Ich grübel viel

Es ist schon komisch als hätten sich die ADS-Symptome verschoben von Tagträumen zu Grübeleien. Ich denke irgend wie ständig über mich und mein Leben nach. Ich schaffe den ganzen Tag über nichts auch meinen Hobbys gehe ich kaum noch richtig nach.

Außerdem könnte ich jeden Abend heiß baden und dauernd Süßigkeiten essen. Es ist furchtbar. Manche Konflikte in meinem Leben habe ich nicht gelöst. Ich habe zwar einen lieben Partner dennoch fehlt mir etwas. Ich fühle mich trotz allem einsam.

Das ist nicht immer so, beim Gemeindecafe der altkatholischen Gemeinde bei der ich bin fühle ich mich nicht immer außen vor. Unsere Gemeindemitglieder sind relativ gebildet und ich erfahre dadurch immer mal wieder interessante Dinge. Ich erfahre gerne Neues. Ich brauche immer Anregung und Stimulation. Das könnte etwas mit Sensation Seeking zu tun haben. Ich mag es wenn Fran etwas über die Tier- und Pflanzenwelt in Australien erzählt wo ihre Tochter lebt oder Jonathan über Bücher spricht die er gelesen hat. Ich bin relativ schnell gelangweilt und gernervt. Früher dachte ich das es etwas mit Hochbegabung zu tun hat dass mich so viele Dinge interessieren. Es kann aber eine Mischung aus überdurchschnittlicher Intelligenz und Sensation Seeking sein.

Die Ausgrenzung in der Szene war nicht nur eine Ausgrenzung weil ich feminin und übergewichtig bin sondern auch weil ich intellektuell nicht gefordert wurde. Ich habe nur sehr wenig Spannendes von meinen Schwulen Bekannten erfahren. Das Klischee des gebildeten kultivierten Schwulen stimmt meist nicht. Der Anteil von Männern mit akademischer Bildung oder Abitur ist nur geringfügig größer als bei heterosexuellen Männern. Außerdem fehlten eindeutig die gebildeten femininen Schwulen in meinem Bekanntenkreis. Darunter leide ich auch noch immer etwas dass mir ein Gesprächspartner fehlt. Mit Frauen verstehe ich mich meistens gut. Mir war nicht klar das mir das wirklich fehlt. In Dortmund sind selbst Funktionäre in der Schwulenbewegung relativ wenig gebildet. Und ich vermisse eher „alternative“ Schwule. Wobei alternativ relativ weit gefasst ist. Schwule Hipster gibt es kaum in Dortmund. Es frustriert mich dass Dortmund so provinziell ist. Ich habe ernsthaft zu wenige Freiräume. Mehr Freiheit zum atmen uns ich selber sein fehlt  mir da eindeutig.

Ich nehme mir wenigstens vor häufiger zu den homochrom Filmabenden zu gehen. Und vielleicht gehe ich mal mit Marc im Rekorder einen trinken. Das ist eine Künstlerkneipe bei uns am Hafen.

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Das mit dem ADS und dem Mitleid

Ich habe schon mehrere Post über das „krankhafte Mitleid“ bei ADS beschrieben. Es betrifft mehrere verschiedene Aspekte des Lebens eines ADSlers.

Bei mir ist das z. B. das Mitleid für soziale Randgruppen und Außenseiter. Das hat wenig mit der eigenen Außenseiterrolle zu tun. Als Erwachsener habe ich auch überlegt Sozialarbeiter zu  werden. Gut das ich es nicht geworden bin weil mir die Klienten dann auf der Nase herumgetanzt wären. Ich kann mich bekanntlich nur schwer durchsetzen was auch syndromtypisch ist.

Das wirkt sich auch auf die Partnerschaft aus. Ich mag Männer mit sozialen Ängsten. Also sehr schüchterne introvertierte Männer. Ich habe eine Vorliebe für Nerds. Die Serie “ Big Bang Theorie“ ist dann so eine Art Porno für mich 😉 . Scherz beiseite erfolgreiche selbstbewußte Männer lassen mich kalt. Außerdem fallen auch  muskulöse Männer generell durch.

Für mich stehen immer die anderen Menschen im Mittelpunkt meine persönlichen Bedürfnisse stelle ich immer hinten an. Damit bin ich aber nicht glücklich, das muss sich schon noch verändern.

Sollten wir uns eine Katze zu legen, ist mir jetzt schon klar das ich die kleinste und am wildesten gemusterste nehmen würde. An eine Rassekatze ist nicht zu denken. Die braucht ja meine Liebe nicht die will doch jeder haben.

Warum dass so ist habe ich schon mal versucht zu erklären. Das liegt an der sehr breiten Wahrnehmung beim ADS. Daher spüre ich mehr Mitleid als andere.

 

 

Ich bin immer relativ introvertiert

Ich weiß nicht was ich im Gemeindecafe oder bei Handarbeiten so erzählen soll. Ich schweige viel. Mich interessieren ja schwule Themen ungemein. Daher lese ich täglich Queer.de und kaufe mir regelmäßig das Mannschaft Magazin. Außerdem interessiere ich mich für Selbstversorgung in der Stadt und Hühnerhaltung. Ich häkel und stricke auch.

Aber das wars dann auch. Heute war das beim Gemeindecafe etwas anders. Thomas, ein Arzt aus Hagen will für seinen Sohn Hühner anschaffen. Da konnte ich mal etwas mehr erzählen. Und glaube ich brauchbare Tipps geben.

Ich traue mich nur selten ein Thema anzufangen. Ich hätte auch vom queeren Homochrom  Film -Festival erzählen können. Das war doch sehr interessant. Über die be Happy Bewegung von Leonhard Porkshop könnte ich erzählen. Vielleicht bestelle ich mir die Aufkleber mit dem gelben lächelnden Roboterkopf selber mal, die dieser Künstler entworfen hat und vertreibt.

Und ich lese viel. Aber kann man ehrlich gesagt zugeben das ich als 42jähriger Mann Bücher aus der Anne of Greengabels Reihe lese. Ich müßte selbstbewußter werden. Ich schäme mich einfach zu schnell wegen der Dinge die mich ausmachen. Außerdem mache ich aktiv gar nicht so viel. Aber mache ich weniger als andere Menschen. Ich weiss es nicht.

Mein Fazit von dem Film über Leonhard Porkchop Zimmermann „Happy“

Ich habe am Sonntag den Film „Happy – small Film with a big smile“ während eines Filmfestivals in Dortmund gesehen.

Mir hat der Film gut gefallen. Ich denke das der US-amerikanische Maler Leonhard Porkchop ein Ausnahmetalent ist und wahrscheinlich hochbegabt und hyperaktiv. Man merkt schon das er zu viel Energie in sich hat und auf der einen Seite so ausgelassen sein kann wie ein kleines Kind auf der anderen Seite aber auch traurig sein kann wie kein anderer Mensch wenn es um den Tod seines Partners geht.

Ich denke er braucht seine Kunst um mit seinen extremen Gefühlen umgehen zu können. Das malen hilft ihm das zu viel an Energie zu kanalisieren. Kreativität ist so fern sie einem gegeben wurde, ein gutes Mittel mit den Defiziten des ADHS bzw ADS umzugehen. Ich denke da vor allem an die Autorin Mina Teichert die neben ganz allgemeinen Strategien auch ihre Fantasie für literarische Arbeiten nutzt.

Ich denke dass für solche Menschen Medikamente nicht gut sein würden. Sie blockieren ja häufig die kreativen Impulse. Hier spielt der Hyperfokus eine Rolle den Betroffene ausnutzen können um erfolgreich zu sein. Daher denke ich sind Medikamente nicht immer notwendig. Manchmal helfen auch einfache Strategien wie eine Kalender App und Psychoedukation beim bewältigen der ADS-Probleme.

Kreativität ist ein gutes Mittel um mit Depressionen umzugehen. Ich häkel und mir geht es dabei auch besser. Besser ist es wenn man sich bildlich oder sprachlich ausdrücken kann und dies so aufarbeiten. Ein schwuler Bekannter malt Faune um seine Konflikte mit seiner Sexualität aufzuarbeiten. Das ist eine sehr schöne Möglichkeit damit umzugehen.

Wem das nicht gegeben ist kann einfachere handwerklichere Tätigkeiten ausüben. Nicht umsonst ist die Beschäftigungstherapie ein wichtiger Bestandteil vieler Therapieprogramme in psychatrischen Kliniken. Kreativität und Arbeit mit den Händen kann da enorm wichtig sein.

Würde ich gerne so wiedergeboren wie ich bin?

Schwul zu sein und ADS zu haben ist schon ein ganz schönes Päckchen was man da aufgeladen bekommt. Es ist so, dass viele depressive Verstimmungen mit diesen beiden Themengebieten zu tun haben. Zum einen ist da z. B. die Ausgrenzung von femininen schwulen Männern und das fast überall.  Ich bin auch hin und wieder Zielscheibe für Witze geworden und habe auch Abwertungen durch andere schwule Männer erfahren.

Das ADS macht mich weniger widerstandsfähig gegen seelische Angriffe. Ich bin weniger schlagfertig und zuletzt auch beruflich weniger erfolgreich wie andere gesunde Menschen. Auch lebe ich etwas gefährlicher weil ich durch Unachtsamkeit im Verkehr einfach schneller in Unfälle verwickelt werden kann.

Aber ich würde gerne so wiedergeboren wie ich bin. Zum einen kenne ich es nicht anders zum anderen habe ich auch Glücksmomente die mir meine Besonderheiten bescheren. Die Freude etwa anderen Menschen zu helfen, die Liebe zu Martin meinem Mann der mich alles vergessen lässt wenn er über meine Witze lacht und meine kindischen Neckereien mitmacht oder auch erwiedert. Außerdem habe ich eine große Liebesfähigkeit die wirklich ihres Gleichen sucht. Das kann mir manchmal zum Verhängnis werden wenn ich mich einseitig verliebe, aber ich liebe Martin wie ihn kaum ein anderer lieben kann.

Ich bin genügsam geworden. Wenn ich lesen kann und handarbeiten geht es mir gut.

Ein „richtiger“ Mann zu sein ist für mich gar nicht so attraktiv. So viel Verantwortung für eine Familie tragen möchte ich gar nicht. Ich könnte mir gar nicht erlauben in einem schlecht bezahlten sozialen Beruf halbtags arbeiten zu wollen.

Ich glaube der liebe Gott hat mich auch so gemacht dass ich für andere da bin. Ob es für Martin ist oder für die Senioren die ich als Alltagsbegleiter betreuen werde. Im Grunde bin ich auch auf meine weise stark. Wie einfach ist es gesunde Menschen zu lieben. ich mag Menschen die ihre eigenen Schwierigkeiten haben. Mir ist bewusst geworden wie viel ich geben kann obwohl ich so verletzlich und eingeschränkt bin. Und das ist gut so, bei allen Schwierigkeiten die ich habe.

Homochrom Filmfestival Dortmund-Köln, queere Filme über einen Künstler der als Kind ADHS hatte und über das Glück stricken zu können

Ich habe mit meinem Mustergatten gerade das Programm vom Homochromfilmfestival in Dortmund studiert. Es laufen zwei Filme über die ich mich sehr freue. Zum einen ist das der amerikanische Film „Happy a littel Film with a big smile“. Hier geht es um einen Künstler der aus einer Lebenskrise wieder zu sich und zum glücklich sein findet. Es ist ihm u. a. der Partner gestorben. Als Kind war er hyperaktiv und die Kunst half ihm damit klar zu kommen. Er hat eine Botschaft und verkündet die öffentlich mit seiner Kunst „Sei glücklich aus Dir heraus“. So habe ich das verstanden. Aber ihr könnt das auf der Website von homochrom genauer nachlesen. Der Film läuft am Sonntag den 29. 10. in Dortmund in der Schauburg.

„The cloth knitt“ handelt von einem jungen Mädchen das von ihrer Mutter verlassen wird und zu ihrem Onkel flüchtet. Dort ist die Transidente Freundin des Onkels eingezogen. Sie kümmert sich liebevoll um das Mädchen und alle 3 (!) haben oder entwickeln eine Leidenschaft fürs stricken.

Dieser Film läuft am selben Tag um 20 Uhr ebenfalls in der Schauburg auf der Brückstraße in Dortmund. Viel Spass auf dem Festival!!!

Wer nicht tagträumt ist psychisch unausgeglichen und hat keiner Verbindung zu seiner Innenwelt

Ich habe einen interessanten Artikel zum Thema tagträumen auf der Website der „Psychologie heute“ gelesen. Da wird das tagträumen als Notwendigkeit für eine psychische Balance und auch als Verbindung zu den eigenen Wünschen gesehen. Ich dachte immer Tagträume wären reine Ausflüchte aus einer schwierigen Realität. Ich tagträume sehr selten und ich fühle mich nicht durchweg zufrieden. In meinen Tagträumen besitze ich das was mir in der Realität fehlt. Ich wohne in einer schönen Umgebung, habe ein reges soziales Leben und nicht nur einen schönen sondern einen wunderschönen Mann der auch nicht nur gebildet ist sondern auch gut verdient.

Außerdem bin ich in meinen Tagträumen ungemein aktiv. Die Realität kann manchmal für mich schwer ertragbar sein. Bis vielleicht auf die Geschichte mit dem Ehemann. Mir hängt Dortmund manchmal sehr aus dem Hals heraus. Ich würde gerne in einer grüneren Stadt leben und in einer etwas spannenderen. Ich denke häufig dass die interessanten Geschichten immer wo anders geschehen. So sieht das auch mit dem Urban gardening in der Stadt aus, das ist in Dortmund kein echter Trend. Es gibt in meiner Nähe kein richtiges Urban Gardening Projekt. Und nach Hörde ist es mir zu weit.

Ich weiß nicht ob ich an einem anderen Ort auch glücklicher wäre. Mir würde eine kleinere etwas idyllischere Großstadt besser gefallen. Manches ist hier wirklich schwierig. Ich jammer gerne. Hier ist erst einmal der Link zu dem Artikel.

https://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/unser_persoenliches_paralleluniversum/

 

 

Wo soll meine Reise hingehen ?

Gerade habe ich einen Beitrag gepostet den ich wieder in den Papierkorb gelegt habe. Es ging um meine Prince-Edward Island Fantasien. Die habe ich nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Manchmal tagträume ich von der perfekten Inselidylle und entwerfe dann eine Insel nach meinen Träumen, aber PEI hat wenig Raum in meiner Fantasie. Mir ist auch klar dass das eigentlich Fantasien sind die kontraproduktiv sind wie auch Fantasien vom Fremdgehen. Es ist eigentlich eine Ausflucht weil ich mein Leben nicht gebacken bekomme.

Es geht nur sehr langsam voran in meinem Leben. Ich denke aber das was ist auch gut ist. Ich meine meine Partnerschaft und teilweise auch Dortmund als Wohnort. Dortmund hat einen riesigen Vorteil gegenüber anderen Metropolen, die Lebenshaltungskosten sind hier gering. Dafür ist Dortmund nicht wirklich aufregend.

Und die aufregenden Teile nutze ich kaum aus verschiedenen Gründen. Ich muss mich immer noch etwas umorientieren. Mein Fokus auf die schwulen Anteile meiner Persönlichkeit sind mir noch zu wichtig. Ich bin schon ein ziemlich queerer bunter Vogel. Das macht mich auch etwas einsam. Bei geselligen Anlässen bin ich seltsam verschlossen. Als könnte ich niemandem von der verrückten Welt in meinem Kopf erzählen. Das ist jetzt etwas besser geworden. Ich glaube ich mache die Tage den Poncho fertig und ziehe ihn auch mal zum Handarbeitstreff und in die Kirche an.

Jetzt wo es kälter wird kann ich das sicher mal tun. Vielleicht poste ich auch mal ein Foto von dem Poncho. Ich stelle immer wieder fest dass mir  Männer nicht so wichtig sind. Ich glaube die Anziehung ist mehr psychisch als körperlich. Das ich ein sehr romantischer Mensch bin, ich Sex durchaus mag, aber ich denke nicht dass das die tragende Rolle in meiner Partnerschaft ist. Ich war auch bei Holding the Man auch geschockt wie sehr sexuell gefärbt diese Liebesbeziehung von Timothy und John war.

Ich rätsel manchmal über meine Sexualität. Das ich nicht so sehr visuell erregbar bin ist schon komisch. Nicht das ich keine eigenen Schönheitsvorstellungen bei Männern haben würde. Ich mag lange oder längere Haare und eine meist schlanke Figur und nur wenig muskulöse Körper. Martin mein Lebenspartner ist wirklich o. k. wie er aussieht. Auch das er zugenommen hat stört mich nicht besonders. Vielleicht bin ich mehr homophil als homosexuell. Das mich gutaussehende Männer kalt lassen stimmt nicht. Aber was die Szene fordert und was ich als schön empfinde ist schon noch ein Unterschied. Diesen Muskelwahn teile ich nicht. Ich mag glaube ich generell natürlichere Männer. Es nervt mich das die ganzen Medien so voll sind von Abziehbildern männlicher Schönheit und das dieses Attraktivitätsdiktat bei Männern genauso schlimm ist wie es auch bei Frauen schon fast immer war.

Und dieses Diktat macht nicht glücklich, wie ich es ja auch in dem Post über einen Artikel in der Huffington Post,  versucht habe zu beschreiben. Ich mag auch Männer die ein wenig tuckig sind. Mir fällt das immer wieder auf das mir manchmal auch ,sich feminin fließend bewegende Männer, als attraktiv auffallen. Ich finde Sam Smith (ohne Undercut) sexy und Salvador Sobral als sensiblen zerbrechlichen Heteromann auch.

Liebe und Romantik aus meiner Sicht

Manchmal denke ich dass ich eigenwillige Vorstellungen von Romantik habe. Es wundert mich nicht das solche schwulen Aids-Dramen wie Holding the Man bei mir einschlagen wie eine Bombe. Liebe hat bei mir etwas von sich aufopfern müssen.

Und manchmal tut das ganz gut die  Rollen zu wechseln. Als müsste ich immer die Mutter Theresa spielen. Als es mir im letzten Jahr so schlecht ging tat mir es unheimlich gut das Martin sich mal einen freien Tag genommen hat und auch mal von zu Hause gearbeitet. Ist die Essenz der Romantik nicht das für einander da sein auch wenn es schwierig wird. Vielleicht ist das wirklich auch nicht merkwürdig.

Ich habe es aber auch mit dem Aufopfern. Ich will ja auch in einem sozialen Beruf als Seniorenbetreuer arbeiten. Manchmal hätte ich aber gerne einen psychisch gesünderen Mann, nicht so einen Eigenbrödler wie Martin. Und ein paar gemeinsame Intressen mehr wären auch nicht schlecht. Wir gehen kaum aus weil er ungesellig ist. Vielleicht überrede ich ihn wenigstens einen Film beim Schwulen Filmfestival bei uns in der Stadt zu schauen. Am ehesten gehen wir dann in eine Komödie. Ich will dagegen lieber in einen Betroffenheitsfilm. Ich meine damit ein Sozialdrama. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht das ich einen Mann habe mit dem ich eher lachen kann als gemeinsam zu weinen. Da haben wir mal wieder dieses gerne melancholisch sein wollen. Ich glaube ich bin wirklich etwas morbide was das angeht. Ich habe so viel Mitleid dass es für die ganze Welt reicht. Aber immer nur andere beweinen ist ja auch nicht schön. Vielleicht sollte ich tatsächlich mit meinem Schmusehasen in eine Komödie gehen. Oder in eine Dramödie da haben wir beide etwas davon.

Ich wünsche mir Geschichten über reife Liebe

Ich lese viel mehr. Dadurch dass ich mich durch die Einnahme von Straterra besser konzentrieren kann habe ich mehr Spass am lesen. Ich mag Liebesgeschichten ungemein gerne. Entweder lese ich welche die aus Sicht einer Frau erzählt werden oder wie jetzt schwule Liebesgeschichten. Was ich frustrierend finde, dass es bei schwulen Liebesgeschichten immer um die erste Liebe geht oder sie dramatisch enden. Ich wünsche mir mehr Geschichten über reife Menschen. Ich bin ja doch keine 17 mehr sondern 42. Als wäre man mit jenseits der 40 aromantisch und asexuell oder hätte keine Freude mehr am fremden Glück.

Der Roman „Holding the Man“ hat mir gefallen allerdings war das auch so die erste Liebe und viel Drama. So sehr quälen lassen möchte ich mich nicht von Liebesgeschichten. Ich mag „happy ends“. Die Geschichten von Lucy Maud Montgomery enthalten ja auch solche Themen. Ich lese die Bücher um Anne sehr gerne. Als nächstes lese ich wohl „Annes Haus der Träume“. Das ist deutlich entspannender als schwule Aids-Dramen. Vielleicht ist meine Literaturauswahl nicht sehr modern und untypisch für einen schwulen Mann von 42 Jahren aber das ist mir egal. Ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich völlig ungeniert. Etwas Kitsch ist doch o. k.