Umgang mit Aufschieberitis / Prokrastination

Ich habe in einem Forum jetzt einen interessanten Tipp zum Umgang mit der Aufschieberitis bekommen. Die sogenannte zwei Minuten Regel. Versuchen wenigstens zwei Minuten bei der Sache zu bleiben und die unangenehme Aufgabe zu bewältigen.

Ich will das auf jeden Fall versuchen. Und die sogenannte 5 Sekunden Regel will ich auch versuchen. Einfach von 5 auf 1 rückwärts zählen und dann einfach die Aufgabe beginnen ich hoffe das bringt etwas. Gestern habe ich das schon Ausprobiert und den  Abwasch der nich in die Spülmaschine muss bewältigt. Ich hoffe auch dass das in Zukunft etwas bringt.

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Die Psychotische Krise meiner Jugendzeit war eine Krise der Identität

Wenn ich an die psychotsiche Dekompensation zurückdenke und die Gründe dafür, dann hat das etwas mit einer Suche nach Identität zu tun.

Ich glaube dieser Fetisch der Männlichkeit in einigen schwulen Subkulturen hat mich irritiert und verstört. Es ist ja keine normale Männlichkeit die etwa in der Lederszene oder auch unter schwulen Hard Rock Fans gehuldigt wird. Es geht um „Supermännlichkeit“ und das muss man sich noch in großen Lettern vorstellen.

Sind diese Subkulturen nur Schuld an dieser Krise oder war es die eigene Unsicherheit mit dem Thema. Die höhere Wertigkeit die einem klischeehaft männlichem Verhalten zugeordnet wird. Im Grunde waren die Voraussetzungen gut ein stolzer schwuler Mann zu werden. Ich hatte schon als Kind das Gefühl das es verschiedene Formen von Männlichkeit und Weiblichkeit gibt und das dies nichts schlimmes ist. Ich war als Tucke mit einem Frauennamen schon akzeptierter Teil der Szene. Aber warum fand ich die Identitätssuche der Anderen als bedrohlich.

Die Abwertung durch andere tat so immens weh. Im Grunde ist man als Tucke weder liebens- noch begehrenswert. Als Clown auf der Dragebühne wird man geduldet aber ansonsten lebt man schon ziemlich am Rand der Gesellschaft. Wie häufig wird man zur Witzfigur wie etwa im Schuh des Manitu in der Figur des Winnetouch.

Und diese Nachwendezeit mit dem erstarken rechter Ideologien machten mir auch Angst. Kein Wunder das ich denken mußte alle sind gegen mich. Alle sind Nazis. So einfach ist das nicht. Aber was blieb mir übrig als halbes Kind zu denken. Erst als Erwachsener habe ich dann ein Leben geführt das meinem naturell entspricht. Ich bin kein Crossdresser geworden aber ich besuche einen Handarbeitskreis und bin da Hahn im Korb. Und ich gehe selbstbewußt zum Weltgebetstag der Frauen weil mir die Atmosphäre da gut gefällt. Ansonsten bin ich ein weicher schwuler Mann wie viele andere auch. Mit dem kleinen unterschied das ich nur wenig Musik von Pop Diven höre und sexuell nur aktiv bin. Aber ansonsten unterscheidet mich nicht viel von anderen Männern. Außer vielleicht das ich mich gerne etwas bunter kleide als andere Männer. Und das wars schon. Aber ich bin in der Heterosexuellen Welt emanzipiert bin ich das in der Schwulen Welt auch? Die wenigen sozialen Kontakte die ich zu Schwulen habe sind positiv wenn sie auch über Distanz geschehen wie etwa über Facebook. Aber ich fühle mich da schon wohl. Ich würde mir gerne wünschen dass ich mehr echte Freunde hätte, vor allem auch unter femininen Schwulen aber das kann sich ja noch ändern. Ein Kollege von mir der selber sehr angagiert war in der Szene seiner Stadt und auch etwas feminin ist hat auch keine Lust mehr auf die Szene weil der Hass untereinander so groß ist. Und das ist wirklich schade und traurig.

Mein halbes Leben vertrödelt

Ich habe bisher mein halbes Leben vertrödelt. Nicht ganz ich habe zumindest das Abitur und zwei Berufsabschlüsse gemacht. Aber danach bin ich auf einem niedrigen Leistungsniveau stecken geblieben.

Ich habe ernsthaft Schwierigkeiten im Leben. Alles was ich mache ist fehlerhaft. Daher habe ich Schwierigkeiten überhaupt eine Tätigkeit zu finden die ich ausfüllen kann. Das liegt auch an der Unaufmerksamkeit und an der mangelhaften Arbeitsplanung. Auch die Neigung zum Aufschieben ist wirklich schlimm.

Ich weiss auch nicht wie es weiter gehen soll. Ich denke es helfen Todo-Listen den Überblick bei den Aufgaben zu behalten. Das habe ich etwas ausprobiert als ich es mit beruflicher Reha versucht habe. Das hat gut geklappt. Im Grunde müsste ich das beibehalten und ausbauen. Und Belohnungen für unangenehme Aufgaben finden. Anders komme ich nicht aus dem Trödelmodus heraus.

 

Mir geht es ganz gut

Gestern habe ich viel über die Psychosen nachgedacht die ich hatte. Heute grübel ich nicht so viel. Ich war auf der Anti-Nazi-Demo vom Bündnis gegen Rechts in der Innenstadt. Das tat gut zu wissen das so viele Menschen den Weg dorthin gefunden haben.

Ich neige immer noch zum Aufschieben. Die Frühstücksbretchen sind immer noch nicht abgeräumt und noch nicht alles Geschirr vom Abendessen vom Vortag ist in der Spülmaschine eingeräumt. Mir ist das im Moment auch etwas egal so lange wir keinen Besuch bekommen. Ich räume aber vor dem Abendessen noch auf.

Ich plane Ringelblumen auf dem Balkon zu ziehen und die Blüten in Olivenöl einzulegen. Ringelblumencreme tut meinem Gesicht sehr gut. Ich habe angefangen sie zu benutzen als ich einen rötlichen Gesichtsausschlag durch Strattera bekam. Mittlerweile creme ich auch meinen Gatten damit ein, der sich immer etwas ziert. Er hat auch etwas Probleme mit der Gesichtshaut. Auf der Nazidemo hatte Jemand eine gehäkelte bunte  Mütze aus Baumwolle auf. Ich überlege sie in anderen Farben nachzumachen.

Und ich träume davon Sussex Hühner zu halten. Ich finde die sehr schön, besonders auch die gelben und roten.

 

Ich bin sehr verletzlich und schnell eingeschnappt

Ich weiß nicht ob das etwas mit ADS zu tun hat aber ich bin sehr schnell eingeschnappt wenn ich kritisiert werde. Vielleicht hat das am Rand mit ADS zu tun weil ADSler sich generell nicht so gut selbst behaupten können und häufig der Selbstwert einen Knacks hat.

Früher habe ich wegen jeder kleinen Kritik geweint, jetzt tue ich das nicht mehr. Aber Kritik verletzt mich mehr als andere Menschen.

Ansonsten bin ich nach der Reha-Maßnahme wieder im alten Trott zurück. Spät ins Bett gehen, spät aufstehen und zu nichts wirklich Lust. Nicht einmal etwas zum Essen zu machen. Ich gehe gleich zum Bäcker und esse wie immer meine geliebten Schweizer Wecken und vielleicht besuche ich noch einen Bekannten im Buchladen. Einkaufen muss ich auch noch. Und dann ist schon der Nachmittag um.

 

Ich habe nur wenig Antrieb

Es ist schon sehr nervig, dass ich zu kaum etwas Lust habe. Ich mache kaum was im Haushalt. Gerade unsere Küche ist ein Problemfeld. Ich habe mir vorgenommen den Kühlschrank zu reinigen und endlich auch das Altpapier wegzubringen und die Oberflächen abzuwischen. Ich versuche morgen damit anzufangen. Das einzige was ich aktiv an diesem Wochenende gemacht habe war einkaufen und uns irgendwelche Convience Produkte aufwärmen und dann habe ich mich noch etwas um meinen Topfgarten gekümmert. Ich habe die Pflanzen gedüngt und Sprossenbrokoli und Zwiebeln und Petersilie ausgesät. Ich koche immer noch zu selten richtig. Vielleicht muss ich meine Einstellung etwas verändern und die Ist-Zustand nicht so sehr ins negative ziehen. Ich grübel auch wieder. Das ist nicht so gut. Ich habe mich mit einer Wodka-Brennerei auf meiner Trauminsel Prince Edward Island beschäftigt. Ursprünglich wollte das Frauenpaar dort Whiskey brennen dann ist es Kartoffel-Wodka  und Blaubeerwodka, für den sie sogar Auszeichnungen bekamen, geworden. Ich habe ihnen dazu geraten. Aber ich finde keinen richtigen Kontakt zu ihnen. Prince Edward Wodka kann man auch bei uns in Deutschland kaufen. Ich finde es schade das ich so recht keinen Kontakt finde und es lustig finde das es ein lesbisches Paar ist denen die Brennerei gehört. Ich wollte auf PEI die Wirtschaft fördern weil die Insel auch etwas strukturschwach ist. Mittlerweile beschäftigen die Frauen 15 Leute in ihrer Brennerei, das ist eine gute Sache. Auch die riesige Biogasanlage am Lüner Hafen samt dezentraler Blockheizkraftwerke habe ich den Stadtwerken vorgeschlagen. Hier kann die Stadt viel Geld für Energiekosten sparen und das ist gut. Aber ich habe ja keine Ahnung von so etwas. Die ist zu überdimensioniert. Ich bin davon ausgegangen das sie komplett mit Gülle aus dem Münsterland beschickt werden könnte. Das war eine Fehler das es überwiegend Mais ist der nicht so umweltfreundlich ist.

Mit der Reha geht es nicht weiter

Zur Zeit bin ich in einer Art Orientierungsmaßnahme bei einem beruflichen Trainingszentrum für psychisch Kranke. Diese Maßnahme dauert einen Monat.

Für die Hauptmaßnahme ist meine Arbeitsleistung zu fehlerhaft. Ich musste handwerkliche Dinge machen und auch monotone sich wiederholende Arbeiten.

Ich hänge jetzt ganz in der Luft. Ich überlege ob ich doch im Herbst auf eigene Kosten eine Umschulung zum Seniorenbetreuer mache. Ich muss mir das gut überlegen. Vielleicht macht mir das Arbeitsamt auch keinen Strich durch die Rechnung. Ich sehe da keine andere Möglichkeit.

Das würde mir wirklich gut tun. Vielleicht ist meine Idee gar nicht so schlecht.

 

Ich habe eine kleine Identitätskrise

Vor einiger Zeit habe ich das schon thematisiert. Ich weiß nicht genau was mich noch interessiert. Meine Homosexualität und das ADS waren schon sehr identitätsstiftend.

Doch aus verschiedenen Gründen passt das nicht mehr so ganz. Ich liebe zwar immer noch Männer, doch habe ich mit den kulturellen Normen der Szene nicht viel am Hut. Ich mag nur selten weibliche Popstars oder sogenannte Pop-Diven und ich mag eindeutig gerne ältere zierliche Männer. Da bin ich gar nicht so typisch für die Szene. Ich mag die Musik meistens nicht in schwulen Bars und Treffpunkten. Und die Schönheitsideale die schwule Medien propagieren sind mir ein Graus.

Beim ADS habe ich auch Probleme weil ich mich jetzt so stark verändere dass das ADS keine Rolle mehr spielt, da ich nur selten tagträume. Viele der historischen Romane und Filme dienten mir auch als Futter für meine Fantasie. Ich will nicht mehr in einer anderen Zeit leben oder auch nicht an einem anderen Ort. Obwohl mir in Dortmund schon die Natur fehlt. So geht es aber vielen Großstädtern und den Abonentinnen der Landlust.

Ich hätte gerne ein paar Hühner und einen Gemüsegarten und einen Wald in der Nähe.

Ich träume auch noch kaum von anderen Männern daher sind schwule Liebesdramen in Filmform nicht so sehr wichtig. Ich schaue sie zwar immer noch gerne, aber ich muss nicht jeden schwulen Film mehr sehen. „Call me by your name“ hat mich sehr bewegt, weil der Film mich an meine eigene erste Liebe erinnert, die allerdings einseitig war. Aber der Altersabstand und die sommerliche Atmosphäre waren schon ähnlich.

Vielleicht muss ich nach nichts mehr suchen was mich glücklich macht. Ich liebe meinen Mann und das reicht vielleicht erst einmal. Ich mag die Musik der Indie Band „Sleeping at last“ sehr gerne und ich mag die Musik von Luisa und Salvador Sobral. Auf meinem Handy habe ich ein Album von „Milow“, Melissa Etheridge, „Passenger“  und Salvador Sobral gespeichert und höre das gerne in der Bahn. Ich glaube das mein Musikgeschmack ziemlich unschwul ist. Und das ich mit einem scheuen Computer Nerd zusammen bin ist auch nicht so ganz typisch. Auch egal ich bin ich und das reicht mir.

Ostern habe ich nur wenig vorbereitet

Dieses Jahr ist Ostern wirklich der Wurm drin. Ich habe weder Pickert für Martin gebacken noch groß dekoriert. Ich fühle mich aber wirklich wohl. Ich habe Karfreitag mit einem Kumpel einen Ausflug nach Paderborn gemacht und mir unter anderem den Dom und die Kaiserpfalz angeschaut und sind noch in der Paderaue ein Stückchen gewandert.

Ostersamstag war ich in der Osternacht in der Kirche und zum Agape-Essen was sehr schön und gemütlich war. Eigentlich fühle ich mich sehr wohl und ausgefüllt. Martin mein Mann hält nicht so viel von religiösen Festen und Traditionen. Den Pickert mache ich ein Wochenende später. Schließlich habe ich alles eingekauft. Gefärbte Ostereier habe ich gekauft und etwas Schokolade auch.

Früher hatte ich so Sehnsüchte von Dortmund weg zu ziehen. Ich habe aber festgestellt das Dortmund als westfälische Stadt gar nicht soo schlecht ist. Das Stadtbild von Dortmund gefällt mir etwas besser als von Paderborn. Dafür haben wir keine so schöne Kirche wie den Dom und nicht so viel Grün in der Innenstadt. Wir haben aber die renaturierte Emscher und um den Stadtgarten herum etwas grün und schönere und größere Parks etwas außerhalb der City.  Und die mittelalterliche St. Marien Kirche ist bei uns auch sehr schön.Im Grunde bin ich ganz zufrieden.

Was ich interessant finde ist das die einzige schwule Bar Paderborns dadurch überlebt das sie auch heterosexuelle Gäste hat, vor allem auch Junggesellenabschiede. Das ist in Dortmund nicht so. Das Burgtor das mit Susis Unverschämt in Paderborn vergleichbar ist, lebt von der schwulen Kundschaft. Den Travestiekünstler und Wirt  Susi haben wir in „zivil“ in einem Cafe in Paderborn gesehen. Das fand ich lustig als ich das erfuhr als ich später im Internet mich über Paderborn informierte. Anscheinend ist Paderborn gar nicht so schlimm konservativ wie ich das manchmal denke.

 

Musik über Kopfhörer in der Bahn sind echte Erleichterung

Beim ADS gelingt ja das selektive hören nicht. In öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich nur schwer entspannen weil ich automatisch alle Gespräche um mich herum mithören muss. Das kann sehr anstrengend sein. Mein Göttergatte hat mir u. a. gute Kopfhörer für mein neues Smartphone geschenkt. Ich bin wesentlich entspannter in der Bahn und kann endlich auch meinen Gedanken nachhängen oder ausspannen ohne jedes Gespräch mitzuhören. Irgendwie sieht die Welt mit eigenem Soundtrack ganz anders aus. Es ist schade das ich nicht schon als Kind einen Walkmann hatte. Aber irgendwie bin ich darauf nie gekommen dass das entlastend ist. Ich dachte das ist ganz normal das man Hintergrundgespräche automatisch mitbekommt. Aber anscheinend ist das nicht so. Andere Menschen können sich in ihre eigenen Gedanken oder ein Buch vertiefen was ich nicht kann. Dafür stört meinen Bruder Musik beim lesen. So verschieden kann das sein. Ich kann nur jedem ADSler bzw. ADHsler empfehlen das auszuprobieren. Das macht richtig Spass.