Biologie versus Sozialisation

Biologistische Erklärungsmodelle für das Verhalten von Menschen sind wieder modern. Ganz besonders auch die Thesen Sarrazins verunsichern und empören, und dass zu Recht.

Wir Menschen sind mehr als die Summe unserer Gene. Die Umwelteinflüsse, die Kultur, Familie und Religion bilden unsere  Persönlichkeit. Unser Gehirn verändert sich kontinuierlich mit dem was wir wahrnehmen. Ich als Betroffener des Aufmerksamkeits Defizit Syndroms, dass biologische Ursachen hat und angeboren ist, profitiere auch von Aufklärung und Verhlatensschulung. Natürlich brauche ich auch Medikamente, weil der Hirnstoffwechsel durch Verhaltenstherapie nur wenig beeinflußbar ist. Doch gibt es ADSler die  Trotz Erkrankung leistungsfähiger sind als ich, weil ihre Lebensbedingungen andere sind. Die ein ruhigeres, reizarmeres Umfeld haben oder früh Bewältigungsstrategien gelernt habe mit denen sie Unaufmerksamkeit und Impulisivität kompensieren.

Wir sind nicht nur  Körper sondern auch Geist. Und der Geist ist formbar. Vorurteile verschwinden durch wissen etwa. Hilflosigkeit verändert sich durch Wissen zu Kraft. Das Sarrazin vieles verkürzt und falsch interpretiert ist nicht nur ärgerlich, seine Thesen sind rassistisch weil sie den Gesellschaftlichen Status von Migranten , der auch durch Benachteilligung verursacht ist, durch die Biologie begründet.

Und Rassismus führt unweigerlich dazu dass wir selber Kulturell uns zurückentwickeln und damit jegliche Form der Gewalt und Ausgrenzung legitimiert wird. Die Wahrheit ist ja doch das auch genetische Vielfalt etwas positives ist. Wenn wir an den Antisemitismus denken, der mit solchen Klischees wie Judentum und Finanzwirtschaft argumentiert, vergißt den historischen Hintergrund der Tatsache das es viele Juden in Handel und Bankwesen gab.

Juden war es ursprünglich verboten Land zu erwerben und ein Handwerk auszuüben. Die Zünfte standen nur Christen offen.

Den Juden blieb also nur der Handel und das Geldverleihen. Ohne die jüdischen Kaufleute und auch das jüdische Kapital wäre z.B. der Wohlstand der Hansestädte nicht denkbar. Da die damaligen  Handelsreisen mit großen Gefahren verbunden waren, und auch der  Finanziere fürchten mußte dass seine ganze Investition verlorgen ging, war er gezwungen hohe Zinsen zu verlangen.

Dies wurde als Wucher von den Christen aufgefasst. In meiner Heimat dem katholischen Teil von Ostpreußen, der  durch einen Fürstbischof regiert war, war es Juden untersagt sich  dort niederzulassen. Doch eine einzige Stadt beherbergte „tolerierte“ Juden innerhalb Ihrer Mauern. Es war die Hafenstadt Braunsberg, die Handelsmetropole des Fürstbistums Ermland. So waren die Juden durch ihre besondere Stellung eine wichtige Triebfeder für die mittelalterliche Wirtschaft. Und wer die gotischen Kirchen bewundert und die prächtigen Bürgerhäuser unser Hansestädte, der sollte auch daran denken dass es die diskriminierten Juden waren die immer  mit ihrem Vermögen für die Handelsgeschäfte hafteten, die diese Pracht ermöglichten. Die Gelehrigkeit der Juden ist auch  ein Zug den sie uns Christen voraus haben. Es ist unvorstellbar dass ein Jude nicht lesen und schreiben kann. Den er muss im Gottesdienst aus der Thora vorlesen können.

Ich denke auch häufig daran dass die Muslime im Land durch ihren anderen Glauben, besondere Fähigkeiten haben. Der Respekt vor alten Menschen und auch das Teilen mit Armen finde ich  am Islam sympathisch. Auch der Umgang mit psychisch Kranken ist sensibler, weil der Koran einfordert sich um geistig Kranke zu kümmern.

Unsere Gesellschaft sollte mehr die Unterschiede nutzen, und das Leben von kultureller Vielfalt im Rahmen unserer Verfassung, fördern. Nicht nur weil sie kulturell bereichernd ist, sondern auch für das Leben und  Überleben unserer Gesellschaft unheimlich wichtig sein kann. Und es ist unverständlich dass man kulturelle Diversität nur als Belastung und nie  als große Chance sieht, die ja auch immer in ihr steckt.

Menschen bei Maischberger gegen den Bildungsplan zur Homosexualität in Baden Württenberg

Bei so einem kontroversen Thema bleibt die Frage wo bleibt die Kontroverse. Hängen geblieben ist ein bitterer Beigeschmack durch die schmuse Homophoben. Empörend an der Sendung war die Relativierung des Leidens von  Homosexuellen unter der Diskriminierung.

Sie blieb zwar nicht ganz unwiedersprochen doch fehlte mir da die Entrüstung. Diskriminierung macht krank und nicht gelebte Homosexualität. Hier fand eine retraumatisierung der Opfer statt. Ja man hatte zwischendurch regelrecht den Eindruck das diese konservative Allianz aus evangelikalem Konservatismus und reaktionärem Familienbild sich selber zum Opfer hochstilisieren.

Die liberale Seite war rhetorisch schlecht aufgestellt. Und mancher Witz von Olivia Jones wirkte wie ein Eigentor.  Ganz besonders bei dem Hinweis auf einen Aufklärungskoffer zur Verhütung dem sie dem Vertreter der evangelikalen Allianz empfahl, da er stolzer Vater von 10 Kindern ist.  Das wirkte so als gäbe es feste Normen oder Regel für die Kinderanzahl in einer Familie. Das war schade! Gefreut hat mich allerdings auch das man den Mut hatte sie einzuladen, dennn selbst Homosexuelle grenzen Cross-Dresser und Travestiekünstler aus.

Doch der schwule CDU Politiker war so entschlossen emanzipativ orientiert wie seine Kanzlerin.  Zitate aus einer Handreichung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft zum Thema sexuelle Vielfalt wurden aus dem Kontext herausgerissen und als Beweis für eine moralische Umerziehung der Schüler durch die Verkörperung des deutschen Antifeminisumus dargestellt.Den Namen der reaktionären Aktivistin habe ich mir nicht gemerkt, und ich glaube auch nicht dass dies notwendig ist.

Dabei waren die Fragestellungen richtig und auf den Punkt gebracht. Eine Fragestellung lautete“ Würdest Du Dir wünschen das Deine Heterosexualiät durch Elektroschocks therapiert wird?`“ Dies ist geschickt und zugespitzt formuliert und soll eine Kontroverse auslösen. Das tat sich nicht die Brissanz der Aussage wurde nicht erkannt. Keiner von der Gegenseite formulierte dass Homosexualiät genauso behandelt worden ist. Und das die Streichung der Homosexualität aus der Liste der psychischen Krankheiten erst Ende des 20 Jahrhunderts erfolgt ist. Auch die Praxis von sog. Heilversuchen von Homosexuellen im evangelikalen Umfeld wurde nicht erwähnt. Dabei handelt es sich um kein wissenschaftlich fundniertes Psychotherapeutisches Verfahren sondern um Scharlatanerie und Gehirnwäsche. Dies blieb leider aus und hinterließ mehr Fragen als Antworten. Leider werden zu solchen Talkshows nur Alltagsexperten eingeladen. Soziologen oder Sexualwissenschaftler wären dort besser aufgehoben als Muttis Dritte Riege und ein fröhlicher Paradiesvogel. So fehlte doch fundierter Sachverstand  den Hera Lind mit beherztem Einsatz auszugleichen versuchte, doch bliebt dies eine schlechte Stunde des deutschen Fernsehens.

Auch Sandra Maischberger endtäuschte in dem sie biografisch erklärbare Empörung gegen Reaktionäre Einstellungen mit blanken Homosexuellenhass gleichstellte. Das war nicht nur rhethorisch ungeschickt sondern auch menschlich endtäuschend.

Brauchen wir schwule Zahnpasta?

Heute habe ich über den schwulen Gesundheitsladen Pudelwohl nachgedacht. Ursprünglich war ich gegen diese neue, scheinbar weitere Gesundheitsinstitution neben den speziellen Angeboten der Aids-Hilfe.

Schwules Leben hat gesundheitliche Risiken. Da gibt es psychische Probleme beim   Coming-Out und Ausgrenzung. Alle Süchte wie Alkoholismus aber auch die häufig ignorierte Sexsucht. Die zahlreichen sexuelle übertragbaren Krankheiten und nicht zu letzt eine HiV-Infektion sind Themen die schwule Männer betreffen. Es ist gut dass es so eine Anlaufstelle für Schwule Männer in  unserer Stadt gibt, obwohl einige jetzt doppelt bestehen.

Brauchen wir aber schwule Rauchentwöhnungskurse? Ich meine Euch Schwestern und   Brüder! Oder sollte man nur solidarische Sektmarken wie Baesler-Sekt trinken. Wie viel Subkultur brauchen wir? Einen Partner zu finden ohne Subkultur ist schwierig. Obwohl es auch schwierig sein kann einen festen Partner bei Chat-Portalen wie gayromeo zu finden. Die schwule Lebensqualität wird an der Szene des Wohnortes gemessen. Wie viele Cafes und Bars gibt es und finde ich Gleichgesinnte in einer Selbsthilfe  oder Freizeitgruppe. Aber sieht so ein emanzipiertes Leben aus? Ich denke nicht mehr in solchen Kategorien. Klar habe ich meinen Lebenspartner durch die Szene kennengelternt. Aber muss die Szene ein zweites Wohnzimmer sein? Verstehen mich nur Schwule oder Lesben? Nicht dass ich die Existenz unserer Szene in Frage stellen will, doch kann es auch ein bischen weniger Szene sein.

Ich empfinde es als angenehm mal nicht nur wegen meiner Sexualität wahrgenommen zu werden, und das erfahren ich häufig auch durch Heterosexuelle. Meine Erfahrungen sind gemischt was die Szene angeht. Aber ganz ohne Ausgrenzung ist die Szene ja auch nicht.

Unter Heterosexuellen spielt es keine Rolle ob ich ich top oder bottom bin, auch stört sich kaum Jemand daran dass ich einige Pfunde zu viel auf den Rippen habe.  Die  Oberflächlichkeit unserer Subkultur ist doch auch ein Faktor der uns stresst. Der Zwang immer jung auszusehen, immer sexy und  willig zu sein wird in unserer Subkultur auf dei Spitze getrieben. Ich wünsche mir eine Welt wo ich  nicht darüber nachdenken muss dass ich Männer liebe und begehre. Und es klappt hin und wieder! Klar habe ich es als Mann mit Abitur und in der Großstadt leichter als ein Handwerker in der Kleinstadt oder auf dem Lande. Aber ich möchte Euch ermutigen fordert Eure Freiräume ein. Geht mit einer schwulen Clique mal in die Eckkneipe oder fragt Euren Hausarzt nach der Hepatitis Impfung.

Geht Hand in  Hand durch die Fußgängerzone oder besucht eine „Hetendisko“. Klar mag uns dort nicht Jeder. Klar gibt es noch viel Unaufgeklärtheit und Intoleranz. Aber ist unsere Szene die Idylle.?Sind Krankheiten oder psychische Probleme cool in  unserer Subkultur? Ist es cool fianziell nicht mithalten zu können? Alt oder einsam zu sein? Klar gibt es für alles Szeneangebote? Je nach größe der Stadt gibt es fast für jedes Problem eine Gruppe. Aber wo bleibt da die Gemeinsamkeit und die Solidarität?

Findet Freunde die Euch gut tun und schafft Euch die Umgebung die  Ihr braucht! Seit mutig und erstreitet Eure Freiräume. Vielleicht stellt Ihr fest dass Eure Angst ausgegrenzt zu werden weniger begründet ist als vermutet. Lebt das Leben das Euch gefällt.

Und häufig wird es gelingen!!!