Phantasie erlauben

Ich versuche alles zu meiden was mich von der Realität ablenkt. Es kann sein dass ich deswegen auch depressiv bin, weil mir das Leben dadurch weniger Spass macht.

Ich denke aber dass ich mir etwas Fiktion und Phantasie erlauben sollte. Meine Identität macht es schon aus das ich von vergangenen Epochen fasziniert bin. Und es ist o. k. wenn ich nicht Romane lese die in der Großstadt in der Gegenwart spielen.

Ich denke ich habe häufiger Sehnsucht nach meiner Kindheit auf dem Land in Polen.

Klar war da nicht alles gut, aber das Selbstversorgung für mich immer noch ein Thema ist hat ja auch mit der Gegenwart zu tun. Viele junge Leute gärtnern oder halten Hühner.

Und es ist auch o. k. über Homosexualität in anderen Kulturen zu lesen. Ich habe mir ein Buch über sexuelle Vielfalt bei den Ureinwohnern Nordamerikas, also den Indianern, aus den Staaten schicken lassen. Es gibt einen Einblick in eine Kultur die nicht so sexualfeindlich war wie unsere abendländische christliche Kultur teilweise noch ist.

Es ist o. k. sich an einem Nachmittag nur mit Apfelsorten zu beschäftigen und von einem eigenen Obstgarten zu träumen.

Ich denke nur das ein zu viel schlecht ist. Etwa davon  zu phantasieren mit einem Indianer zusammen zu sein oder so etwas. Das wäre unrealistisch. Wenn ich Singel wäre und gesund wäre das aber nicht so schlimm. Ich könnte übers Internet einen kennenlernen und nach Kanada z. B. auswandern.

Fazit etwas spinnen ist o. k, dauernd spinnen nicht.

 

Ich möchte dauernd umziehen

Es ist schon komisch. Heute war ich in einer Gegend unserer Stadt wo ich früher gewohnt habe. Am liebsten wäre ich zurück gezogen. Dabei wollte ich so gerne mit Martin  meinem Lebensgefährten zusammen wohnen und am Borsigplatz gefiel es mir auch. Jetzt wohne ich da und das ein paar Jahre jetzt will ich auch schon wieder wegziehen. Ich bin nirgends wo glücklich und zufrieden. Eine Zeit lang, als ich noch keine Medikamente nahm fantasierte ich davon wieder in einer Kleinstadt wie als Kind leben zu wollen. Aber da war ich auch nicht glücklich. Eine andere Zeit wollte ich entweder nach Holland oder nach Kanada auswandern.

Ich glaube was mir wirklich fehlt sind paar mehr Bekannte in der Umgebung. Mein Kumpel Marc der hier in der Nähe wohnt will wieder in die Heimatstadt seiner Mutter ziehen um sich um sie besser kümmern zu können. In dem Cafe von Borsig11 hängen auch nur komische Leute herum. Vielleicht sollte ich häufiger ins Concordia Art auf eine Waffel und einen Kaffee gehen. Das ist ein Kunstkaufhaus mit Cafe.

Ob es sich lohnen würde einen Handarbeitstreff im Concordia Art Cafe zu machen. Obwohl ich bin schon mit meinem Handarbeitstreff zufrieden. Außer das ich der Hahn im Korb bin und dazu noch der Jüngste. Es wäre sicher gut wenn ich einen Job hier in der Nähe hätte und einen Grabelandgarten. Aber das ist ja auch klar. Mir fehlen wirklich Freunde aus der Umgebung. Es wäre nett wenn es hier ein Handarbeitskränzchen mit jüngeren Leuten, Frauen vielleicht auch Männern geben würde. Es wäre sicher auch nett wenn es schwule Männer geben würde die Handarbeiten. Ob ich mal eine Anzeige in einem Stadtmagazin aufgebe? Irgendwie habe ich keine Elan dazu. Auf jeden Fall könnte ich ein zwei Freunde mehr gebrauchen die auch hier in der Nähe wohnen. Ich kenne noch flüchtig zwei etwas ältere Frauen. Aber das wars dann auch. Auf jeden Fall muss da was passieren. Ich werde vielleicht davon berichten.

ADD-Altruismus

Vielleicht ist das etwas Größenwahnsinnig. Aber zumindest für den Blog möchte ich den Begriff ADD-Altruismus einführen. ADD steht dabei für Attention-Defizit-Disorder. Alternativ könnte man es auch ADS-Altruismus nennen.

Dies ist eine extreme Form der Selbstlosigkeit beim vorwiegend unaufmerksamen oder ADS Typus, bei der sich die Betroffenen ganz aus dem Blick verlieren und zumindest gedanklich sich nur mit dem Leid Fremder beschäftigen kann. Das kann z. B. mit anderen Randgruppen zu tun haben wie etwa bei mir der Roma-Minderheit oder den nordamerikanischen Ureinwohnern.  Es kann sich aber auf gequälte Tiere oder Behinderte beziehen.

Es kann dazu führen dass sich auch im Freundeskreis nur Außenseiter befinden und das auch als Partner eher ein Außenseiter gewählt wird. Das kann aber auch natürlich sein weil wegen der eigenen Außenseiterrolle Verständniss für andere Außenseiter besteht.

Es hat mir der breiten Wahrnehmung des ADS zu tun und dem leichteren Mitfühlen dadurch. Ich denke dass durch die breite Wahrnehmung durch das ADS echtes Mitgefühl entsteht. Wir spüren teilweise die Verletzungen selber. Das kann ein Vorteil in sozialen Berufen sein weil es ja Feinfühligkeit ist, aber es kann auch die Lebensqualität beeinträchtigen wenn der ADSler sich da zu sehr mit beschäftigt, weil er sich selber aus dem Blick verliert.

Ich habe sooo keine Lust

Vielleicht ist das etwas neurotisch? Morgen holt uns ein Arbeitskollege zu einer Betriebsfeier ab. Ich habe Angst davor dass er oder seine Frau auf die Toilette müssen und in unsere chaotische Wohnung hinein kommen.

Ich habe so keine Lust den Flur und das Bad aufzuräumen und zu putzen. Ich mag keine Hausarbeit. Ich mache gleich etwas Musik an und dann geht das schon. Ich habe herausgefunden das die Zeitschrift der „Spiegel“ genug Informationen bietet, so dass mein Fernsehfrust dadurch etwas ausgeglichen wird. Auch als Belohnung könnte ich mir vorstellen diese Zeitschrift zu kaufen. Wenn ich die Wohnung halbwegs betretbar gemacht habe und das Abendessen verspeist habe werde ich die neueste Ausgabe davon lesen.

 

Die Stimmung geht rauf und runter, im Moment geht sie wieder rauf

Es ist doch sicher ein Jammer dass die Schwulenszene so oberflächlich und promiskuitiv ist. Das viele feminine Männer ausgrenzen und und und.

Und ja, was hat das mit mir zu tun! Ich lebe sehr gelassen und in meinem persönlichen Umfeld akzeptiert. Ich habe einen passenden Mann abgekriegt und im Internet finde ich ab und zu auch Pin-Up Fotos die mich anmachen. Es ist ja nicht so dass mich alle Männer kalt lassen, und das ich manche stereotyp schönen Schwulen mitunter auch schön finde. In meinem Umfeld wohnt ein Typ etwa in meinem Alter der sieht voll schwul aus und ich freue mich trotzdem wenn ich ihn sehe. Was ist dann mit mir los. Wenn ich da an die Queeren Flüchtlinge aus dem arabischen Raum denke, dann kann ich nur Göttin danken dass ich deutscher Staatsbürger bin und mich mit ästhetischen Fragen bezüglich der Attraktivität der Schwulen Männern beschäftigen kann.

Am Wochenende hatte ich ehelichen Verkehr, der war nicht berauschend, ich würde wirklich mein Gehirn nur für den  Sex gegen ein neuronormales Hirn austauschen, dennoch war der Sex befriedigend. O. K. er könnte besser sein, aber was ist das schon im Vergleich mit beschissenen anonymem Sex im Park oder in der Sauna. Da ist sexuelle Hausmannskost doch noch besser als ein Quickie in der sexuellen Pommesbude. Ich will das Thema nicht mehr erwähnen, weil es ja wirklich peinlich wird.

 

Die Depression aus dem letzten Jahr hat mich eingeholt

Meine Depression aus dem letzten Jahr hat mich eingeholt. Ich grübel unheimlich viel über meine Sexualität nach. Warum ich auf ganz andere Männer abfahre als die meisten Schwulen. Und das ich mich sehr einsam fühle, obwohl sich meine Beziehung zu Martin etwas verbessert hat. Gestern bin ich sogar was meine Telefonsexsucht angeht ein wenig rückfällig geworden. Nichts tröstet mich dauerhaft. Ich war auch mal vor langer Zeit in einer Psychotherapie deswegen, aber gebracht hat das nachhaltig nichts. Vielleicht ist ja reden auch nicht der richtige Weg. Vielleicht muss ich aktiv etwas tun damit es mir besser geht. Mir fällt nichts, wirklich nichts dazu ein. Irgend etwas ist bei mir nicht in Ordnung. Vielleicht ist es ja auch ein ADS-Geschichte. Manchmal habe ich den Eindruck als würde ich die Welt durch ganz andere Augen sehen als andere Menschen. Das was für andere attraktiv ist, ist in meinen Augen eher unnatürlich oder manchmal auch hässlich.

Das ist schon sehr auffallend. Wenn ich daran denke dass ich Salvador Sobral attraktiv finde dann wird mir einiges klar. Ich mag seine Haare und ich mag seine Zerbrechlichkeit. Nur Zerbrechlichkeit gilt für Männer nicht als attraktiv. Erotik hat bei mir etwas mit beschützen wollen und umsorgen zu tun. Das klingt so bizarr aber für mich ist das normal. Wer soll solche Gefühle bei einem muskulösen Typen bekommen, das ist doch nicht vorstellbar. Irgendwie komme ich mir krank und morbide vor. Ich denke schon dass ich eher zu Außenseitern tendiere als zu Männern die eine Mehrheit attraktiv findet. Ich glaube ich muss mich damit abfinden dass das so ist. Es wäre schön wenn es ein Wort dafür geben würde.

Ich kenne da keines für! Vielleicht muss ich da eines für erfinden?

 

Ich mach mir nicht so viel aus Mode

Als Vorbild in einer Fernsehserie habe ich mal in diesem Blog  Amy Farah Fowler aus Big Bang Theorie angegeben. Auch gerade deswegen weil sie sich nicht so sehr modisch kleidet. Ich denke das ist auch teilweise Teil meiner Erziehung gewesen. Meine Familie ist was  Mode angeht sehr konservativ.

Ich trage aber keine karierten Pullunder, obwohl ich so einen durchaus Besitze, trage ich ihn nur selten. Ich fürchte er ist mir Außerdem schon zu klein. Ich mag keine sportliche Kleidung. Ich habe mal daran gedacht das vielleicht der Begriff Dandy auf mich passt, weil ich manchmal auch exszentrische Sachen trage. Generell kleide ich mich immer etwas „älter“ als ich bin.

Die Schwulenszene hat mich regelrecht geschockt als ich sie kennengelernt habe. Dort kleiden sich häufig Männer wesentlich jünger als sie sind.

Ich habe kaum gleichaltrige Freunde. Die Meisten Bekannten sind so 10 bis 15 Jahre älter. Es kann sein dass es an der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung liegt dass ich nicht so modemäßig mithalte. In der Gemeinde habe ich auch einen Bekannten der so ähnlich ist und der ist auch ein Muttersöhnchen wie ich es war.

Als ich noch jünger war und nach meiner Identität gesucht habe, kleidete ich mich wie ein Hippie. Ich trug grell bunte Hemden und sehr auffällige Schmuckstücke, wie einen silbernen Sonnenanhänger den ich an einem Lederband trug.

Jetzt trage ich häufig eine blaue Jeans, Poloshirt oder Hemd und im Winter Wollpullover. Ich mag keine Kapuzenpullis und auch T-Shirts mag ich nicht so besonders gerne. Im Winter trage ich selbst gehäkelte Wollmützen und im Sommer Strohhüte. Allerdings häkele ich nie Beanies obwohl ich sie schon schön finde.

Meine Haare trage ich  mangels Masse kurz. Früher hatte ich noch einen Kinnbart.

Ich fühle mich so isoliert

Heute war ich in der Kirche und zum Gemeindekaffee. Dort fühle ich mich immer etwas isoliert. Mir fällt es schwer auf andere Menschen zu zu gehen. Ich habe auch den Eindruck dass ich kaum etwas zu erzählen habe außer von Problemen. Mein Alltag ist auch eher Ereignislos. Dennoch könnte ich etwas erzählen. Das ich zum Beispiel mit meinem Vater eine Tagesfahrt nach Holland mache, nach Volendam am Markermeer. Ich bin so seltsam verschlossen. Einigen Wenigen könnte ich auch von meinen Antriebsproblemen erzählen. Dafür bin ich von einem Ehepaar zum Kaffee eingeladen worden. Das ist ganz schön. Ich muss mir angewöhnen von mir aus etwas zu erzählen. Viele können auch einfach Alltagsgeschichten erzählen. Auch von meiner Sehnsucht nach Grün kann ich erzählen. Ich muss mal meine Trägheit überwinden und mit dem Fahrrad ausfahren. Wir haben ja doch sehr schöne Parks und das Dorf Deusen in der Nähe. Das tut mir sicher gut. Ich überlege mal wohin ich im Alltag ins Grüne flüchten kann. Mir gefällt der Fredenbaumpark gut und ich mag das Tiergehege dort insbesondere die Hühner darin, was sich von selbst versteht. Ich will am Montag da hin fahren. Das Wetter wird etwas bedeckt aber nicht regnerisch, und man kann dort am Big Tipi auch gut Kaffee trinken. Ich mache das mal am Montag.

Psychoanalyse bei ADS und Messiesyndrom

Wie viele ADSler habe ich eine lange Odyssee an Psychotherapien hinter mir. Ich war auch bei einem niedergelassenen Psychoanalytiker. Er wollte mir etwas einreden dass ich z. B. nicht Auto fahren kann, weil ich es aus Protest nicht tue weil meine Eltern mich dazu gezwungen haben.

O. K. meine Eltern haben mich schon zum Führerscheinkurs hineingedrängt. Insbesondere meine Mutter hatte mich schon stark gedrängt. Ich wollte auch nicht den Führerschein machen aber aus Versagensangst, die durchaus begründet war.

Ich bin jetzt auch noch auf dem Fahrrad sehr unsicher und fahre auch als Erwachsener häufig lieber auf dem Bürgersteig als direkt auf der Fahrbahn.

Heute habe ich mir ein psychoanalytisches Buch zum Messiesyndrom  in der  Bibliothek ausgeliehen ohne zu Wissen welcher Therapieschule der Autor gehört. Ich kam gleich schlecht drauf als ich es anfing zu lesen. Klar ich habe Messie Züge, aber die Schlussfolgerungen für die Ursachen dafür passen nicht.

Ich kann versuchen das zu erklären. Ich sammle relativ viel zu meinen Hobbys wie etwa dem Gärtnern und Handarbeiten. Das hat etwas mit Hyperfokus zu tun. Und zum anderen dient das auch als Futter für Phantasien zum Thema leben auf dem Lande was mir ja aus verschiedenen Gründen verwehrt ist. Das ist nicht neurotisch aus irgend welchen Ängsten begründet sondern ist teilweise auch eine Bewältigungsstrategie für das ADS. Mir fehlt es auch an Ausdauer und finanziellen Ressourcen um mich diesem Thema praktisch zu widmen. Manchmal sind die Träume auch schöner als die Realität. Das hat aber aufgehört. Ich kaufe keine Gartenbücher mehr oder welche über Hühnerhaltung.

Dann habe ich lange auch Pin Up Fotos von  Männern gesammelt. Ursprünglich in gedruckter Form als Postkarte und auch als Bildband später in elektronischer Form.

Ich denke dass dies nicht auf alle ADSler zutrifft. Allerdings ist „Pornosucht“ auch ein Thema für viele ADSler. Hier geht es wieder um Futter für die Phantasie. Zum anderen kompensierte ich die Realität in der Szene mit diesen Fotos. Ich sammelte Fotos von natürlichen Männern, die ich in der Szene so nicht vor fand. Das hat etwas nachgelassen. Ich besuche nur noch ein bzw. zwei erotische Fotoblogs im Internet und habe ein dutzend Bildbände für den Verkauf bei E-Bay aussortiert.

Im Moment sammle ich E-Books von Lucy Maud Montgomery. Weil ich mich mit den Figuren, es sind häufig Tagträumer, gut identifizieren kann. Wolle und andere Sachen für meine Handarbeitsprojekte sammle ich nicht mehr. Ich arbeite gerade alte angefangene Projekte auf. Mir gehen auch etwas die Ideen aus was ich noch häkeln oder stricken kann. Das war früher anders da habe ich Anleitungen gehortet.

Vieles an Sammelwut hat sich durch die bessere Konzentrationsfähigkeit verändert.

Sachbücher sammle ich nicht mehr. Ich habe mehr Spaß am lesen von Kurzgeschichten und Romanen.

Das unsere Wohnung so chaotisch und schmutzig ist liegt am fehlenden Antrieb und an der Aufschieberitis. Sie kann man besser durch Coaching und Verhaltenstherapie bewältigen als durch herumwühlen in der Kindheit und Jugend.

Die war bei vielen ADSlern zwar schwierig nur wird bei Psychoanalytikern die Ursache nicht erkannt. Und die ist häufig halt die Unaufmerksamkeit. Meine Mutter hat zwar leicht narzistische Züge, aber ich kann mittlerweile damit umgehen in dem ich sie ignoriere. Unser Verhältnis hat sich sogar seit der Einnahme von Strattera verbessert weil ich nur noch selten überreagiere. Nur noch ab und zu schafft sie es mich aus der Fassung zu bringen. Einmal geschah das Weihnachten vor zwei Jahren in dem sie wieder übergriffig war. Ich habe aber keine Neurose durch zu wenig Aufmerksamkeit durch die Eltern eher ein zu viel an Aufmerksamkeit. Ich war immer sehr überbehütet aufgewachsen. Das liegt aber auch an der Empfindlichkeit durch das ADS.