Neonazis stürmenn das Dortmunder Rathaus

Nach wie vor schockiert mich die rechte Gewalt in unserer Stadt. Am Sonntag wurde die Wahlparty im Rathaus von rechten Schlägern bedroht und Nazigegner wurden verletzt. Polizeiliche Vorkehrungen gab es aus meiner Sicht nicht genug. Es ist beschähmend das Dortmund wieder einmal in den Schlagzeilen bezüglich rechter Gewalt ist.

Dabei war die Ermordung vonn Mehmet Kubasik etwa nur die Spitze des Eisberges. Auch davor gab es schon rechte Gewalt. Für mich ist es nur schwer verständlich dass der Rat und unsere Polizei nicht Herr der Lage werden.

Die personellen Querelen um das Opferprojekt Back Up sind ebenfalls Dinge die dem Ruf unserer Stadt schaden. Mein Eindruck ist das man zu  lange diesen braunen Sumpf ignoriert hat so das er schwer beherrschbar wurde.

Doch gibt es positive Entwicklungen die auch nicht unerwähnt bleiben dürfen auch wenn sie angesichts des letzten Ereignisses nur ein schwacher Trost sind. Mein Eindruck ist schon dass es ein  Bewußtsein für das   Naziproblem in der Stadtgesellschaft gibt.

Das z. B. der BVB auch Stellung zu den rechten Ultra Fans bezieht und sich distanziert. Viele von uns Dortmundern schockiert diese Gewalt und ich bin froh über die vielen mutigen Menschen die sich den Rechten im Rathaus in den Weg gestellt haben.

Ich möchte mich bei allen Bedanken die im Rathaus waren und „Kante“ gezeigt haben gegen die Rechten Störenfriede und Gewalttäter.

Und ich freue mich darüber das ich an der richtigen Stelle am Sonntag das Kreuz gemacht habe und Daniela Schneckenburger meine Heldin des Tages zusammen mir anderen Antifaschisten ist. Das es immer noch genug Menschen in Dortmund gibt die unsere Demokratie  wichtig ist. Und das läßt mich eindeutig auch hoffen.

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Der Dortmunder Borsigplatz ein problematisches Stadtviertel?

Häufig ärgere ich mich über die lauten Nachbarn vom anderen Hinterhof. Darunter sind auch Alkoholiker und Drogenabhängige.

Die Hinterhöfe sind sehr klein so dass jeder Laut durch die Enge wie durch einen Schalltrichter verstärkt wird. Und Bitten um Ruhe werden ignoriert, an eingen Tagen etwa in der  Nacht zum ersten Mai war die Nachtruhe  nach 3 Uhr nur duch die Polizei durchzusetzen.

Ich bezeichne auch diese Haus auch häufiger als das Flodder-Haus nebenan, angelehnt an die niederländische Fernsehserie die Flodders wo es auch um  eine nicht zu intergriende Familie in einer bürgerlichen Nachbarschaft ging. Die Nordstadt ist nicht bürgerlich, hin und wieder schon, aber das ist auch eine Facette die schön ist. Die Nordstadt und mit ihr das Borsgiplatzviertel ist bunt und häufig auch schwarz-gelb und das ist manchmal sogar erfrischend schön. Die Menschen in der Nordstadt haben viele Kinder und über die Geräusche und Ausdrucksformen kindlicher Ausgelassenheit, an denen erfreue ich mich jeden Tag beim vorbeigehen an der Grundschule. Die Nachbarn über mir sind  indische Studenten. Sie machen selten Lärm und eher Musik wenn sie feiern und man gehört den Klang einer Akustikgitarre und Livegesang.

Der Inhaber vom türkischen Lebensmittelladen und sein Sohn sind alles andere als typische türkische Machos, nein sie sind sehr nett und freundlich. Ich erinnere mich daran wo der Sohn des Inhabers, der Mann ist so in den 30ern, sogar raus kam um eine Katze in einem Tragekorb zu bewundern. Das sind die schönen Momente in der Nordstadt. Das größte Problem hier sind nicht die vielen Zuwanderer sondern ist die Arbeitslosigkeit. Hier legen viele Menschen ihr Geld in Hochprozentiges an, und meistens liegt es an der Resignation und Langeweile die die Arbeitslosigkeit mit sich bringt. Aber Alkoholiker sind meistens Christen, denn die Muslime im Stadteil sind meistens abstinent da Alkohol trinken Sünde ist. Salafisten  gibt es wohl auch bei uns, nur sind sie wif ich aus dem Fernsehen erfuhr weniger millitant als wo anders.

Die Künstlerszene unserer Umgebung hat im Kunstkaufkaus „Concordia“ sein Schaufenster und Vertriebspunkt. Es sind alte Bekannte die man dort sieht, alles Menschen „von Hier“ wie man bei uns sagt.

Und das Stadtviertel hat Potential da es an das riesige Westfalenhüttengelände grenzt. Wo früher tausende gearbeitet haben gibt es versuche diese Brache als Logistikstandort und als Grünzug und Wohnstandort zu entwickeln. Doch ist der Erfolg bisher nicht sehr groß.

Die Dortmunder Nordstadt ist Opfer der Globalisierung, am Fleiß seiner Bewohner, insbesondere der zugewanderten liegt es nicht dass es mit dem Stadtteil nicht zum Besten steht. Doch sieht es im Ruhrgebiet besser aus als in anderen ehemaligen Montanregionen. Der Strukturwandel wurde hier besser verwirklicht als in Frankreich oder Mittelengland. Doch gibt es zu wenig Arbeitsplätze für geringqualifizierte und nicht jeder kommt bekanntlich als kleiner Einstein auf die Welt.

Industrie und bessere Bildung dass ist das was hier fehlt. Die Sozialarbeit lindert nur die schlimmsten Probleme, nur diese können vor Ort häufig nicht gelöst werden da zum einen Mittel fehlen und sich an der Gesamtsituation nicht genug ändert. Doch gibt es auch Lichtblicke wie die neuen Geschäfte an der Münsterstraße zwischen Unfallklinik und Lortzingstraße, ganz statisch ist auch die Situation in der   Nordstadt nicht.  Ich hoffe weiterhin auf die Entwicklung der Westfalenhütte und suche nach einem neuem Domizil für uns hier vor Ort – in der Nordstadt. Weiterlesen

Verletzungen innerhalb der Schwulenszene und die Folgen davon – meine Geschichte!

Es fällt mir schwer die Phase vor der wahnhaften Depression die ich mit 19 bekam nachzuvollziehen. Viele der Verletzungen von damals erscheinen mit nicht mehr als so dramatisch. Obwohl es sicher nicht angenehm ist von einem Ledermann als „Votze“ beschimpft zu werden als Antwort auf einen Kontaktversuch. Auch das einzelne mich damals als peinlich empfanden ,mit meiner hohen Sprechstimme, empfand ich zwar schon als dispektierlich doch habe ich es mit Fassung getragen.

Was mich verzweifeln ließ war die Ohnmacht der älteren Schwulen was ihre eigene Lebenssituation anging. Wie viel Einsamkeit und wie viel mangelnde Solidarität es dort gab. Wie schnell man aus dem Beuteschema fiel. Und dann fehlten da noch die positiven Rollenmodelle. Klar gab es feminin wirkende schwule Männer in meiner Umgebung doch ein Bänker der Travestie macht hatte mit mir nicht viel gemeinsam.

Er war viel Extrovertierter und Selbstbewußter als ich. Er war auch übringens einer der wenigen die sich bei  Ausgrenzungen  von feminin wirkenden Schwulen Männern solidarisch zeigte. Es war keine einzelne Verletzung oder eine einzelne Gruppe von Schwulen die anstrengend waren es war die gesamte Situation damals die einfach schwierig war.  Ich denke da nicht nur an mich selber sondern an viele der Beteilligten die auch im Alltag zu kämpfen hatten, nur auf anderer Ebene. Sicher hat meine Impulsivität durch das ADS und mein Passivität in Konflikten dazu beigetragen dass dies eskalierte.

So dass ich mit der Zeit Verfolgungsängste  und starke Agressionen entwickelt habe und mich dann irgendwann in  einem psychiatrischen Krankenhaus wiederfand.

Viele haben diese Reaktion damals nicht verstanden und dies auf innerfamiliäre Konflikte geschoben die es auch gab. Allerdings waren die Belastungen durch die Szene ebenfalls belastend und sogar ausschlaggebend für die Entwicklung der reaktiven Psychose die ich dadurch bekam. Es war ein Gefühl der Ohnmacht das mich irrational reagieren ließ.  Diese Dinge sind alle etwa  vor 20 Jahren geschehen. Doch beschäftigen sie mich heute noch.  Ich glaube ich habe lange Zeit hingenommen dass dies  einfach so ist.

Meine Gefühle als verrückt abgetan. Versucht zu verdrängen oder es auch nur verstandes gemäß zu bewerten. Doch schlummern diese Erfahrungen immer noch in mir und  bremsen mich in Konflikten aus. Auch wenn ich mir viele Freiräume erstritten habe.

Aber es war ein erstreiten und zu  oft habe ich resigniert und habe Orte und Menschen gemieden. Das ist eine traurige Geschichte nur ist sie sicher nicht untypisch für Außenseiter.

Die Homosexuellenszene und Transgender Menschen

Traditionell gibt es eine enge Verbindung von Homosexuellen- und Transsexuellen- bzw. politisch korrekt Transgenderszene.

In vielen Kulturen etwa der Dritten Welt leben Homosexuelle Männer als Transvestittten. Grund dafür ist die stark traditionellen Geschlechtsrollenmuster in diesen Ländern. In Europa ist dies dank der Frauen- und Schwulenbewegung anders.

Homosexuelle Männer kombinieren ihr Begehren das auf Männer ausgerichtet ist mit männlichen Rollenvorstellungen. Dies kann sehr unterschiedlich gestaltet sein. Es gibt da ein sehr breites Spektrum an Rollenbildern vom SM-Leder Macho oder seine Männlichkeit betonenenden Hip-Hopper und Alternativ Rock Liebhaber bis zum sensiblen Mann mit femininer Gestik und Mimik und exszentrischem Kleidungstil. Homosexuelle verstehen sich als Männer auch wenn sie manchmal einen exszentrischen Lebensstil pflegen.

Selten kann Homosexualität ein Zwischenschritt zum Transgender sein. Auch homosexuelle Transgender kommen vor. Also Männer die in Frauenkörpern geboren wurden und andere Männer begehren. Lesbische Transfrauen, also Frauen mit biologisch männlichem Körper und Ursprungsgeschlecht kommen sogar recht häufig vor. Verstehen sie sich als burschikose lesbische Frau, was unter lesbischen Frauen häufig ist haben sie wesentlich größere Identitätsprobleme als Männer liebende Transfrauen. Auch ist die Toleranz sowohl in der Schwulenszene als besonders auch in der  Lesbenszene gegenüber Transmenschen häufig auch nicht genügend vorhanden. Die Angst der  Lesbenszene besteht darin von Männern durch die Hintertür unterwandert zu werden.

Schwule Männer die sich als männlich wahrnehmen und mitunter vielleicht auch eine Macho Attitüde haben werten Transfrauen und auch feminin wirkende Männer häufig ab. Man kann schon davon sprechen das die Solidarität mit Transmenschen häufig brüchig ist.

Transmänner haben es häufig leichter da man ihnen ihre Vergangenheit als Frauen seltener ansieht. Es ist bedauerlich dass diese Solidarität derart brüchig ist da sowohl Homosexuelle als auch Transgender unter den gleichen oder ähnlichen Ausgrenzungsmustern leiden.

Bei vielen Homosexuellen die Transgender ablehnen spielt ein nicht bewältigtes Coming Out eine Rolle. Ähnliche wie homophobe Heteros sich durch die Abwertung Schwuler Männer ihre Männlichkeit vergewissern tun dies auch mitunter auch schwule Männer.

Doch scheint bei Beiden Heteros als auch schwulen Männern oder auch Transfrauen ausgrenzenden lesbischen Frauen die eigene sexuelle bzw. auch Geschlechtsrollenidentität nicht genügen gefestigt zu sein, so dass sie sich von alternativen  Männlichkeitsvorstellungen bzw. Weiblichkeitsvorstellungen in ihrer eigenen Rolle bedroht fühlen. In ihrer Rolle gefestigte Menschen  definieren sich nicht über Ausgrenzung sondern durch ihren Lebensstil.

Also ist Transphobie eine Folge von Frauenfeindlichkeit und brüchigem Selbstbewußtsein von Männern bzw auch lesbischen Frauen. Frauen haben es leichter alternative Geschlechtsrollenmodelle zu leben. Es gibt kaum herabsetzende Begriffe für burschikose Frauen und wenn klingen sie veraltet wie etwa kesser Vater oder Mannweib. Dagegen ist Tunte, Schwuchtel oder Tucke immer noch für einen Mann eine schwerwiegende Beleidigung.

Selbst ich ein femininer schwuler Mann habe manchmal auch Probleme mit einigen Ausdrucksformen schwuler Kultur und stehe ihnen mitunter kritisch entgegen. Mich stört an der Travestie etwa dass sie Frauen parodiert und sie durchaus auch deftig karikiert. Ich finde es auch nach wie  vor problematisch wenn sog. Crossdressern ( crossdressing – Tragen von Kleidung des anderen Geschlechts) in die Rolle des Clowns gezwungen werden. Sicher gibt es begabte Komiker und Komikerinnen unter Crossdressern wie etwa Olivia Jones doch finde ich es auch beschähmend, dass es für sie die einzige gesellschaftlich akzeptierte Freiraum ist die wir ihnen einräumen. Und einige Schwule Travestiekünstler treiben das vermeitlich lächerliche derart auf die Spitze dass es förmlich eine Form der Selbstdemütigung hat . Ansonsten freue ich mich häufig an der Buntheit der Rollenidentitäten und bin mit alternativen Geschlechtsrollenidentitäten solidarisch.

Einwanderung aus Südosteuropa

Das Thema der Armutseinwanderung aus Südosteuropa wird besonders von der politischen Rechten aufgegriffen. Insbesondere in Dortmund ist auch die Stimmung gegen die Einwanderung der Roma sehr stark.

An erster Stelle muss ich dabei an die besondere Geschichte des Ruhrgebiets erinnern. Migrationshintergrund haben hier viele Bürger.

Das Ruhrgebiet mit seiner früher prosperierenden Schwerindustrie und dem Bergbau zog schon immer Menschen aus entlegenen und oft strukturschwachen Regionen Deutschlands und Europas an. Die Gründe waren damals wie heute die Gleichen. Es ging um den Lebensunterhalt um nicht weniger und um nichts mehr.

Jetzt im Strukturwandel und bei der immer noch hohen Arbeitslosigkeit vergessen viele die eigene, häufig erfolgreiche Geschichte.

Die Neubürger aus Südosteuropa suchen zu allerst Arbeit um den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu verdienen. Und sie scheuen auch entwürdigende Arbeit nicht wie etwa die Prostitution um ihr  überleben zu sichern. In ihrer Heimat werden die Roma häufig diskriminiert, auch Pogrome also gewaltsame Ausschreitungen wo es zu Toten und Verletzen und Sachbeschädigungen kommt hat es in diesen Ländern in der Vergangeneheit wieder gegeben. Diese Vorkommnisse erinnern uns auch an unsere Geschichte und den eigenen Umgang mit Minderheiten unter der NS-Herrschaft. Wollen wir nun  ein zivilisiertes Land sein, dass auch  Minderheiten respektiert oder wollen wir zurück zu barbarischen Verhältnissen der NS-Diktatur, das wäre die notwendige Schlussfolgerung. Unsere Pflicht als Demokraten ist es uns für Minderheiten stark zu machen, vor Ort und in deren Heimat.

Wir leben in einer europäischen Gemeinschaft, auf einem Planeten. Wir Menschen sind gleich in unseren Bedürfnissen und auch was unsere Würde angeht. Keiner  von den Einwandern träumt  vom schnellen Geld, es geht immer nur darum in Würde zu leben. Und das heißt in Sicherheit und ohne Angst vor Hunger und Obdachlosigkeit. Das was wir den Menschen verweigern sind ihre grundlegenden von Geburt an bestehenden Menschenrechte. Und als religöser Mensch habe ich eine Verpflichtung dazu auf diese zu bestehen. Gott hat alle Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen und nicht nur uns in der Mitte Europas – und dem ist nichts weiter zuzufügen.

Zu Dortmund und den Nerds

Mein Nerd-Bashing tut mir jetzt schon wieder leid. Ich bin ja selber mit einem Nerd verpartnert. Allerdings hat die eher technische Ausrichtung der Dortmunder Uni auch Auswirkungen auf das Kulturleben.  Es ist sicher auch nicht verwunderlich das wir einen Medienkunstverein hier in der Stadt haben was ich durchaus als positiv ansehe. Doch ist Dortmund in vielerlei Hinsicht doch keine „richtige“ Metropole wenn man die Stadt etwa mit den  Großstädten des Rheinlandes vergleicht. Dafür ist Dortmund viel weltoffener als man es für Westfalen vermutet und die Dortmunder sind tatsächlich auch weniger stur und eigenbrödlerisch als die anderen Westfalen. Doch stimmen Klischees was typisch Dortmund und die Dortmunder angeht nie so ganz, dafür ist die Stadt zu multikulturell.

Im Ruhrgebiet gibt es keine Stadt die wirklich der Mittelpunkt der Region darstellt sondern es ist eher ein mehr polyzentrisches Gebilde.

Was man sowohl als positiv als auch negativ betrachten kann.  Von den Einrichtungen und Institutionen, kann man Dortmund schon  als Metropole betrachten. Wenn man Dortmund als Messestadt, als Verkehrsknoten oder auch als Forschungsstandort betrachtet.

Doch sind es eher die sog. weichen Standortfaktoren die diese Stadt weniger attraktiv erscheinen lassen. Dies lieg vor allem auch am noch nicht bewältigten Strukturwandel der die Stadt wirtschaftlich sehr einschränkt.  Für die wirtschaftliche Entwicklung bietet die TU mit ihrem Technologiezentrum wichtige  Impulse doch reicht Innovationskraft in einer globalen Welt alleine oft nicht aus.

Die fehlende Weitsicht der Wirtschaftsbosse und der Politiker der sog. Volksparteien und  ein Mangel an Nachhaltigkeit betrifft auch die Menschen hier im Revier. Was nützt dass das Mp3 Format eine deutsche Erfindung ist aber die Geräte die dieses Format nutzen etwa in Fernost produziert werden.

Technologisches Know-How reicht nicht immer aus um eine Gesellschaft voran zu bringen.Ein politischer Diskurs und auch Kenntnisse der Kultur sind genau so  wichtig wie technologische Exzellenz.

Daher finde ich es nach wie vor Schade das die Kultur- und Gesellschaftswissenschaften an der Dortmunder TU doch kein  so gutes Profil haben wie die anderer Universitäten dass ist  nicht nur für die Stadt bedauerlich sondern auch für die gesamte Region.

Und das wird meiner Meinung noch nicht richtig in der Stadt verstanden.

 

Metropole Dortmund?

Dortmund ist eindeutig eine Großstadt mit großer Bedeutung für ein weites Umfeld – Raumplaner sprechen hier von einem Oberzentrum.

Aber wie sieht es mit der tatsächlichen urbanen Lebensqualität in der größten Stadt Westfalens aus?

Meiner Meinung nach sehr mau! Der Dortmunder Westenhellweg als Haupteinkaufsstraße ist ähnlich austauschbar wie vergleichbare Straßen in anderen Städten dieser Größenordnung, doch ist der Filialisierungsgrad in Dortmund einer der höchsten. Es überwiegen die üblichen verdächtigen der Textilbranche, daran hat auch die neu errichtete Thier-Galerie nur wenig verändert.

Individuelle oder spezialisierte Geschäfte gibt es zwar doch sind sie an den Rand gedrängt in den Seitenstraßen zu finden. Auch ein pulsierendes Nachtleben fehlt im Vergleich zur Nachbarstadt Bochum eindeutig. Diskotheken gibt es zwar doch individuelle kleine Clubs sind sehr rar und eine Live Musikszene gibt es zwar doch fehlen hier die kleinen intimen Clubs und Hallen wie man sie aus „richtigen“ Metropolen kennt.  Buchläden mit Anspruch gibt es  innerhalb des Walls ebenfalls nicht obwohl Dortmund eine große Hochschulstadt ist mit Technischer Universität und mehrere Fachhochschulen.  Es ist das Studienfachangebot, das zu naturwissenschaftlich ausgereichtet ist das ein Hemmschuh für urbane Lebensqualität ist. Wer dei  TV-Serie Big-Bang-Therorie kennt wird verstehen welches Manko das für die Innovationskraft auf gesellschaftlichem Feld dies für die Stadt ist.

Die Dortmundern TU mit ihrem  Informatikschwerpunkt und den zahlreichen Ingenieursstudiengängen ist ein Tummelplatz der Nerds, die sicher liebenswert sein können aber nicht zur Belebung des sozialen Lebens unter Akademischen Nachwuchs und darüber hinaus bekannt sind.

Das hat tatsächlich Folgen nicht nur für Nachtleben und Buchhandel und ähnliche Geschäftsfelder.  Dies wirkt sich auch sehr weit in die gesamte Gesellschaft der Stadt aus. Wir haben tatsächlich eine Art „brain-draine“ im  Herzen Westfalens der Dortmund in vielen wichtigen Lebensbereichen abhängt. Soziale und ökologische Bewegungen haben es schwer in einer Stadt der Cyber-Autisten.

Wo Dortmund innovativ und neu war hat eine konservative Stadtpolitik die Ansätze fast völlig ausgelöscht z.  B. im Umgang mit der Straßenprostitutionsszene. Was Kaufkraft angeht hat Dortmund ebenfalls aufgrund seiner wirtschaftlichen Strukturschwäche kaum etwas zu bieten so zwangsläufig Tristesse in vielen der nördlichen Vororte regiert. Der Dortmunder Norden ist wirtschaftlich abgehängt. Neue Industriearbeitsplätze entstehen eher in den Technologiezentren des Dortmunder Südens. Das Westfalenhüttengelände, eine riesige Industriebrache verkommt zum Verschiebebahnhof für Güter außerhalb der Region uns soll verwiegend als Logistikstandort entwickelt werden.

Hier fehlt eindeutig die Weitsicht und Perspektive einer SPD geführten Stadtregierung die trotzdem in der Herzkammer der Sozialdemokratie damit rechnen kann jede Legislaturperiode wiedergewählt zu werden.

Metropole Dortmund – das ist gähnende Langeweille und sind prekäre Lebensverhältnisse anstatt urbaner Prosperität!!!

Der Bart von Conchita Wurst – oder das Gute am Androgynen

Conchita Wurst, eine Drag Queen mit Bart, vertritt Österreich beim diesjährigen Eurovision Song Contest (ESC).  Im ersten Moment war ich irritiert von ihr und auch etwas genervt, schon wieder so ein Paradiesvogel. Aber an der Stelle viel mir der Kontrast auf dass sie ja auch in Frauenkleidung zu ihrem bzw seinem männlichen Anteilen steht. Und das bewundere ich und finde es auch sehr gut. Sie erinnert mich an mein eigenes ambivalentes Verhältnis zur Rolle als Mann. Meine Stimme liegt auch eher im Altbereich als im Bariton den ich auch singen kann.

Im Grunde ist „Conchita Wurst“ eine extreme Ausprägung von Normalität. Jeder Mensch hat männliche und weibliche Anteile in sich.

Und was als männlich oder weiblich gilt definiert nicht so sehr unsere Biologie sondern unsere Kultur. Und da tut es gut wenn mit Klischees spielerisch umgegangen wird. Manchmal würde ich es mir wünschen wenn ich mich mit einem heterosexuellen männlichen BVB-Fan auch über Rosenpflege oder Kochrezepte reden könnte. Einige „normale“ Männer häkeln jetzt auch wieder dank der Anleitungen von den Jungs von „My Boshi“.

Wir sollten gelassener mit den Begriffen Männlichkeit und Weiblichkeit umgehen. Und eine Person wie Conchita Wurst fordert uns dazu gerade auf und das ist anzuerkennen.

Es ist jetzt 0.43 Conchita hat für ein tolerantes Europa gewonnen – herzlichen Glückwunsch kann ich da nur sagen.

Anne of Greengables und Winnetou Helden meiner Kindheit

Eine Verfilmung aus den 80er Jahren des Jugendromanes „Anne of Greengables“ hat mich als Kind besonders fasziniert. Wie leicht konnte ich mich mit dem verträumten Plappermaul identifizieren hatte ich doch auch als Junge im Grundschulalter doch viele Gemeinsamkeiten mit ihr.

Ich konnte auch schon immer reden wie gedruckt und vor allem wie eine Wasserfall. Und Anne lebte bei einem alten Geschwisterpaar auf einer Farm. Das tat ich auch bis zu meinem vierten Lebensjahr. Allerdings nicht in Canada auf Prince Edward Island sondern im Ermland was fast schon Masuren ist, aber nur fast.

Und meine ganze Kindheit über spielte ich Bauer. Nach wie  vor träume ich von Landwirtschaft aber eher im urbanen Rahmen. So ein Grabelandgarten mit Gemüsebeeten, Bauerngartenblumen wie Wicken, Ringelblumen und natürlich meine geliebten Nachtviolen und paar Hühnern.

Prince Edward Island ist auch so etwas wie meine Trauminsel. Mit seinen pinkfarbenen Stränden, der rostroten Erde und den zart blauen Lupinen an den Wegesrändern.

Da ich ja ein begnadeter Tagträumer bin träume ich häufig vom Leben auf PEI, wie die Einheimischen sagen. Und manchmal ärgere ich   Martin damit wenn mir etwas nicht passt, das ich mich scheiden lasse und einen  Indianer von der PEI heirate und dort hin  auswandere.

Und mit Indianern hatte ich es immer. Ich bin mit den Karl May Verfilmungen von Winnetou aufgewachsen. Und ich wollte nun wirklich nie einen Cowboy als Mann, immer einen Indianer. Nach wie vor gefallen mir auch Männer die lange, am Besten schwarze Haare haben.

Und wo bin ich als Erwachsener gelandet. In Dortmund am Borsigplatz und lebe mit einem Westfalen und eine alten und kranken Katze zusammen.

Aber den Roman Anne of Greengables habe ich jetzt als E-Book. Und ich bin bezaubert von den Naturbeschreibungen von Lucy Maud Montgomery. Der Frühlling auf PEI muss berauschend sein, mit den blühenden Kartolfelfeldern und Obstgärten, den Felsenbirnen und Acherglockenblumen. Kein  Werbetexter könnte es schöner beschreiben wie die Lokalpatriotin Lucy Maud Montgomery.

 

 

 

 

 

 

 

 

Schwul oder lesbisch sein im Alter

Älter werden ist für viele Menschen eine schwieriges und auch schmerzvolles Thema. In unserer Gesellschaft dominiert der Wunsch nach ewiger Jugend doch dies ist utopisch.

Für Schwule und Lesben bedeutet Alter häufig auch Einsamkeit. Und nicht in jeder größeren Stadt gibt es passende Angebote für ältere Schwule und Lesben.

Für Schwule Männer die nicht in einer Partnerschaft leben ist Einsamkeit noch viel schmerzlicher. Die Szene gibt alten schwulen Männern nur sehr wenige Freiräume. Doch finde ich es schön dass es z. B. auch bei uns in Dortmund auch Gruppen und Treffpunkte für ältere schwule Männer und lesbische Frauen gibt wo nicht das aufreißen im Mittelpunkt steht. Es gibt im KCR die Gruppe Gay und Grey, also schwul und grau für Männer die keine Boys mehr sein wollen und für lesbische Frauen „Lesbian Summer“ für Frauen über 40.

Auch Altenheime für Schwule Männer werden immer wieder geplant und auch realisiert. Auch in Dortmund gab es da ein Wohnprojekt das ich aber  aus den Augen verloren habe.

Was ich mir für mein Altsein wünschen würde ist das Gleiche wie jetzt. Das Martin und ich zusammen wohnen und leben können und das wir Möglichkeiten zur Begegnung mir Anderen  haben. Falls ich doch mal in 20 oder 30 Jahren verwitwe würde ich mir noch eine Partnerschaft wünschen. Ich würde mir wünschen das alte schwule Männer flexibler wären was die Vorlieben für jüngere Männer angeht. Einige älter
Männer gehen gerne deshalb noch in Bars wo auch Stricher verkehren,  was sie aber nur wenig von älteren Heteromännern unterscheidet die auch im hohen Alter noch junge Frauen mögen und daher auch häufiger Kunden von Prostituierten sind, was an sich nichts verwerfliches ist, so lange man dadurch  nicht auf eine Partnerschaft verzichtet weil man gleichaltrige als Partner ausschließt.. Doch an dieser Stelle ist der Jugendkult unserer Szene wirklich bitter. Glücklich sind dann Männer wie ich die so wieso ältere Männer bevorzugen. Manchmal denke ich dass mir auch ein Mann mit 70 noch gefallen würde. Ich glaube da bin ich wirklich die Ausnahme. Martin ist 13 Jahre älter als ich also 52. Alle Männer die ich liebte waren ungefähr so viel älter. O. K. ich mag halt väterliche Männer. Das heißt aber nicht das Martin vom Wesen her alt ist, eher im Gegenteil. Das liegt wohl daran dass er Programmierer ist und daher generell für Fortschritt nicht nur im technischen Bereich ist. Aber gemeinsam steinalt werden das   wünsche ich mir eindeutig am meisten.