Ich habe die Küche entrümpelt und geputzt

Manchmal gelingt es mir den inneren Schweinehund zu überwinden. Ich habe vor ein paar Tagen die Küche entrümpelt. Ich habe Glas und Papiermüll weggebracht. Einen großen alten Kochtopf habe ich weggeschmissen und die Oberflächen gewischt. Wenn ich mir konkret etwas vornehme geht es eigentlich. Wenn ich mir nur vornehme  die Küche aufzuräumen und mir keine festen Vorgaben gebe hat das meistens keinen größeren Erfolg. Aber jetzt habe ich so viel Müll entsorgt das mich sogar mein Mann gelobt hat.

Ich kann doch meinen inneren Schweinehund überwinden. Wenn ich einfach anfange geht es eigentlich.

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Verlegen, verlieren, vergessen

ADS ist ja eine Aufmerksamkeitsstörung. Früher habe ich häufig Termine vergessen oder verpasst. Regelmäßig habe ich Sachen verlegt. Im Moment verliere ich häufiger meine Hausschuhe, viel mehr lasse ich sie irgendwo liegen wo ich sie später suchen muss.

Einmal habe ich ein Fahrrad in der Stadt so abgestellt das ich es nicht mehr wiedergefunden habe. Generell fällt es mir schwer zu merken wo ich mein Fahrrad in der Stadt abgestellt habe, ich muss es fast immer suchen.

Von meinem Abiturzeugnis musste ich zwei mal eine Abschrift machen lassen weil ich es verlegt habe  und nicht mehr wiedergefunden.

Manchmal steige ich in die falsche U-Bahn ein wenn ich aus der Stadt nach Hause fahre.

Aus dem Fersehjunkie wurde ein Bücherwurm

Als Kind der 80er Jahre war ich fernsehsüchtig. Ich schaute täglich stundenlang fern. Wenn es um Kindheitserinnerungen aus meiner Kindheit geht dann sind das Erinnerungen an Filme und Serien. Ich war ein riesiger Tagträumer der sich in die Geschichten aus dem Fernsehen hineinträumte. Dann habe ich als Jugendlicher aufgehört viel fern zu sehen. Bis heute schaue ich nicht viel fern. Nachrichten schaue ich und ab und an eine DVD. Ich habe letztes Jahr angefangen abends zu lesen. Ich habe im letzten Jahr mehr als 10 Bücher gelesen. Das kannte ich früher nicht so sehr. Ich las ab und an Bücher aber höchstens 3 pro Jahr. Angefangen hat das mit Büchern von Lucy Maud Montgomery. Ich habe „Anne of Green Gables“ noch mal angefangen zu lesen allerdings auf englisch. Ich kannte ja damals nur die Miniserie von Sullivan Entertainment aus dem Fernsehen. Ich habe große Teile der „Anne Serie“ auf englisch gelesen und auch andere Bücher von Lucy Maud Montgomery bei der das Träumen vorkommt. Ich glaube das war der Einstieg für mich weil ich ja selber nicht mehr tagträume. Ich habe auch Bob den Streuner gelesen und andere Bücher über Außenseiter. Das tat mir richtig gut. Auch den Roman von Mina Teichert „Neben der Spur aber auf dem Weg“ habe ich ebenfalls verschlungen. Ich suche immer nach neuen Inspirationen für Lesestoff gesucht. Dabei fällt mir auf das mein erwachsenes ich nach Identifikationsfiguren sucht. Ich suche immer nach Vorbildern in der Literatur. Im Moment ist es Sten Nadolnys John Franklin aus der Entdeckung der Langsamkeit.

Meine alten Träume von Abenteuern im wilden Westen habe ich aufgegeben. Winnetou ist endgültig gestorben. Ich bin viel stärker in der Realität verhaftet als früher. Ich nehme meine alten Träume als Illusionen wahr. Manchmal ist meine Realität ganz schön hart. Aber Illusionen will ich mich nicht mehr hingeben.

Ich habe eine Sehnsucht nach Gemeinschaft

Martin und ich leben relativ isoliert. Nur durch den Handarbeitskreis und die altkatholische Kirchengemeinde habe ich Kontakte. Ich habe immer das Gefühl nicht ganz dazu zu gehören. Nicht das ich aktiv ausgegrenzt werde, ich denke eher das meine Introvertiertheit durch das ADS ein Problem ist. Ich bin auch etwas spröde, nicht das ich gar keinen Humor habe, ich bin eher ein ernsthafter Mensch. Es kann sein das ich durch das ADS nicht besonders schlagfertig bin und für originelle Antworten auf scherzhafte Fragen einfach zu lange brauche. Klar ich bin auch verheiratet, aber wenn mein Mann abends nach Hause kommt ist der Tag schon so gut wie gelaufen. Er sitzt dann nur noch vor dem PC und beschäftigt sich damit. Ich denke das ich mir recht einsam vorkomme.

Ich treffe meinen Bekannten D. im Buchladen und kann dann einige Minuten mit ihm reden. Das ist schon gut. Vielleicht wünsche ich mir zu viel. Es liegt sicher auch an der Arbeitslosigkeit das ich mich einsam fühle. Vielleicht bin ich so etwas wie eine grüne Witwe. Obwohl ich mir schon dafür mehr Grün in meiner Umgebung wünsche. Ich muss einer Arbeit nachgehen die auch soziale Interaktion möglich macht. Etwa als Seniorenbetreuer. Ich muss da dringend am Ball bleiben.

Ich weiss nicht ob ich medizinische Reha brauche was das ADS angeht?

Ich habe eine schlechte Beurteilung von einer Berufspsychologin des Arbeitsamtes bekommen. Angeblich wäre ich nicht genügend belastbar und hätte nicht genug Konzentrationsfähigkeit für eine Umschulung als Seniorenbetreuer. Das dumme ist noch das ich beim Amtsarzt angegeben habe das ich nur 6 Stunden am Tag arbeiten kann. Diese Berufspsychologin hat mir daraus einen Strick gedreht. Ich halte mich eigentlich nicht für so beeinträchtigt das ich die Umschulung nicht machen kann. Vielleicht reicht ja auch ein Attest vom behandelnden Psychiater von der ADHS-Ambulanz aus dass ich nicht die medizinsche Reha machen muss. Ich glaube nicht das die viel bringt. Ausschlaggebend für die psychische Krise waren die Diskussionen über ADS in der Schulungsstätte und eine Depression wegen der Sexsucht. Die Psychose habe ich ganz überstanden und die Depression samt dieser Verhaltenssucht sind weg gegangen. Ich fühle mich besser als noch vor zwei Jahren. Mir wäre es lieber wenn der Arzt nur ein Attest schreibt, das wäre gut.

Strattera wird auf Dauer billiger

Ich habe im Internet gelesen das es bald schon Generika für den Noradrenalinhemmer Strattera geben soll. Dadurch wird das Medikament billiger. Ich denke für uns in Deutschland ist das nicht so eine wirklich große Neuigkeit. In anderen Ländern wie etwa Polen kann das wirklich ein wichtiges Thema für ADHS Betroffene Kinder sein.Wenn Strattera erschwinglich wird können auch Patienten in anderen Ländern davon profitieren. Das finde ist mal eine gute Nachricht.  Ich vertrage das Medikament gut und mein Blutwerte, insbesondere die Leberwerte und der Blutdruck sind in Ordnung. Strattera ist kein Betäubungsmittel daher ist auch das Reisen mit dem Medikament unproblematisch.

Es wirkt auch etwas antidepressiv und angsstillend. Ursprünglich ist es gegen Depression entwickelt worden nur zeigte es dafür nicht genug Wirkung. Daher hilft Strattera auch gut gegen die Stimmungsschwankungen. Bei mir haben die Stimmungsschwankungen schon sehr früh aufgehört die konzentrationsfördernde Wirkung trat aber erst etwas später ein. Ich finde es ist wirklich ein Medikament dem mehr Beachtung geschenkt werden sollte.

 

Jetzt weiß ich warum ich so schlecht in den Ballsportarten war und sicher noch bin

Ich habe angefangen „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Stan Nadolny zu lesen. In der Hauptfigur, John Franklin, sehen einige Leser einen typischen Betroffenen von „sluggish cognitive tempo, einer Sonderform von ADS. Er ist zu langsam um einen Ball zu fangen weil er in Details zu vertieft ist. Bei mir kann das daran liegen dass ich einfach zu verträumt war und vielleicht noch bin.

Ich mag diese Figur des John Franklin. Mir macht der Roman enormen Spass. Sten Nadolny schildert sehr humorvoll seinen John Franklin. Zum Beispiel ißt er sehr langsam so dass der Schiffskater ihm Bratenstücke direkt von der Gabel stibitzt. Meine Klassenlehrerin in der Grundschule sagte: bis der Junge etwas zu Ende gebracht hat, hat eine Oma für ganz China Pullover gestrickt. Auch in meinen ganzen Grundschulzeugnissen steht das ich zu langsam war.

Durch Meditation einen Weg zu den Gefühlen finden und was ich so lese

Ich besuche eine Therapiegruppe die achtsamkeits basiert arbeitet. Ich erzählte dort von meiner Antriebslosigkeit und mir wurde als Meditationsform die sogenannte „Erkundung des Atemraumes“ empfohlen. Eine angeleitete Atemmeditation. Ich hoffe das bringt etwas. Ich weiß tatsächlich nicht warum ich so Antriebsschwach bin.

Ich habe keinen Plan für diesen Tag heute zum Beispiel. Außer das ich ins Hallenbad will um zu schwimmen. Ich gehe Rückenschwimmen, das geht im Hallenbad besser als im Freibad. Und das kostet schon mal viel Zeit.

Was kann ich dann noch erzählen. Ich lese immer noch recht viel. Im Moment lese ich die „Sprache der Sichel“ von Gavino Ledda. Er der sardische Hirtenjunge emanzipiert sich von seinem ausbeutersichen Vater und fängt eine akademische Laufbahn an. Er erzählt auch viele Geschichten über das ländliche Sardinien. Und danach fange ich „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny an. Ich denke dieser Roman kann mich über meine eigene Langsamkeit hinweg trösten. Es ist die Geschichte von John Franklin den Seefahrer der als sehr langsam beschrieben ist und ist auch eine philosphische Betrachtung über die Zeit.

Ich habe eine glänzende Küchenspüle doch sonst geht es nicht weiter

Ich habe das Buch „Die magische Küchenspüle“ das Auswege aus einem Haushaltschaos zeigt. Ich habe tatsächlich meine Küchenspüle auf Hochglanz geputzt und einige Dinge zusammen gepackt die Weggeschmissen werden können, dennoch bleibt das Trödeln am Tag über ein Problem. Ich weiss nicht wie ich das in den Griff bekommen soll. Prokrastination lässt Grüßen. Ich weiss nicht wie ich da raus kommen soll. Ich habe sicher Ahnungen. Ich darf nicht jeden Tag zum einkaufen in die Stadt gehen. Ich könnte immer die Lebensmitteleinkäufe für zwei Tage machen und die Nutzung sozialer Medien im Internet einschränken. Obwohl die beiden Chats bei facebook und die Diskussion in einer Gruppe mir gut getan haben. Aber häufig checke ich nur ob es nur neue Gruppenbeiträge oder auch neue Nachrichten gibt. Ich glaube ich muss meine Internetnutzung stark einschränken. Jetzt habe ich den Tag über so lange getrödelt das ich nur noch das Abendessen machen kann. Ich habe nichts aufgeräumt und geputzt. Und nach 20 Uhr möchte ich nicht so gerne noch etwas machen. Ich muss auch einen anderen Tagesrythmus finden. Ich stehe gegen Mittags auf und gehe gegen 2 Uhr nachts ins Bett. Das ist nicht gerade gut. Aber mein Mann hat einen ähnlichen Rythmus nur das er früher aufstehen muss. Ich muss einfach effektiver mit der Zeit umgehen.

 

Kleinstadtidylle, magische Küchenspülen, und donnerstägliche Schwimmbadphobie

Wo fange ich an. Das ist wieder einmal ein Wußt an Gefühlen und Eindrücken die mir durch den Kopf gehen. Ich lese nach wie vor gerne. Nach „Padre Padrone“ habe ich die Sprache der Sichel angefangen, den Nachfolgeroman. Ich mag die Sprache von Gavino Ledda. Er bricht alles auf die Erfahrung des Bauern und Hirten herunter. So ganz fremd ist mir die Welt der Bauern nicht da meine Eltern auch auf dem Land groß geworden sind, allerdings unter besseren Bedingungen. Doch dort war das Gänse hüten wichtiger als die Hausaufgaben und nach der Tätigkeit als Lehrjunge in der Stadt mußte mein Vater etwa noch auf einem Bauernhof eines Verwandten helfen und nicht nur auf dem Hof seines Vaters mitarbeiten.

Ich neige manchmal dazu das Landleben zu romantisieren. Was mir aber durchaus gefällt ist die scheinbare Kleinstadtidylle in denen meine Eltern wohnen. Ich habe sie in dem großen Vorort einer kleineren Nachbarstadt meines Wohnortes besucht. Ich finde es so erholsam wie ruhig es bei ihnen ist im Vergleich zu dem sozialen Brennpunkt in dem ich wohne. Sie haben eine große baumbestandene Wiese vor dem Fenster und dem Balkon, die von Dreistöckigen Mietshäusern umgeben ist. Und es ist ruhig nur die Vögel zwitschern und ab und zu unterhalten sich mal einige wenige Nachbarn die vorbeigehen. Das habe ich so zu Hause nicht. Unsere Wohnung liegt an einem Gewirr aus kleinen Hinterhöfen. In einem dieser Hinterhöfe befindet sich eine Koranschule. Dort kann ich wenn ich sehr aufmerksam bin den Unterricht mitverfolgen. Es schallt halt durch die geöffneten Fenster. Und wenn ich Pech habe sitzen auch noch mehrere Nachbarn auf einem der Hinterhöfe und trinken Bier, und Alkohol verstärkt die Lautstärke. Ich habe es eigentlich sehr gerne ruhig. Ich gehe Donnerstags nicht mehr schwimmen. Ich habe auf dem Rückweg vom Schwimmbad immer diffuse Ängste. Etwas im Schwimmbad verloren zu haben oder Zwangsgedanken von der Brücke über die Eisenbahn zu springen. Ich habe hin und wieder Zwangsgedanken, aber so schlimme habe ich sonst nie. Daher meide ich die Situation. Meistens habe ich Befürchtungen etwas schlimmes zu tun. Heute habe ich meinem Mann, der heute frei hat Salz gebracht um sein Frühstücksei zu würzen, ich dachte daran ich könnte ihm das Ei mutwillig versalzen, ich habe häufiger solche Gedanken. Ich denke häufiger an Dinge die ich machen könnte die gefährlich oder dumm sind. Endlich ist es raus. Aber ich tue mich schwer damit mir das einzugestehen. Eine Zeit lang hatte ich das mit anzüglichen Blicken egal ob auf Männlein oder Weiblein bezogen. Diese Zwangshandlung ist endgültig weg.

Ich habe heute ein Haushaltsführungsbuch für Menschen die aus psychischen Gründen ein Problem damit haben Ordnung zu halten gekauft. Es heißt die magische Küchenspüle und ist eher an Frauen gerichtet. Mir ist das egal weil ich auch hier den Haushalt managen muss. Es heißt die magische Küchenspüle und führt in Minischritten zur Chaosbeseitigung. Ich will morgen damit arbeiten und dann auch in ein anderes Schwimmbad zum schwimmen gehen.