber auch vertrakt. In der beruflichen Reha gelingt es mir mich aber so halbwegs zu fokussieren wenn auch Hintergrundgespräche nerven. Ich werde wohl die Maßnahme zu Ende machen müssen. Ich denke das ich das psychisch durchstehe. Ich weiss aber nicht ob ich für die Anschlussmaßnahme geeignet bin. Das wird sich ja sicher bald herausstellen.

Ich weiß nicht was ich tun soll. Vielleicht ist abwarten das klügste im Moment.

Mir fällt es schwer meine Meinung zu vertreten

Einige Kollegen aus der Maßnahme äußern sich sehr schlecht über meinen Wohnort, ich wohne in einem Arbeitervorort einer Großstadt. Auch über sozial Schwache und Randgruppen hat sich ein Kollege schlecht geäußert. Das fand ich sehr frustrierend ich bin aber nicht auf das Thema angesprungen. Der Gerechtigkeitssinn beim ADS ist auch etwas positives. Ich muss lernen diese Gabe konstruktiv einzubringen. Im Moment schweige ich nur viel. Schließlich bin ich ein gebranntes Kind. Bei meiner letzten Umschulung habe ich mich sogar mit Dozenten angelegt die Unsinn über ADHS und ADS gesprochen habe. Am Schluss war ich verletzt und herabqualifiziert worden. Das tat wirklich weh und ich möchte diese Erfahrung nicht noch einmal machen. Dennoch wäre es sinnvoll gewesen etwas zu sagen. Ich muss noch an der richtigen Dosierung arbeiten. Das muss ich noch lernen wann es klug ist sich anzulegen oder nicht.

Bin gut medikamentös eingestellt

Heute hatte ich meinen ersten Tag bei der beruflichen Reha. Ich habe mich gewundert wie gut ich mit Strattera eingestellt bin. Es wurde zwischenzeitlich etwas lauter in dem Seminarraum, dennoch ist es mir mit etwas Mühe gelungen mich zu konzentrieren.

Die Kollgen sind sehr nett und mein direkter Platznachbar ist sehr hilfsbereit. Es ist eine bunte Truppe und das ist auch gut so. Vor einigen handwerklichen Aufgaben habe ich etwas Angst. Ich denke aber es wird irgendwie gehen.

Ich denke auch dass das Risperidon ein wenig hilft was die Gelassenheit angeht. Es beruhigt sehr stark.

Ich bin zuversichtlich dass ich die Maßnahme schaffe.

Abnehmen und entrümpeln

Ich bin stark übergewichtig und ich bin Messie. Das sind Wahrheiten denen ich ins Auge sehen muss. Ich will meine Frühstücksgewohnheiten umstellen. Anstatt ein Teilchen vom Bäcker will ich eine Banane essen. Das ist auch süß und gesünder als  die süßen Teilchen die mir der Bäcker verkauft. Und ich will wieder einmal die Woche wieder schwimmen gehen. Abends will ich auf Schokolade verzichten und anstatt 1 bis zwei Äpfel essen. Ich hoffe das hat weniger Kalorien als die Schokoriegel die ich sonst esse.

Was das entrümpeln angeht weiss ich mir nicht so recht zu helfen. Wir haben einfach zu viele Sachen. Dabei haben wir schon viel weggeworfen. Ich muss noch radikaler werden. Auch Sachen die man noch gebrauchen kann wegwerfen. Einfach wegwerfen den zum verkaufen oder verschenken habe ich keinen Elan. Martin soll nur paar teure Aktbildbände versuchen bei ebay los zu werden. Obwohl er hat auch einen schlechten Antrieb das nervt an der Stelle auch. Ich weiß nicht wie ich mir helfen soll. Kaufen tue ich nicht mehr so viel. Doch Samentüten, Wolle und ab und an ein gedrucktes Buch.

Die dicken Wollreste will ich für einen Afghanen eine Häkeldecke verwenden und außerdem will ich mehr gärtnern dieses Jahr. Und im Bücherregal ist noch Luft weil ich vor einer Weile ziemlich ausgemistet habe. Also habe ich meine „Kaufsucht“ relativ im Griff.

ADS in meinem Leben

Als Kind war ich schon sehr verträumt und langsam. Ich wurde immer mit meinem Patenonkel verglichen der auch psychische Probleme hatte den ich aber nie kennengelernt habe. Meine Klassenlehrerin in der Grundschule sagte immer: “ bis der Junge fertig ist hat eine Oma für ganz China Pullover gestrickt“. Ich war auch sehr empfindlich und weinte wegen den kleinsten Neckereien. Bei der Berufsausbildung in einem Büroberuf kam ich vor allem im EDV Unterricht nicht mit. Ganz schlimm war mein Versuch autofahren zu lernen daran bin ich wegen meiner Unaufmerksamkeit gescheitert. Ich holte das Abitur erfolgreich nach und scheiterte dann im Studium weil ich mit der mangelnden Struktur an der Uni nicht zurechtkam. Eine Umschulung zum Werbekaufmann verlief katastrophal. Praktisch habe ich versagt. Danach habe ich mich innerlich zurückgezogen und mich mit der Arbeitslosigkeit abgefunden. Zwischenzeitlich musste ich nach meiner Ausbildung im Büroberuf in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt werden weil ich aus psychischer Überlastung eine Psychose entwickelte. Das war so mit 18. Aber das hatte sehr viele unterschiedliche Gründe. Vor einem Jahr hatte ich wegen Mobbing einen Rückfall als ich zum Seniorenbetreuer umschulen wollte. Jetzt besuche ich demnächst ein berufliches Trainingszentrum für psychisch Kranke und will danach erneut zum Seniorenbetreuer bei einem anderen Bildungsträger umschulen. Als Begleiterkrankungen habe ich noch eine Sexsucht entwickelt die ich aber durch eine Nebenwirkung der antipsychotischen Medikation überwunden habe und leide an einer episodischen Depression mit Grübeln und Antriebsarmut.