Wenn ich durch Dortmund gehe bin ich da zu Hause?

Immer wieder träume ich davon in einer anderen Stadt in einem anderen Land zu leben. Ständig sehe ich Bilder in den Medien von dem perfekten Leben irgendwo auf der Welt, wo das Leben leicht und süß ist. In allen Rankings schneidet meine Heimatstadt nicht wirklich gut ab. Aber bilden zahlen wirklich eine Stadt ab. Oder ist es eher die Perspektive die man auf einen  Ort hat. Heute setzte ich  mich in die Reinoldikirche um etwas Ruhe zu finden von der Hektik der Großstadt. Ich saß da und war entspannt und betrachtete an diesem sonnigen Tag den schönen gotischen Chor mit seinen bunten Fenstern. Wie sehr gefielen mir die Formen und Farben der Fenstergläser, die mittelalterlichen Figuren unserer legendenumwobenen Gründerväter St. Reinoldus und Karl dem Großen.

Auf einer Internetseite hatte ein Besucher mal die Reinoldikirche als Dom bezeichnet. Oh, dann hat ja Dortmund etwas von Köln. Der schöne Chor ist ebenfalls gotisch, aber einen Bischof hat Dortmund nicht. Ist das nicht  egal?  Ich fand den Vergleich nur schön den der Fremde fand. Dortmund hat einen Dom? Nein die Reinoldikirche ist kein Dom, das steht fest, aber ist das so wichtig? Welche Stadt hier in der Umgebung hat so eine große und bedeutende Stadtkirche wie Dortmund? Wird eine Kirche dadurch schöner, imposanter nur weil sie einen anderen Namen trägt oder an einem anderen Ort steht.

Ja Dortmund ist eine typische deutsche Großstadt. Ja Dortmund ist relativ arm. Aber in diesem Moment war mir das egal als ich den Kirchenraum betrachtete. Dann viel mir ein  wie ich mit einer wegwerfenden Handbewegung auf die Mitarbeiter der Stadtagentur reagiert habe die mir in der Fußgängerzone Imagebroschüren über meine Heimatstadt in die Hand drücken wollten. Hätte ich sie vielleicht doch gebraucht um ein anderen Blickwinkel einzunehmen auf dass was da ist und nicht das was sein könnte? Wahrscheinlich! Es ist merkwürdig dass wir unsere Welt nie komplett wahrnehmen.

Das unser Bild von der Welt immer  subjektiv ist. Die Wahrheit liegt immer in der Mitte, immer ist alles sowohl als auch. Daher ist unser Leben auch so schwierig. Weil wir dauernd unsere Welt einordnen und bewerten. Nur betrachten das geht häufig verloren.

Und das geht es mir genauso wie vielen Anderen Menschen auch. Schade! Genau hinschauen ist immer wichtig. Egal was es ist!

Identität und Kulturkampf

In meinem letzten Artikel ging es um Identität von Randgruppen. Ich glaube dass diese tatsächlich ein Thema unserer Zeit.

Wenn ich an die interreligösen Konflikte denke dann ist dass wirklich auch für unsere Gesellschaft bedrohlich.

Muslime fragen sich wahrscheinlich viel stärker wie weit westlich darf ich sein um noch Moslem zu sein. Das ist ein  Drahtseilakt zwischen Bewahrung und Anpassung.

Genauso wie die jungen Frauen die das Konzept der Identität als schwuler Mann oder als ADHSler im Internetforum als negativ bewerten und somit ja schon diskriminieren ist das auch mit religöser Identität. Und manchmal hat diese Identität auch störende Faktoren.

Doch muss man dass erst einmal auch anerkennen das es Unterschiede gibt. Dennoch gibt es noch mehr  Gemeinsamkeiten die man  herausstellen sollte. Aber Diskrimminierung ist schon ein Problem. Wenn  wir schon ein Kopftuch oder ein Minarett in Frage stellen dann bleibt Muslimen für den  Ausdruck ihrer Andersartigkeit nur sehr wenig.

Manche halten Andersartigkeit für eine Bedrohung für die eigene Identität. Man ist gezwungen die eigene Identität zu reflektieren. Bei unsicheren Mensch wie etwa denen in Ostdeutschland sind das tönerne Füße auf dem sie steht. Ihre eigene sozialistische Vergangenheit wurde abgewertet so das eine Lücke entstanden ist.

Ich denke schon dass wir viele verschiedene Identitäten  haben und das es gut sein kann derer bewußt zu werden. Was verstehe ich zum Beispiel unter christlichem Abendland und was stört mich an dem Anderen. Das muss man schon diskutieren!  Doch habe ich den Eindruck das es bei Pegida um sehr diffuse Ängste geht. Ich denke häufig hat diese Angst wenig mit Islam und Muslimen zu tun hat. Es geht glaube ich auch um Wertschätzung.

Ich habe den Eindruck dass sich sehr viele Menschen für abgehängt halten. Dass es eine Art Neid ist auf die Aufmerksamkeit die Muslime und Flüchtlinge erfahren. Ich vermute dass die Menschen in Ostdeutschland die nicht rechts gesinnt sind, sich benachteilligt fühlen und dafür eine sehr einfache Erklärung suchen. Das kann schmerzhaft sein dass die eigenen Politiker Fehler gemacht haben bei der Eingliederung der neuen Bundesländer und diese Länder wirtschaftlich und sozial den Anschluß an den Westen immer noch nicht geschafft haben. Doch ist es unffair dies anderen Menschen anzulasten. Ich lebe in Dortmund mit vielen Muslimen im gleichen Stadtteil. Viele von ihnen sind verunsichert und verletzt durch die NSU-Morde aber auch durch Pegida. Und es hilft auf der einen Seite nichts zu sagen die sollen Leben wie wir, wir müssen Unterschiede manchmal auch akzeptieren. Es nützt eine relativistische Haltung dabei nichts. Wir sind unterschiedlich aber es muss nicht immer ein Problem sein.

Randgruppen und Identität

In einem Internetforum wurde über ADHS oder auch Homosexualität als Identitätsmerkmal gesprochen.

Das fand ich interessant weil  es um diese Themen in meinem Blog geht. Ich gehöre da ja in Beide Lager. Prägt sexuelle Orientierung oder auch eine neurologische Störung unsere Idendität.

Ich denke schon. Gerade Randgruppen spüren sehr stark die Unterschiede zur Durchschnitsgesellschaft. Das gleiche gilt auch für religöse oder ethnische Minderheiten.

Das kann durchaus für andere Anstrengend sein. Ich habe z. B. auch polnische Wurzeln betone das aber gar nicht. Ein Bekannter tut dies durchaus. Er trägt seine nationalen Wurzeln Stolz wie eine Fahne vor sich her. Das kann andere verstören weil sie den Eindruck haben dass sie weniger wert sind weil sie nicht aus Polen kommen.

Sicher gibt es eine polnische Identität, wie es etwa auch eine Ruhrgebietsidentität gibt. Nur sind wir uns erst dessen bewußt wenn wir unsere Heimat oder unsere Gruppe verlassen und unter Fremden sind. Manchmal verklären wir dann auch das was uns ausmacht.

Bei Schwulen und Lesben gibt es da auch Unterschiede in der Lebensweise und den Verhaltensweisen von der heterosexuellen  Mehrheitsgesellschaft. Manchmal finde ich das selber auch nervig. Doch es ist schon richtig das viele schwule Männer über die „Golden Girls“ lachen können und in den Bars häufig entweder Vocalhous oder sog. Tuntenpop läuft. Das hat nicht unbedingt etwas damit zu tun dass man die anderen als schlechter empfindet nur dass man die Unterschiede halt sehr merkt. Zum Beispiel sind die meisten langhaarigen Männer heterosexuell. Schwule tragen häufig sehr modische Kurzhaarfrisuren, wie auch heterosexuelle auch nur das auch in einem höheren Alter wo das etwas merkwürdig aussieht.

Bei ADHS sind viele Lebensbereiche betroffen. Als ich mich näher damit beschäftigt habe fiel mir auf wie viele Bereiche das sind. Linear denkende Menschen wissen das häufig nicht. Zum Beispiel gehört da ein übersteigerter Gerechtigkeitssinn dazu, Stimmungsschwankungen, bei mir auch Tagträume und Grübeln und natürlich Hypersensibilität. Manchmal tut es   auch gut dem Kind einen Namen zu geben.

Das heißt ja nicht das die Betroffenen oder Angehörigen dieser Randgruppe nicht auch Menschen sind wie andere auch in den Grundlegenden Zügen, nur dass wir andere Vorlieben und Fähigkeiten haben. Wenn Jemand z. B. körperlich Behindert ist, ist sofort klar wie sehr ihn das einschränkt. Bei anderen Persönlichkeitsmerkmalen ist das viel Abstrakter. Dadurch dass es weniger Diskrimminierungen gibt  wie etwa Homophobie und Nationalsimus rücken solche Merkmale in den Hintergrund. Es gibt auch viele Menschen die sich einer Kategorisierung wiedersetzen. Weil sie nicht in das Klischee ganz rein passen oder nur zu einem kleinen Teil.

Das ist manchmal schwierig weil diese Menschen auch dadurch ihre eigene Gruppe anfangen zu hassen. Aber häufig hat dass auch mit mangelndem Selbstbewußtsein zu tun. Aber manchmal auch  mit der Wahrnehmung von Außen. Wir neigen immer zur Vereinfachung und packen Leute gerne in Schubladen, nur die passen natürlich nie so ganz. Es gibt ja nicht nur z. B. den einen schwulen Lebensstil oder ADHSler die auf gleiche weise stark beeinträchtigt sind.

Es hat etwas mit Abgrenzung und Identität zu  tun. Klar ist da auch vieles künstlich und konstruiert. Aber es ist nicht alles relativ. Wir können nicht aus unserer Haut heraus. Nicht wenn ich Ritalin oder Stratterra nehme sind nicht alle meine Probleme weg oder wenn  ich alternativ Rock höre mag ich ja auch dann noch Männer ob wohl die Musik als total unschwul gilt. Aber so ist das Leben nun mal. Es macht halt einen  Unterschied und wir bewerten im Grunde ständig. Das ist menschlich so lange wir aber dabei andere nicht eingrenzen finde ich das o. k.

Einige Gedanken zur männlichen Prostitution

Männlicher Prostitution gehört zur Realität unserer Gesellschaft sowohl zu der der Großstadt als mitunter auch zu der in der Provinz.

In Dortmund ist mit der Armutszuwanderung aus Südosteuropa auch die Zahl der männlichen Prostituierten gestiegen. Die lokale Aids Hilfe hat einen Bericht verfasst nach dem sie die Gruppe der männlichen Prostituierten auf etwa 250 junge Männer schätzt wovon etwa 100 auf der Straße arbeiten. Vorher war dieses Thema in Dortmund eher ein Randphänomen.

Meine Erfahrungen was dieses Thema angeht sind sehr dürftig. Ich erinnere mich daran dass ich mit Kollegen in einer Bar in Essen war. Ein Kollege flirtete mit einer Bedienung und ein Gespräch kam zustande. Der Kollege hatte den jungen Mann für einen Studenten gehalten, mir war sofort klar, der Junge geht anschaffen. Im laufe des Gespräches gestand der junge Mann das er sich auf einem speziellen Portal als Call Boy anbietet.

Als ich das später erzählte dass ich das im Gefühl hatte konnte ich es nicht genau erklären. Erst später wurde mir das bewußt woran dieser Eindruck lag. Männliche Prostituierte fallen im Alltag kaum auf. Allerdings bei ihm war das sichtbar. Ich denke es hat etwas mit Vernachlässigung im Kindesalter zu tun. Das klingt jetzt unheimlich was ich da erzähle. Der junge Mann war sehr schmächtig und irgendwie für sein Alter körperlich unterentwickelt. Meine Idee zu dieser Offensichtlichkeit ist, das man ihm ansah dass er aus schwierigen familiären Verhältnissen kommt.  Ich denke dass Vernachlässigung im frühen kindlichen Alter dazu führt das die Betroffenen dies auch später nicht mehr aufholen. Ich meine in dieser Hinsicht Vernachlässigung in der Ernährung und bei der Zuwendung. Männliche Prostitution ist ebenfalls ein sehr tabuisiertes Thema wie die weibliche Prostitution auch, wenn nicht sogar tabuisierter. Demnach muss ein Mensch schon sehr tief fallen um in diesem Gewerbe zu arbeiten.

Sicher gibt es da auch Unterschiede in welchem Bereich der Prostitution derjenige tätig ist. Doch bei der Elendsprostitution, also um den Lebensunterhalt zu bestreiten weil man sonst sich nicht ernähren kann, sieht man das meine ich schon.

Ich finde das sehr frustrierend dass es so etwas gibt. Nicht das ich es moralisch verwerflich halte Sex gegen Geld anzubieten. Doch halte ich den Preis dafür mitunter  für zu hoch. Was mich daran schockiert ist wie ausgestoßen man sein muss um diesem Gewerbe nachgehen zu können. Hat Prostitution nicht  immer etwas mit Vernachlässigung und oder Missbrauch in der Kindheit und Jugend zu tun? Ich bin mir da nicht sicher ob das immer der Fall ist,  und ich denke auch nicht das dieser kleine Einblick auf alle Jungs schließen läßt die  anschaffen gehen. Doch finde ich es bedenklich dass sie es tun. Dies kann nicht psychisch gesund sein. Ich habe den Eindruck das diese Menschen zu wenig Wertschätzung erfahren. Nicht dafür was sie tun  sondern dafür was sie sind. Das es Menschen sind die sich da anbieten die eine schwierige Vorgeschichte haben. Für unsere Stadt würde ich mir wünschen dass die Betreuung für Jungs aber auch für Mädchen und Frauen die anschaffen gehen besser wird. Das sie die   Möglichkeit haben auszusteigen und in einem bürgerlichen Beruf ihr Leben meistern. In einem Umfeld wo sie wertgeschätzt werden. Sicher kann man Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch nicht so leicht aufarbeiten. Doch ist es bedenklich wenn man diese Menschen im Stich lässt. Das auch behördliche Willkür es unmöglich macht diesen Menschen zu helfen in dem man sie von der Straße verbannt.

Ein Essener Sozialarbeiter spricht von sexueller Selbstbestimmung in diesem Zusammenhang. Hier geht es nicht um die eigene Sexualität hier geht es um Not der dadurch begegnet wird in dem  man das letzte verkauft was man hat die Jugend und der Körper. Dies darf nicht zur Regel werden. Ich bin gegen ein Verbot der Prostitution aber dafür dass wir Hilfe anbieten diese Not anders zu wenden als durch Prostitution.

Einige der männlichen Prostituierten sind heterosexuell, also da kann von sexueller Selbstbestimmung nicht die Rede sein. Dies gilt auch für die Männer aus Bulgarien und Rumänien. Wenn ihnen das Gehalt auf dem Arbitsstrich verweigert wird müssen sie ihren Körper verkaufen, dies ist menschenverachtend. Hier geht es mehr als um Moral hier geht  es um die Würde des Menschen. Sexuelle Ausbeutung ist verwerflich und das Verbot der Straßenprostitution in Dortmund hat die Situation verschärft. Ich glaube nur Toleranz aber auch Hilfe ist hier notwendig. Wir dürfen die Menschen nicht verurteilen, bestrafen oder verdrängen, wir müssen als Gesellschaft etwas besseres bieten können als das. Prostitution läßt sich nicht verbieten genauso wie der Konsum von Alkohol. Doch muss man die Bedingungen schaffen unter der sie nicht schädlich ist. Und wenn Menschen schon am Boden liegen dann muss man sie aufrichten und ihnen den Weg zeigen in ein Leben das menschenwürdig ist. Das gelingt nur mit Respekt und Sozialarbeit. Aber auch Bildung und eine finanzielle Grundsicherung durch den Staat gehören für mich auch dazu. Anders kann man dem Problem der Armutsprostitution nicht begegnen.

Wie kommt man als Erwachsener darauf das man hypoaktives ADHS hat?

Ich kannte die Diagnose hypoaktives ADHS früher gar nicht. Ich erinnere mich noch dass ich den Führerschein machen sollte und Probleme hatte die Verkehrssituationen richtig einzuschätzen. Eigentlich war ich gar nicht so sehr am Autofahren interessiert ließ mich aber von meinen Eltern dazu überreden. Im Grunde wußte  ich dass ich dabei Schwierigkeiten haben würde. Was sich dann  ja auch bewahrheitete. Parallel fühlte ich  mich auch in der Berufsausbildung überfordert. Vor Allem in EDV kam ich einfach  nicht mit.

Ich schilderte das meinem Hausarzt und er schrieb mir ein pflanzliches Beruhigunsmittel auf und meinte dass wenn dies nichts hilft, ich war damals noch 17, er mir etwas zur Konzentration aufschreiben müßte. Ich machte zwar einen Kurs Autogenes Training und fiel mehrmals durch die praktische Prüfung und brach den Führerschein ab.

Als ich dann ausgezogen bin hatte ich und habe es im Grunde immer noch große Probleme Ordnung zu halten. Ich fragte meine Hausärztin woran dies liegen könnte und sie fragte ob ich ADHS  habe. Ich verneinte da ich die Diagnose Hypoaktivität gar nicht kannte.  Allerdings war ich schon als junger Erwachsener schon lange in psychotherapeutischer Behandlung. Ich hatte starke Stimmungsschwankungen und fühlte mich schnell verletzt und durch soziale Situationen und Konflikte schnell überfordert.

Aus der Überforderung heraus hatte ich Wahnvorstellungen entwickelt  und mußte mit 19, also vor meinem Auszug, stationär ein halbes Jahr in einer Fachklinik behandelt werden.

Während einer Umschulung brachte eine Kollegin die Zeitsichrift „Brigitte“ mit einem Artikel zum Thema der tagträumerischen Variante von ADHS einer Kollegin mit. Ich erkannte mich da wieder. Verwarf dies aber wieder da ich Angst vor den Nebenwirkungen der Medikamente hatte. Da ADHS Medikamente mit einer psychotischen beziehungsweise wahnhaften Vorerkrankung nicht empfehlenswert sind.

Da die psychischen Beschwerden auch nach vielen Jahren nicht besser wurden obwohl die Psychose aber ganz ausgeheilt war, und ich mich immer mehr  in  mich  zurückzog, beschloß ich es doch mich in einer Fachambulanz eines Universitätskrankenhauses testen zu lassen. Und tatsächlich hatte sich der Verdacht den meine Ärzte hatten bestätigt. Ich fühlte mich sichtbar erleichtert weil ich wußte dass ich bald mein Leben dass lange vor sich herdümpelte und nur aus Mißerfolgen bestand vielleicht doch noch in den Griff bekommen könnte.

Ich mußte einige Medikamente ausprobieren und bin dann zuletzt auf das Medikament Straterra eingestellt worden. Durch die Medikation mit diesem Medikament fühle ich mich ausgeglichener und stressresistenter. Die Wahrnehmung ist verändert alles scheint deutlicher und intensiver zu sein. Dies gilt für alle Sinneswahrnehmungen wie etwa auch den Geschmackssinn und natürlich Gehör und visuelle Wahrnehmung. Ich bin in der Lage die Wahrnehmung zu fokussieren und daher nicht mehr so leicht ablenkbar. Hintergrundgeräusche habe ich früher als sehr störend erlebt wenn sie auch für andere kaum wahrnehmbar waren.  Was noch ein Problem ist, ist der Schlaf. Seit Jahren kann ich nicht ohne Beruhigungsmittel schlafen. Dies  ist auch durch die ADHS-Medikation nicht besser geworden. Auch der Antrieb ist nicht so wie ich es mir wünsche, auch wenn er besser ist als vor  Jahren. Doch fällt es mir immer noch schwer Dinge anzufangen oder zu Ende zu machen.  Ich hoffe aber das durch die Hilfe eines sog. Soziotherapeuten es mir gelingt mich besser zu strukturieren und ich danach ein ganz normales Leben führen kann wie andere auch. Dies ist meine Geschichte und sie ist keine schöne doch scheint sie doch ein Happy End zu finden.

ADHS und Rechte Szene

Gerade habe ich einen Artikel gelesen in dem ein Betroffener vermutet hatte das ADHS-Betroffene besonders anfällig für die Anwerbung für die rechte Szene sind.

Das machte mich erst mal stutzig. Doch mir viel dann ein dass besonders psychisch labile Menschen anfällig sind für vermeitliche Heilsbringer, egal ob es Sekten oder auch staatsfeindliche Gruppierungen sind.

Wieso  kann dass bei ADHS derart der Fall sein. Es gibt bei hyperaktiven Männern generell eine höheren Hang zu Straftaten. Das hat mit dem sensation-seeking zu tun, also der Suche nach dem großen Kick. Als Begleiterkrankung ist bei hyperaktiven ADHS ist auch die sogenannte antisoziale Persönlichkeitsstörung überproportional hoch vertreten.

Sie ist insbesondere durch wenige Mitleid gekennzeichnet was solche Menschen generell anfällig für gewalttätiges Verhalten macht. Früher nannte man diese Störung Psychopathie.

Ich will aber nicht sagen dass dies der Regelfall ist. Doch kann ein sehr ungünstiger Verlauf von ADHS und komorbider antisozialer Persönlichkeitsstörung diese Personengruppe aus dem gesamten sehr breiten ADHS-Spektrum anfällig machen für die „Aufmerksamkeit“ durch Rechte Gruppierungen.

Merkwürdigerweise ist das bei hypoaktivem ADHS nach meiner Theorie ganz anders.

Hypoaktive ADHSler sind sehr still und sind in der Regel hypersensibel. Daher wundert es mich auch nicht dass ich sie sowohl in linken Kneipen als auch bei den Grünen oder auch in der Kirchengemeinde finde. Meine Theorie basiert auf persönlicher Erfahrung und ich weiss nicht in wie weit dies immer zutrifft. Doch macht es einem auch klar wie groß das Spektrum an Persönlichkeiten sein kann die an ADHS erkranken. Auch eher unauffällige stille Typen können betroffen sein.

Unter straffälligen scheint hyperaktives ADHS sehr häufig zu sein. Eine Behandlung mit Methylphenidat hilft die eignen Impulse im Zaum zu halten. Nicht weil es ruhig stellt. Dies ist eher  ein Nebeneffekt der Behandlung. Viel mehr ist es die bessere Wahrnehmung die einen klügere und das heißt rechtskonformere und gesellschaftsfreundliche Entscheidungen zu fällen. Diese werden erst durch die Behandlung möglich oder zumindest für den Betroffenen einfacher.

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Begegnung in der Bibliothek

Ich treffe sie in der Warteschlange der Verbuchungstheke der Stadtbibliothek. Sie freundlich lieb, aber auch immer schon durch ihre Impulsivität auch manchmal tatktlos. Ich kenne Sie aus dem Cafe wo ich meinen Handarbeitsstammtisch habe. Sie hat keinen Schulabschluß, keine Berufsausbildung und mehrere Kinder. Alle ihre Kinder leben bei Pflegeeltern.

Ich erkenne Sie und wir reden und ich verabschiede mich weil ich dran bin mit der Verbuchung. Sie bleibt irgendwo im Gang stehen und blättert  über die Theke gelehnt in  einem Buch. Ich bin fertig, sie ist an der Reihe. Die Bibliotheksangestellte ruft sie weil sie die Nächste ist. Sie ruft sie mehrmals, Sie ist wie weggetreten. Erst nach einigen Minuten stellt sie sich zur Verbuchung an. Hat sie auch hypoaktives ADHS?

Dies wäre typisch. Sie ist wenige Jahre jünger als ich, hat die Kinder aber sehr zeitig bekommen. Dabei wirkt sie nicht gerade wie das Mädchen dass leicht zu haben ist.

Irgendwie bin ich froh das wir  Männer nicht schwanger werden können. Wäre es mir auch so gegangen? Sexualität und ADHS das ist ein schwieriges Thema. Klar hatte ich auch schon eine ganze Kompanie an Liebhabern doch glücklich war ich meistens nur mit einem Martin meinem Mann. Ich wirke auch nicht wie der typische Schwule der es darauf anlegt der König der Aufreißer zu sein. Warum tun wir das? Warum haben wir Männerbekanntschaften nach dem wir uns fühlen wie ein Kaugummi, ausgelutscht und ausgespuckt.

Mein Bauch der ist auch dick geworden, nicht von der „Liebe“ an dunklen und schmutzigen Orten, sondern von den Süßigkeiten die ich in mich hineingestopft habe um die Löcher in der Seele zu füllen.

Was für einen Preis haben wir bezahlt dafür dass Niemand gesehen hat was uns wirklich fehlt. Mangelnde Aufmerksamkeit  in verschiedenen Formen! Die erfolgreichen sie stehen im Rampenlicht! Die gesunden und die schönen! Körperlich gesund das war ich mal, schön vielleicht auch, aber wie es in meinem Kopf aussah sah keiner. Auch der Psychiater den ich wegen Depressionen und Schlafstörungen regelmäßig aufsuche.

Wir sind Beide erwachsen und tragen an der Verantwortung für unser Leben. Aber was sollten wir  tun wenn unser Leben kein Erfolg war. Da blieb nicht viel was trösten konnte, häufig waren es die starken Arme eines Falschen, und bei mir als Schwulen noch nicht einmal das. Die Schwulen die dies lesen werden wissen was ich damit meine. Versüßt hat mir das Leben Zucker wenn ich nur Bitterkeit gespürt habe. Und dann gibt es Leute die Menschen wie mir sagen ich solle keine Medikamente nehmen weil diese abhängig machen. Abhängig das bin ich schon. Und was ist mit denen die zu Cannabis, Nikotin oder Kokain greifen um sich gut zu fühlen. Aber wer weiss schon das man Ritalin erst  durch die Nase oder Intravenös einnehmen muss damit es berauscht. Und bei Medikinet das man Erwachsenen verschreibt ist ein Kaffeekränzchen berauschender als eine Überdosierung und Strattera das ich nehme macht überhaupt nicht abhängig. Nimmt man es oral ein räumt es  im wesentlichen das Gehirn auf. Und wir werden das was wir immer sein wollten, frei von dem was uns schädigt und krank macht. Und auch Frei dazu das zu  leisten wozu wir in der Lage sind es zu leisten. Und dann kommt der Erfolg der uns glücklich machen kann. Er kommt langsam, es ist der achtsame Blick beim überqueren der Straße, die vollendete Bastelarbeit oder die sinkenden Mahngebühren bei der Bibliothek er kommt und mit Hilfe und Unterstützung wird er mehr und bleibt. Ist das nicht schön?

Altkatholische Kirche – Demokratie steht schon im Namen

Viele Menschen die das erste mal  von der altkatholischen Kirche hören sind verwundert und irritiert insbesondere wenn sie dann noch erfahren dass es sich um eine katholische Reformkirche handelt.

Der Name alt-katholische bezieht sich dabei auf den Bezug auf die Organisation der ursprünglichen Kirche deren Beschlüsse in Glaubensfragen durch Konzilien entstanden sind.

Es gab immer wieder Reformbemühungen diese eher demokratische Form der Kirchenverfassung wieder aufzugreifen. Diese Strömungen stammten in der katholischen Kirche aus innerkirchlicher Sicht zeitlich aus den Zeiten des Barock und der späten Renaissance hauptsächlich aus Frankreich  und den Niederlanden aber auch  aus  Österreich und später auch aus Deutschland.

Als erste altkatholische Kirche hat sich das niederländische Bistum Utrecht abgespalten.

In Deutschland gründete sich die altkatholische Kirche 1871 aus Protest gegen das Dogma der Unfehlbarkeit des Pabstes.

Die Kirche ist bischöflich-synodal organisiert. Der Bischof hat eine Leitungsfunktion doch haben die Synoden, Gremien aus geistlichen und Laien einen großen Einfluß auf das kirchliche Leben.

Also wäre vielleicht konziliar-katholische oder synodal-katholisch ein treffender Name für die Kirche.

Die Bedrohung der Pegida Demonstration führt nur zu Boomerang-Reaktionen

Ich mache mir Sorgen um dass miteinander in diesem Staat. Wem soll man noch trauen? Mir scheint dass sich Konflikte zwischen muslimischen Einwanderern und christlicher Mehrheitsgesellschaft verschärfen. Ich habe Angst davor dass ein möglicher islamistischer Anschlag in Deutschland nicht nur beklagenswerte Opfer bringt, sondern dass es auch Gegengewalt geben wird.

In unserer Stadt Dortmund ist schon so viel schreckliches passiert, und die Leidtragenden waren muslimische Einwanderer und Demokraten. Mich macht es wütend dass Polizisten immer wieder Oper von Angriffen aus egal welchem Lager werden.

Ich wünsche mir so sehr dass dieser Ungeist der Intoleranz und des Hasses aus den Köpfen verschwindet. Ich wünsche mir so sehr dass wir ohne Angst miteinander Leben können.

In meinem Stadtviertel klappt dass ganz gut. Es gibt zum Beispiel ein Fußballspiel zwischen muslimischen Imamen und christlichen Pastören. Der Schiedsrichter ist immer ein Jude.

Ich wohne gerne in der Nordstadt, einem migrantisch geprägten Arbeiterstadtteil. Die meisten Muslime begegnen mir freundlich. Gerne mache ich meine kleinen Besorgungen in ihren Geschäften. Man sieht bei uns auch vermehrt Muslime in langen arabischen Gewändern und einige Frauen verschleiern sich auch ganz. Ich fühle mich sicher in diesem Stadtteil und habe mehr Angst vor dem mörderischen Verkehr auf der  Malinkrodtstraße als vor meinen muslimischen Nachbarn. Ich wünsche mir so sehr dass wir alle einander Vertrauen können. Das wir weiter friedlich miteinander Leben können. Das die Religionszugehörigkeit eines Menschen nicht mehr zur Beurteilung oder gar Verurteilung einer Person führt.

Ich mache mir manchmal auch Sorgen was die misionarische Tätigkeit von christlicher Seite im Stadtteil angeht. Ich selber gehöre keiner protestantischen Freikirche an, wie die Macher des Stern im Nordens. Sie kann man zu den fundamentalistischen Christen zählen. Doch wünsche  ich mir da auch Respekt und Toleranz, manchmal fehlt mir diese auch weil diese Gruppe ähnlich intolerant ist wie es einige konservative Muslime sind.

Doch müssen wir einander mit Respekt und Toleranz begegnen. Manches ist für uns schwer verständlich und einiges sicher auch eine Provokation, doch einiges müssen  wir auch aushalten.

Klar bin ich für die Meinungsfreiheit. Doch hat ein Kabarettist im öffentlichen Fernsehen eine interessante Frage gestellt. Satire sollte alles dürfen, aber muss sie denn alles tun?

Ob wir immer den Spielraum der Toleranz ausreizen müssen  ist hier die Frage. Ich denke manchmal  ist der Spielraum da sehr klein, und die Grenze zwischen Satire und purer Provokation eng. Doch nichts rechtfertigt den Mord. Es gibt gläubige Muslime die glauben dass sich solche Provokatuere selber bestrafen, und diese Sichtweise gefällt mir.

Das sie Gott die Entscheidung darüber überlassen. Vielleicht ist das eine hilfreicher Gedanke für Muslime die sich mit dieser Art der Freiheit nicht anfreunden können.

Ich bete zu Gott das er die Hand über uns hält – und dass er unsere Mitbürger davor bewahrt uns in seinem Namen zu versündigen. Ich hoffe dass dies nicht geschehen wird in unserem Land. Ich wäre glücklich wenn sich diese Hoffnung bewahrheitet.

Warum ist Schulaufklärung über Genderfragen so wichtig?

Kinder sind grausam, wie Erwachsene auch, nur manchmal schlimmer. Homosexuelle Jugendliche leiden unter Ausgrenzung. Dies kann schon in der Grundschule der Fall sein.

Sexualität sollte im Grundschulalter keine Rolle spielen. Im Grunde tut sie es doch. Prähomosexuelle Kinder fallen durch abweichendes Rollenverhalten auf. Sie mögen andere Spiele und haben eher Freunde in gegengeschlechtlichen Kindern.

Auch ich habe als Kind zum Beispiel auch mit Puppen gespielt und im Grundschulalter auch gehäkelt und da schon ein Doppelleben geführt. Ich erinnere mich noch das ich in der Grundschule malen sollte was ich mir zu Weihnachten wünsche. Ich malte ein Gewehr weil  ich es für besonders männlich hielt, in Wirklichkeit war es wohl ein Puppenküche.

Als ich noch ein Kleinkind war, nannte mich ein Verwandter „Tigelek“ was auf masurisch so viel wie kleiner Kochtopf hieß. Ich spielte damals schon mit Kochgeschirr für Puppen und ich war glaube ich da 3 Jahre alt. Das erste Weihnachtsgeschenke war damals Kochgeschirr für Puppen doch eine Küche dafür fehlte mir lange.

Deswegen geht es mir auch besonders Nahe wenn es um das  Thema Gender, also soziales Geschlecht geht. Ich  nehme mich schon als Mann wahr doch lebe ich ein alternatives männliches Rollenmodell. Nach wie vor bin ich  in meiner Beziehung für das Kochen zuständig und häkeln tue ich immer noch gerne. Also das wächst sich nicht unbedingt raus.

Kinder erfahren mitllerweile viel mehr über alternative Rollenmodelle oder auch über verschiedene sexuelle Identitäten. Doch dass was ihnen Eltern erklären hat auch nur etwas mit verinnerlichten Klischees zu tun. Und meistens sind es negative Klischees.

Das bekommen Kinder schnell zu spüren. JedesVerhalten was als unmännlich gilt wird als schwul bezeichnet, dies kann mitunter auch heterosexuelle Jungs treffen die sensibel wirken. Nach wie vor ist homosexuell zu sein ein  Stigma genauso wie ein alternatives Geschlechtsrollenverhalten zu zeigen. Rollenverhalten hat aber nicht immer etwas mit sexuelle Identität zu tun. Sportliche Mädchen können burschikos wirken, müssen aber nicht lesbisch sein genauso wie sensible Jungs als schwul wahrgenommen werden können ohne es tatsächlich zu sein. Doch diese Schere im Kopf haben schon kleine Kinder und so geschehen Dinge in deutschen Klassenzimmern die sehr verletzend sind.

Mobbing kam vor und ich habe es als sehr anstrengend und verletzend erlebt. Da ich mich wegen meiner stillen einzelgängerischen Art kaum wehren konnte wurde ich daher auch häufiger zur Zielscheibe von Mobbing. Ich erinnere mich sogar dass meine Mutter da einen Brief an die Direktorin der Schule schreiben mußte weil ich so häufig zu Hause weinte. Das hatte sicher noch andere Gründe wie etwa das hypoaktive ADHS durch dass ich mich nicht so gut wehren konnte, doch  ist die Schulzeit nicht unbedingt eine Zeit an die ich mich gerne erinnere.

Sicher hätte es geholfen wenn ich so akzeptiert worden wäre wie ich bin. Obwohl ich auf eine gute Grundschule gegangen bin hatte ich Schwierigkeiten. Wie geht es erst dann prähomosexuellen Kindern an anderen Schulen.

So wie wir über Schwangerschaft und Geburt aufgeklärt wurden, würde ich mir eine Stunde wünschen in der über Geschlechtsrollenklischees gesprochen wird. Und da kann die Spanne sehr weit sein. Das wissen Kinder auch instinktiv, doch sie bewerten es immer als andersartig und mobben Kinder die durch ihr Verhalten von der Norm abweichen. Und das kann in einigen Fällen tatsächlich traumatisierend sein wenn dieses Mobbing sich durch das ganze Leben hindurchzieht.

Wenn sie sogar in ihrer homosexuellen Subkultur oder auch als Erwachsene von anderen Männern gedemütigt werden. Ich erinnere mich an einen Vorfall dass mich ein Ledermann in einer Kneipe auf einen Kontaktversuch als „Votze“ beschimpfte da ich ihm als zu „weiblich“ galt. Es gibt viele homosexuelle Männer und sicher auch einige Frauen die verinnerlichten Hass auf sich selbst haben und daher andere ausgrenzen.  Und das muss nicht sein!! Je früher kommuniziert wird dass es verschiedene Arten von Männlichkeit und Weiblichkeit es gibt desto besser! Und darum geht es beim Thema Gender.