Wollen wir Krieg überwinden müssen wir Liebe kultivieren

Gerade habe ich einen interessanten Artikel über den Zusammenhang von Sexualität, Zärtlichkeit und Gewaltfreiheit gelesen. An der alten Hippiethese „Make love not war“ ist wohl mehr wahres dran als man vermuten könnte.

Es gibt wissenschaftliche Erkenntnisse aus mehreren Wissenschaftsfeldern die darauf hindeuten das Kulturen in denen Sexualität frei gelebt wird und in denen Eltern zärtlich mit ihren Kindern umgehen, also viel Körperkontakt mit ihnen haben dazu führt das die Kinder im Erwachsenenalter weniger häufig Gewalttätig sind.

Es ist wohl auffällig das Gewalttäter überdurchschnittlich häufig aus zerrütteten Familienverhältnissen kommen. Mangelnde Berührung in Form von Umarmungen oder Streicheln füht auch zur seelischen Verwahllosung, ähnlich wie fehlende Werte und Normen.

Was die Freiheit im sexuellen Bereich angeht da ist die katholische Kirche ein gutes Besipiel. Wie viel Gewalt an Kindern wurde von Priestern geübt die keine Partnerschaft und daher auch keine Sexualität habe dürfen. Nicht nur sexuelle Gewalt wird dadurch befördert das wir lieblos und somit „unzärtlich“ miteinander umgehen sondern auch gewöhnliche körperliche Gewalt.

Ich denke ein Element  muss noch erwähnt werden.  Der Wettbewerbsgedanke und unsere Vorstellungen von Männlichkeit.  Noch immer bedeutet das wenn ein Mann stark ist körperliche und soziale Durchsetzungsfähigkeit. Die Möglichkeit des Kompromißes wird häufig als Niederlage gesehen. Brauchen wir mehr väterliche Männer als Helden.

Es ist schon merkwürdig das wir Zärtlichkeit mit Mütterlichkeit verbinden aber nie mit Väterlichkeit. Ich denke das dies ein großes Problem ist. Das Männer nicht Väter sein dürfen. Das es als unmännlich gilt wenn ein Mann einen Kinderwagen durch die Stadt schiebt. Bei alten Männern ist das ein wenig anders. Ältere Männer werden schon alleine durch die Hormonumstellung sanfter und zärtlicher. Wäre das aber ein geforderter sozialer Wert das auch jüngere Männer väterliche Seiten zeigen dann wäre unsere Welt eine andere und wahrscheinlich eine gewaltfreiere.

Kindliche Geschlechtsidentitätsstörung

Es gibt mitunter bei einigen Eltern die Annahme das Kinder mit gegengeschlechtlichem Verhalten psychologische Hilfe brauchen und das immer und pauschal, da eine Transidentität bestehen könnte.

Ich halte diese Haltung für sehr problematisch. Zum einen pathologisiert diese Einstellung gegengeschlechtliches Verhalten von Kindern pauschal, das andere  Ursachen haben kann als eine mögliche  Transidentität oder Intersexualität. Prehomosexuelle Jungs und Mädchen würden dann pauschal einem „Transscreening“ ausgesetzt was ich für sehr problematisch finde. Zum anderen finde ich es besser wenn die Akzeptanz für Menschen die nicht den  gängigen optischen und verhaltensmäßigen Erwartungen einer binär geschlechtlichen Welt nicht entsprechen größer wird.

Ich finde es z. B. gut wenn es mehr Transidentische und intersexuelle Fotomodelle geben würde. Das Transidentische Menschen vermehrt in den Medien in normalen Situationen erscheinen. Selbst im konservativen Polen hat es eine Transfrau geschafft in den Sejm gewählt zu werden.  Wenn es mehr Transmenschen in öffentlichen Ämtern geben würd, und wir uns einfach daran gewöhnen würden, das es mehr als nur Mann und Frau gibt und dass das nicht nur o. k. ist, sondern schön oder sogar sexy. Es kann nicht sein das  erwachsene Menschen sich dafür schämen müssen wenn sie eine Transfrau oder einen Transmann lieben, und sich nach ihrer sexuellen Orientierung fragen  lassen müssen.

Auch das die  Kirchen ihre Haltung zur Transidentität überdenken. Es gibt auch Bibelstellen die Transvestitismus verbieten. Dies ist kränkend und entspricht nicht dem was Gott und die Natur uns schenkt, das wir vielfältig sind und liebenswert. Viele glauben das wir uns zum Teil selbst erfinden können, aber bei Transmenschen ist dies nicht der Fall. Sie würden sich ansonsten nicht so sehr operativ verstümmeln lassen. Ich fände es auch nicht schlimm wenn eine Frau auch mal einen Penis haben dürfte und ein  Mann eine Vagina. Viele alte Kulturen kennen mehr als ein Geschlecht. Warum muss unsere Welt binär sein wenn Menschliches Leben vielfältig ist. Neulich habe ich etwas über die Bugis auf Sulawesi gelesen. Sie sind ein Volk von 5 Millionen Menschen. Dort kennt man ähnlich wie bei den Indianern nicht nur 4  sondern  5 Geschlechter. Eine Gruppe zu den üblichen zwei biologischen Geschlechtern sind Transvestitten beiderlei Geschlechts, das 5. Geschlecht sind Intersexuelle die sogar das Priestamt ausüben. Die Bugis sind übrigens Muslime doch hat ihre Religion auch hinduistische als auch ältere kulturelle Wurzeln. Viele archaische Kulturen kennen mehrere Geschlechter. In der westlichen Welt ist Queer ein ähnliches Konzept. Und das finde ich mir wünschenswerter als Menschen zu zwingen eine Norm zu erfüllen die sie nie erreichen. Das ist grausam und ausgrenzend.

Da muss mehr drin sein, für uns alle.

Mangel an Demokratie in der katholischen Kirche

Heute sprach ich mit meiner noch römisch-katholischen Mutter über ihre  Kirche. Sie frustriert den mangelhaften Respekt der Kirchenoberen gegenüber den Laien. Auch die Willkür mit der  die Kirche oft Entscheidungen  von großer Tragweite trifft, beklagte sie sehr.

Ihre Gemeinde wurde in einem größeren Pastoralverbund eingegliedert. Dabei wurden auch gleich die Beiden sehr beliebten Priester ausgetauscht.

Unterschriftsaktionen und Protestbriefe an den  Paderborner Bischof brachten nichts

Die Menschen  haben sich arrangiert mit der Situation aber ganz zufrieden sind die Gemeindemitglider damit nicht.

In der altkatholischen Kirche zu der ich gehöre ist das anders. Sie ist bischöflich/ Synodal organisiert. Der Bischof steht zwar an der Spitze der Kirche doch haben auch Synoden aus Laien und Priestern großen Einfluss auf alle innerkirchlichen Fragen.

Im Fall von Personalentscheidungen sind die Gemeinden selbstständig und der Priester bewirbt sich förmlich beim Gemeindevorstand. Nur in Notfällen kann der  Bischof einen Priester der Gemeinde zuweisen.

Das führt auch zu mehr Konsens was Entscheidungen angeht. Auch was den Erwerb von Immobilien angeht   ist die Gemeinde selbstständig. Im Moment ist sie in Dortmund auf der Suche nach einem neuen Gotteshaus für die wachsende Gemeinde, da die kleine Hauskapelle für ein größeres Wachstum nicht genug Raum bietet.

Finanziert wird dieses Gebäude durch einen Founds des Bistums auf Antrag.

Das Unfehlbarkeitsdogma des Pabestes war ein Grund für die Abspaltung der Altkatholiken.

In der römischen Kirche gilt immer noch das der Priester das letzte Wort in vielen Entscheidungen als Ortspabst hat. Dies ist nicht mehr zeitgemäß und wie ich finde auch eine Beschneidung der Rechte von Laiengremien die ebenfalls zumindest in alltäglichen Dingen Kompetenzen und Erfahrungen haben.

Die Ferne der katholischen Priesterschaft zu den Gläubigen ist auch ein großes Problem für die Krise der großen Kirchen. Da ist das altkatholische bischöflich- synodale Modell eine wie ich finde besser  Lösung. Nicht nur die Fragen der überkommenen Moralvorstellungen sind ein Problem sondern auch ein Fehlen vom demokratischen Strukturen und dies passt wirklich nicht mehr in unsere Zeit.

Homosexualität ist keine Überzeugung sondern ein Persönlichkeitsmerkmal

Gerade habe ich den Film Another Country aus den 80er Jahren gesehen. Er schildert sehr frei die Internatszeit des jungen Guy Burgess,  eines schwulen, kommunistischen Doppelagenten in den  30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Im Film wird deutlich das manifeste Homosexualität nichts mit der Zwangshomosexualität im Internat zu tun hat. Das dabei nicht nur reine Triebabfuhr sondern Gefühle eine Rolle spielen.

Für viele Menschen besonders aus dem chrsitstlichen Lager ist Homosexualität nur eine Überzeugung  oder vielleicht noch eine Schwäche. Eine Überzeugung kann man  ablegen, manifeste Homosexualität nicht. Es ist ein Persönlichkeitsmerkmal das die meisten Träger ihr Leben lang beibehalten.

Etwa 3 Prozent aller Menschen sind manifest homosexuell. Die Gruppe der Bisexuellen ist wahrscheinlich größer.

Das Homosexuelle einen  anderen Lebensstil führen hängt mit der Jahrtausende währenden Diskriminierung zusammen. Sie ist eng verbunden mit unserer patrialchialen Gesellschaftsordnung und den Tabus der monotheistischen Religionen, Islam, Juden- und Christentum.

Die Zeiten haben sich geändert. Homosexuelle Handlungen sind nicht mehr strafbar. In Deutschland waren sie es  für Erwachsene noch bis ins Jahr 1969. Die eingetragene Partnerschaft für Homosexuelle gibt es etwa ein Jahrzehnt.

Doch ist die Ausgrenzung von Homosexuellen immer noch Alltag. Nur wenige Paare zeigen ihre Liebe öffentlich durch etwa Hand in  Hand gehen, auch in Großstädten.

Nach wie vor sind Homos ganz amüsant, aber richtig heiraten sollen sie doch besser nicht, denken viele.

Auch unter Homosexuellen ist der Selbsthass sehr verbreitet. Jeder der zu klischeehaft ist wird von einigen ewig gestrigen gehasst wie von der übrigen Gesellschaft auch.

Es ist frustrierend solche Blog-Post´s  im 21. Jahrhundert schreiben zu müssen, doch ist Deutschland nicht so lieberal wie man immer zu glauben mag.

Wir Schwulen und auch die Lesben haben es immer noch schwer nicht nur Toleranz sondern auch Akzeptanz zu finden.

In Gelsenkirchen wurde vor einiger Zeit ein junger schwuler Mann Opfer einer Homophoben Attacke. Dieser Gewaltakt hatte derart schwere Folgen das er wegen eines Psychotraumatas im Rollstuhl sitzen muss.

Es ist derart verletzend und entwürdigend wenn man sich immer für etwas rechtfertigen muss was für alle anderen selbstverständlich ist. Das man sich und das was einen  Ausmacht immer in Frage stellen muss. So ein Gewaltakt rüttelt derart stark an der eigenen Identität das man nicht mehr den Mut findet aufzustehen.

Die Selbstmordrate unter Homosexuellen ist 4 bis 5 mal höher als in der Gesamtbevölkerung. Angsterkrankungen, Depressionen, Alkoholismus und Drogenmissbrauch sind weitere Folgen von Diskriminierungen die Schwule, Lesben  aber auch Transgender erfahren.

Niemand denkt darüber nach wie verletzend z. B. neugierige Fragen über die sexuelle Rolle der Betroffenen oder anzügliche Witze sind.

Die Propaganda der evangelikalen Christen ist zutiefst unchristlich. Christus hat Aussätzige besucht und sie geheilt. Aussatz galt als die Strafe Gottes für Sünden, ähnlich wie Aids in Konservativen christlichen Kreisen gesehen wird.

Konservative Christen Instrumentalisieren Sexualität durch ihre Moralvorstellungen als Mittel der Macht um Menschen zu demütigen und ausgrenzend. Sexualität und Begehren ist zutiefst menschlich. Doch evangelikale und römisch katholische Christen leugnen dies.

Kann Gott so naiv sein. Wenn er begehren in uns anlegt das er uns so kasteit. Hier ist nicht Gott der dies fordert , es sind die Menschen die keine Gnade sehen. Und die Geschichten um  eine Stadt Sodom so ernst nehmen wie die Tatsache das unser Gott  ein liebender ist. Und das König David bisexuell war und die   Liebe Jonathans höher Pries als die der Frauen.

Was ist die größere Sünde. Zu lieben oder Unmenschliches zu fordern.

Strickende Männer

Mein Bruder Andreas und ich sind ursprünglich auf eine Hauptschule gegangen. Dort hatten wir auch Textilverarbeitung. Mein Bruder ist sieben Jahre älter als ich und mußte häkeln lernen. Meine Mutter übte mit ihm das Häkeln und ich übte es mit und erlernte es dadurch. Später lernte ich in der Schule stricken.

Während einer psychsichen Krise bei der ich auch stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mußte strickte ich zur Entspannung in der Beschäftigungstherapie.

Männer haben eigentlich schon immer gestrickt. In den 80er Jahren in denen ich aufwuchs waren es die „Öko-Männer“. Im Mittelalter gab es richtige Zünfte für die Strumpfstricker. Die Schafhirten strickten bei ihren Herden und den Kölner Stadtsoldaten wurde es sogar verboten bei der Wache zu stricken.

Heute ist häkeln bei Männern wieder in. Das liegt an den Jungs von My Boshi und ihren Büchern.

Früher habe ich auch in der Bahn und im Bus gestrickt und gehäkelt. Nach dem ein Mann in arabsicher Kleidung vor mir ausgespuckt hat tue ich das nicht mehr. Ausgelacht werde ich selten. Eine arabsiche Frau in einem Gemüseladen bei mir im Stadtteil lobte mich auch direkt für mein Stricken. Meistens ist das Feed Back gut auch von Männern oder zumindest neutral.

Lange Zeit habe ich   Mützen gehäkelt und vor einer Weile ist eine Strickjacke fertig geworden. Ich finde es schade das es nur wenige Anleitungen für Herrenpullover gibt, und wenn ja muss ich sie umrechnen weil ich eine Übergröße trage.

Stricken entspannt mich ungemein. Einige Wissenschaftler behaupten es wirke so wie Yoga.

Was bedeutet schwul sein für mich?

Ist schwul sein mehr als das man als Mann mit einem Mann Sexualität lebt. Es gibt sicher manche Männer die ihre Sexualität von dem Rest der Persönlichkeit abtrennen. Die nur heimlich schwul sind und ansonsten eine Heteroidentität haben. Also ungeoutet sind.

Ich habe den Eindruck das für mich Schwulsein auch eine Form der psychischen Intersexualität ist. Ich bin sowohl Mann als auch Frau, aktiv und passiv. Ich glaube dass meine Persönlichkeit durchaus ambivalent ist und zwischen den Rollen pendelt.

Ich halte dies nicht für ein ausschließlich schwules Phänomen, nur das es bei vielen Schwulen besonders stark ausgeprägt ist. Die Anforderungen an uns sind auch größer und die zu erwartenden Rollen in uns zu erfüllen ist ein Drahtseilakt in uns.

Ermöglicht hat uns diese Rollen in uns zu verbinden.,die Emanzipation der Frauen. Noch  bis in die 70er Jahre hinein lebten Schwule und sicher auch Lesben die Rollenmodelle der Heterosexuellen und in den Ländern der 3. Welt tun es Schwule und Lesben immer noch. Das heißt Tunte liebt Kerl und kesser Vater die Femmes.

Dieses Problem dieser Ambiguität unserer Rolle müssen wir alle für uns lösen um glückliche Menschen zu sein. Klar ich bin gerne eine Tucke die strickt und kocht aber ich mache auch Gartenarbeit und baue Möbel zusammen. Im Bett bin ich sogar ausschließlich aktiv. Mein Gatte ist technisch versiert aber auch gerne  passiv.

Schwule Männer die mit ihrem Coming Out Probleme haben, haben auch automatisch ein Problem mit ihrem Selbstverständniß. Sie wollen straight wirken wozu auch eine männliche Rollenidentität gehört. Dies kann für Sie aber nicht in eine glückliche Beziehung führen, nicht zu Anderen und ihren Partnern. Keiner wird glücklich mit Ihnen da  sie ihre eigenen Wiedersprüche nicht vereinen können die zu  einem Coming Out führt.

Denn die Ambiguität der Heterosexuellen wollen sie nicht  Leben. Also sich vielleicht eine Tunte als Partner suchen, weil sie diese Hassen. Doch mit einem männlichen Gegenpart werden sie ja auch nicht glücklich weil das ebenfalls ihren Wertvorstellungen wiederspricht.

Sicher gibt es auch Männerpaare die eine eher kumpelhafte Beziehung miteinander haben. Doch bleibt das doch sehr oberflächlich, ich bin mir nicht sicher ob da von Liebe gesprochen werden kann. Sie sind dann Homosexuell aber nicht Homophil.

Das erklärt zum Beispiel auch die Homosexuellen Männer in Rechten politischen Parteien. Sie sind homosexuell, das heißt sie haben Sex mit Männern, aber eine Liebe oder gar eine Beziehung zu führen, dazu sind sie nicht in der Lage.

Wir müssen beide Anteile in uns Leben die männlichen und die weiblichen um Glückliche Menschen zu sein. Und das ist für uns alle eine Form des Aushandelns von Mensch zu Mensch und Beziehung zu Beziehung.

Also bedeutet für mich Schwulsein das ich im Grunde immer zwischen den Sphären der Geschlechter pendele je nach dem welche Rolle ich in dem Moment ausübe.  Ob als Kollege, Geliebter oder Patenonkel das bedeutet für mich Schwulsein.