Männer in Frauenkleidern

Es ist merkwürdig dass Männer in Frauenkleidern häufig als Lachnummer wahrgenommen werden. Travestie ist immer eine Form der Parodie und der Komik. Dagegen findet man Frauen in Männerkleidern seltner auf den Kleinkunstbühnen, obwohl sie genau so belustigend sind. Ich  habe bei einer CSD Veranstaltung eine Gruppe burschikoser lesbischer Mädchen gesehen die eine Boyband parodierten, mit laszivem Griff in den Schritt sorgten sie für alle Beteilligten für gute Laune und auch der härteste Ledermann mußte zumindest schmunzeln. Aber die Frau in  Männerkleidern scheint in einer patriarchialischen Gesellschaft wie in der unsrigen noch ein größeres Tabu zu sein, denn Männer mögen es nicht  wenn man sie auslacht.  Ein Mann darf seine weiblichen Seiten nicht zeigen. Daher haben es immer noch Transfrauen im Beruf schwer. Unbehagen beschleicht da viele Menschen wenn ein solcher Mensch etwa in der Gastronomie arbeitet.

Ein Mann in Frauenkleidern wird nur als Komiker toleriert. Und das ist sehr traurig, dass dies die einzige gesellschaftlich akzeptierte Form von Männerweiblichkeit ist. Mir als schwulen Mann erging es auch häufig so dass ich meine weiblichen Seiten ab der Pubertät verdrängen mußte. Teilweise auch in der Subkultur. Einen Mann mit weiblichen Zügen will keiner haben. Es ging sogar so weit dass ich wegen meiner hohen Stimmlage eine Logopädin aufsuchen mußte. Es gibt Orte die ich meiden muss deswegen. Ich besuche z. B. selten große Fastfoodketten. Da dort viele Jugendliche sitzen die Frotzeln könnten. Auch muslimische Männer kann ich nicht nach der Uhrzeit fragen, da sost Gelächter die  Antwort ist.

Es ist der Frauenhass den Männer verinnerlicht haben den sie auf die vermeintlichen Verräter mit weiblichen Zügen projezieren. Eine Frau bleibt auch in Jeans und Hemd eine Frau. Ein Mann definiert sich durch die Abgrenzung zur  Frau. Ist es nicht traurig das Männlichkeit nur sich durch eine Abgrenzung definiert? Wenn wir herunterbrechen würden was das Rollenverhalten von Männern und Frauen unterscheidet blieben nur Klischees und kulturelle Artefakte. Alle sind sie durch die Vormachtstellung von Männern in unserer Gesellschaft begründet. Sie weichen zwar immer mehr auf doch gelten sie noch immer für Jugendliche und Menschen aus anderen Kulturen als Orientierungshilfe. Also Jungs das einzige was euch Einmalig macht ist Euer Körper, aber warum muss in Eurem Kopf so viel Stroh sein? Ausgrenzung ist nicht klug und führt nur  zu     Leid. Vielleicht geht es auch deswegen in meinem Blog häufig um Ausgrenzung weil ich sie so häufig erfahren haben. Wir Tucken und die Frauen mögen Euch auch wenn ihr nicht jeden Tag Krieg spielt gegen Euch selber und die anderen. Vielleicht lieben wir Euch sogar mehr dadurch.  Ein Softie ist auch männlich, doch er hat es nicht nötig es immer und Beweis zu stellen. Machos sind demnach wohl weniger männlich weil sie es sonst nicht so häufig unter Beweis stellen müßten. Denkt doch mal drüber nach Männers!

My Luv`s a red red rose

Dieses schottische Volkslied finde ich sehr berührend.  Jedes mal wenn ich es höre bekomme ich Gänsehaut.  Die Version des Countertenors Andreas Scholl hat es mir sehr angetan. Countertenöre singen sehr hoch mit der sog. Kopfstimme. Die Stimmlage nennt man Falsett. Ich glaube das mir diese Version so gut gefällt ist dass ich selber eine sehr große Stimmbandbreite habe. Die tiefste Lage liegt bei mir im Baritonbereich in den hohen Lagen im Alt. Ein anderer Begriff für Contertenor ist Alto. Ich kann aber auch Bariton singen.

Im Kirchenchor in Lünen hat man mich in den Bass gesteckt, was mir keiner glauben will. Eigentlich wäre ich aber im Alt, der tiefen Frauenstimme besser aufgehoben. Countertnöre singen und  sprechen mit der Bruststimme in einer normalen männlichen Stimmlage.

Die hohen Töne gewinnen sie durch Technik. Bei mir ist dass Ausdruck meiner Persönlichkeit. Ich habe mal versucht meine Stimme durch eine logopädischen Behandlung zu verändern. Nur fehlte mir dazu die Motivation weil ich mich fremd fühlte mit einer tiefen Stimme. Dafür ernte ich Lob von Fran im Gottesdienst, wenn sie mich „Land der großen Sehnsucht“ singen hört da komme ich leicht in eine sehr hohe Altlage. Und sie hat ja Ihr Herz auf der  Zunge! Es ist aber sehr anstrengend und macht schnell heiser.  Vielleicht ist ja ein Countertenor an mir verloren gegangen.

Raus aus der Stadt – aufs Land in und um Dortmund!

Dortmund ist sehr zersiedelt und der Wunsch in’s Grüne zu fahren ohne in einen der beliebten Parks zu fahren oder gar an’s Wasser ist schwierig, aber nicht unmöglich. Das Wasser ist zusammen mit der Erde mein liebstes Element. Dass Dortmunds größter Fluss eine Abwasserkloake ist, stimmt zwischen Holzwickede und Deusen nicht mehr. So weit ich weiss begleitet die Emscher auch ein paralleler Geh- und Fahrradweg. Sie ist bei uns natürlich  noch kein richtiger Fluss sondern eher ein sehr starker, schnell Fließender Bach.

Auch Industriekultur und Natur lassen sich mit Wassererlebnissen verbinden. Eine Hafenrundfahrt bietet die Santa Monika Reederei undDortmund Tourismus einmal im Monat zwischen April und Oktober an. Aber ländliche  Idylle findet man nur noch selten. Der Weg lohnt sich an den Stadtrand in das hübsche historische Dorf Brechten dass von Feldern, Wiesen und Wäldern umgeben ist.

Historisches bietet Dortmund wenig. Aber eine Wanderung durch die Wälder des Dortmunder Westens z. B. vom Fredenbaumpark durch das Jungferntal bietet auch Sehenswehrte alte Schlößer wie etwa Schloss Bodelschwingh samt historischem Fachwerkdorf.

Das Wasserschloß Dellwig in Lüdgendortmund beherbergt auch ein kelines Heimatmuseum neben dem landwirtschaftlichen Betrieb und dem Park drumherum.

Es lohnt sich auch in Dortmund nach der Farbe grün zu suchen. Auch wenn dass immer wieder von Siedlungen und Straßen unterbrochen wird.

Dortmund ist grün, fast zu 50 Prozent und das  tröstet über so manche Bausünde oder verbaute Umgebung hinweg.

Liebe und Abenteuerlust

Heute habe ich einen Kollegen in der Bahn getroffen. Nach einer mehrjährigen Ehe lebt er als Mittvierziger in relativ lockeren Beziehungen die er als Freundschaft Plus bezeichnet. Er lebt  auch als heterosexueller Mann schon  immer seine Sexualität sehr freizügig.

Er war überrascht dass ich als ehemaliger Schwulenbewegter Aktivist in einer  eingetragenen Partnerschaft lebe. In meinem Fall habe ich einen  Teil meiner sexuellen Freiheit gegen Geborgenheit und Verlässlichkeit getauscht.  Martin und ich führen keine streng monogame Beziehung. Abenteuer außerhalb unserer Bezihung haben diese aber nie in Frage gestellt. Mich stört auch die Propagierung der Promiskuität in meiner Subkultur sehr.  Streng monogam zu leben ist schwierig, vielleicht ist treue bei uns mehr Loyalität als strenge Monogamie. Nach wie vor ist  promiskes Verhalten unter Schwulen Männern sehr verbreitet. Zum Teil  liegt es wohl auch an der Diskrimminierung dieser sexuellen Orientierung. Es ist häufig einfacher sich anonym z. B. in einer Kontaktsauna auszuleben als in einer öffentlichen Lebenspartnerschaft mit gemeinsamer Wohnung. Zum anderen habe ich oft den Eindruck dass viele schwule Männer auch so etwas wie ein  gefühlter Nachholbedarf nach ihrem Coming Out in die Saunen und Darkrooms bringt. Ich möchte hierbei aber auch  herausstellen dass Sexualität etwas schönes ist und auch zu einem gesunden Leben gehört. Wie sie gelebt wird hängt viel von den kulturellen Normen und dem eigenen Temperament ab. Doch habe ich häufig das Gefühl dass bei vielen Schwulen die Liebe zu kurz kommt. Ich denke dass das sich selber nicht angenommen fühlen auch dazu führt dass vielle vielleicht keine engeren Beziehung wünschen. Lust und Leidenschaft sind nicht immer an die Liebe gekoppelt doch fehlt dem promisken Abenteuer die seelische Tiefe und auch die  Zärtlichkeit. Zärtlichkeit ist so eine Gefühlsregung die Männer gerne verdrängen doch ist sie für seelische Ausgeglichenheit sehr wichtig. Es ist merkwürdig dass wenn in der Öffentlichkeit von Schwulen Männern gesprochen wird der Begriff „Homosexuell“ verwendet wird, bei der Praxis der weiblichen Homosexualität dagegen häufig von lesbischer Liebe.

Tatsächlich ist der Umgang von lesbischen Frauen mit Sexualität ein ganz anderer. Promiskuität ist seltner und feste Beziehungen häufiger. Aber warum müssen wir Männer immer noch unsere zärtlichen Gefühle negieren und Frauen ihre  Lust ignorieren.

Ich glaube dass dies Beides nicht gesund ist. Die Lust zu unterdrücken ist ein krankmachendes Verhalten, es sei den man heißt Edathy, und Liebe nicht  zu Leben auch. Dies ist ein Balance Akt und damit Erwachsen umzugehen ist eine Herausforderung für Jeden.

Wie in Allem muss Beides miteinander verbunden werden. Dies kann durch gelegentliche One Night Stand innerhalb einer offenen Beziehung geschehen oder durch ein polyamores Verhältnis wo man mehrere feste Partner hat. Glücklich sind die die in Ihrer monogamen Beziehung das prickeln erhalten. Bei Homosexuellen ist die Frage nach dem Lebensinhalt auch ein wichtiger. Einige bleiben ewige Teenager mit Undercut Frisur und tief liegender Jeans. Sexualität bleibt da häufig der einzige Lebensinhalt. Nicht für jeden ist die Adoption eines Kindes das richtige. Aber vielleicht ein ehrenamtliches Angament vielleicht auch innerhalb der Szene oder eine leidenschaftliches Hobby der Kontrapunkt zwischen Arbeit und Beziehungsalltag. Diese Aufgabe schaffen Heterosexuelle häufig besser.

Um auch in sexuellen Dingen glücklich zu werden gehört Reife – lassen wir sie doch mal einfach zu.

Westfalen ist eine merkwürdige Region

Ich finde das Westfalen eine merkwürdige Region ist. Als wäre sie immer historisch unbedeutend und Randstädig gewesen. Es gibt keine gotischen Kathedralen, Hallenkirchen sind hier typisch, keine prächtigen Residenzschlösser oder ähnliche  Anzeichen von historischer Bedeutung. Keiner der Flüße Westfalens hat als Wasserweg eine besondere Bedeutung. Die Ruhr hatte es nur kurzzeitig und die Lippe ebenfalls. Die Ems gibt nur einem Kanal ihren Namen der sie mit Dortmund verbindet. Es gibt kaum Alltagsprodukte die man kaufen kann für die Westfalen bekannt ist. Außer vielleicht Bier aus Warstein und Exportbier aus Dortmund. O.K. Spirtuosen aus Westfalen wie Steinhäger sind auch bekannt.

Manchmal finde ich das schon frustrierend dass Westfalen kaum Profil in Europa hat. Unsere Industrie war prägend, aber das ist Geschichte. Bei der Generation meiner Großeltern aus Ostpreußen war Westfalen Synonym für das Ruhrgebiet. Dort gab es Arbeit was es Vorort nicht gab. Vielleicht ist das multikulturelle ja das prägende für Westfalen. Und nicht eine reiche Geschichte. Und wer weiss schon das Nordkirchen ein Residenzschloss hat. In Paderborn das Deutsche Reich unter Karl den Großen gegründet wurde und die Klöster Corvey und Werden bedeutende Reichsstifte waren. Die Curry Wurst ist ein westfälisches Gericht, obwohl auch die Berliner Ansprüche auf das Patent erheben, so wird sie doch bei uns lieber gegessen. Und Pumpernickel ist der Inbegriff deutscher Brotkultur. Was so besonderes am westfälischen Schinken ist habe ich nie verstanden. Und Grünkohl kannten meine ostpreußischen Eltern nur als Viehfutter. Aber er schmeckt, der Grünkohl, besonders mit der dazugehörigen Mettwurst oder noch besser groben Bratwurst.

Anette von Droste-Hülshoff ist als Literatin der Region bekannt. Aber das Conrad von Soest, der bedeutende mittelalterliche Maler, Dortmunder war, wird kaum Jemand wissen. Rubens stammte aus Siegen, aber ist das noch Westfalen. Bei allem was ich aufgezählt habe bleibt doch noch Neid auf die Menschen am Rhein und an der See. Dabei ist das Weserbergland auch schön oder die Elfringhauser Schweiz oder nur die sanften Hügel der Lippe Höhen, nicht im Land  Lippe, sondern an dem ehemals schiffbaren Fluss.

Läßt sich Westfalen lieben?Manchamal! Der Westfale an sich auch. Mein Lebenspartner Martin ist Westfale, also so schlecht ist es hier dann doch nicht.