Gerechtigkeitsempfinden des ADHS und Hypersensibilität kann belastend sein

Sicher hat mein Gerechtigkeitsinn sympathische Züge. Dennoch lege ich da manchmal auch eine Besessenheit an den Tag die wirklich belastend sind. Nicht dass ich etwas falsches Empfinde oder falsch sehe. Denn das was ich an Ungerechtigkeit wahrnehme und  mitunter zwischen den Zeilen lese ist tatsächlich vorhanden.

Zum Beispiel die mangelnde Solidarität innerhalb der Schwulen und Lesbenszene und die Diskrimminierung von älteren Männern von 40 Jahren und älter. Oder die subtile Homophobie im Alltag. Aber auch bei Dingen die mich nicht selber Betreffen habe ich sehr feine Antennen die Diskrimminierung erspürgen. Einige Diskussionen in unserer Stadt, etwa die um die Straßenprostitution oder etwa um die Armutsflüchtlinge vom Balkan hat mich schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Das ist gut dies mehr zu spüren. Aber im Alltag  kann das für mich sehr anstrengend sein weil ich dann an nichts mehr anderes denke aber selber nur wenig zur Veränderung des Zustands unternehmen kann. Das ist frustrierend und läßt mich meine eigenen Ziele und Wünsche vergessen. Und ich kann auch unffair gegenüber anderen Reagieren die   eine andere Meinung haben wie ich sie habe. Obwohl sie dann auch nur schwer meine Freunde sein können, aber diese anderen Meinungen zu ertragen ist für mich sehr schwer. Ich meide daher auch sehr bürgerliche oder konservative Menschen. Obwohl ich mit ihnen schon umgehen kann.

Mir fällt es schwer die Welt in ihrer Vielschichtigkeit anzunehemen. Das eine Kollegin mit der ich sehr viele Intressen Teile etwa die Homoehe ablehnt. Ich denke ich muss immer ein komplettes Bild sehen. Die Besorgnis der Eiheimischen vor Überfremdung und auch wachsender Kleinkriminialität aber auch die Armut derjenigen die hier zu uns vom Balkan kommen. Das gelingt mir nur eingeschränkt. Dennoch mag ich meine Kollegin Fran wenn wir auch häufig unterschiedlicher Meinung sein können. Ich denke dass wissen über diese Schwäche hilft mir damit umzugehen.

Aber manchmal dekliniert sich dieses Mitgefühl durch mein Leben durch. Ich kaufe natürlich nicht immer Bio und Fairprodukte doch fördere  ich schon aktiv alternative Produktionsweisen oder auch die Erhaltung alter Nutztierrassen dadurch dass ich etwa Coburger Fuchsschafwolle verarbeite. Weil ich es schade finde dass diese Rasse nicht  mehr gezüchtet wird nur weil sie nicht so produktiv ist wie modernere Rassen.

Aber das kann auch glücklich machen. Ich bin sehr bescheiden was meine Ansprüche angeht. Meinen Lebensgefährten Martin liebe ich trotz seiner Fehler. Ich bin häufig glücklich mit ihm weil er mein Mann ist. In dieser Hypersensibilität steckt auch viel Glücksfähigkeit weil ich auch sehr dankbar sein kann und mich an kleinen Dingen freuen.

Naturerlebnisse und Musik sind für mich Glück. Etwa Gitarrenmusik von Andrew York oder auch die wehmütigen melancholischen Lieder einiger Singer und Songwriter.

Da kann die Hypersensibilität wirklich angenehm sein und echtes Glück bedeuten das andere nicht so spüren können. Doch ist es wie beschrieben eine Belastung insbesondere mit der Verbindung mit hypoaktivem ADHS.