Beziehungsprobleme

Ich liebe meinen Mann sehr. Es ist kein Zweifel daran das ich ihn liebe. Aber seine Antriebsarmut und Gleichgültigkeit was wichtige Aufgaben in Zusammenhang auch mit Behörden wie dem Jobcenter angeht frustriert mich zu tiefst. Ich habe ihm empfohlen hochdosiertes Johanniskraut zu nehmen – was er jetzt auch tut. Das Leben mit einem schyzoiden Partner ist sehr schwierig. Ich würde mir gerne einen gesünderen Partner wünschen der vor allem sozial auch funktionsfähiger ist. Ich bleibe doch immer bei schyzoiden Partnern hängen. Er erledigt zwar die Aufgaben aber immer auf den letzten Drücker oder mit Verspätung. Ich weiss auch das ich selber soziale Ängste habe, ich selber habe eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung und das daher auch meine Vorliebe für solche Männer kommt. Manchmal wünsche ich mir doch das er normaler funktioniert.

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Ich habe die Küche entrümpelt und geputzt

Manchmal gelingt es mir den inneren Schweinehund zu überwinden. Ich habe vor ein paar Tagen die Küche entrümpelt. Ich habe Glas und Papiermüll weggebracht. Einen großen alten Kochtopf habe ich weggeschmissen und die Oberflächen gewischt. Wenn ich mir konkret etwas vornehme geht es eigentlich. Wenn ich mir nur vornehme  die Küche aufzuräumen und mir keine festen Vorgaben gebe hat das meistens keinen größeren Erfolg. Aber jetzt habe ich so viel Müll entsorgt das mich sogar mein Mann gelobt hat.

Ich kann doch meinen inneren Schweinehund überwinden. Wenn ich einfach anfange geht es eigentlich.

Warum bin ich arbeitslos ?

Ich habe ursprünglich Verwaltungsfachangestellter bei der deutschen Telekom gelernt. Das war in den 90er Jahren. Ich wurde Beamter. Eigentlich eine priviligierte Stellung. Doch dann sollte ich in Leipzig arbeiten. Ich hatte damals noch einen polnischen Nachnamen und ich bin auffällig feminin als Mann. Ich hatte einfach Angst vor Diskrimminierung in Neufünfland. Man muss sich auch vorstellen das der Rechtsextremismus in Ostdeutschland damals schon sehr verbreitet war. Ich habe mich entschieden auf einer kaufmännischen Schule das Fachabitur nachzumachen. Die Anforderungen in der kaufmännischen Schule waren sehr hoch was Buchhaltung und Mathematik angeht. Ich kam nicht mehr mit und viele andere persönliche Probleme führten dann zu einem Nervenzusammenbruch. Ich bekam Depressionen und bekam Weinkrämpfe und entwickelte dann daraus Verfolgungsvorstellungen. Nach einem stationären Aufenthalt in einer pychiatrischen Klinik habe ich das Abitur auf einem Kolleg für Erwachsene nachgeholt. Danach fing ich zwei Studiengänge an u. a. Diplompädagogik und Polonistik und merkte da meine Defizite was die Selbststrukturierung angeht. Auch soziale Ängste quälten mich. Ich habe dann eine Umschulung zum Werbekaufmann gemacht, den der europäische Sozialfond finanziert hat. Ich habe aber festgestellt das ich nicht für eine kaufmännische Tätigkeit geeignet bin. An eine Tätigkeit im sozialen Bereich habe ich schon eher gedacht, aber das ließ sich nicht machen weil ich auch Rückenprobleme habe. Erst die Möglichkeit zum Seniorenbetreuer umzuschulen ermöglichte mir eine Perspektive. In der Zeitarbeit als Produktionshelfer zu arbeiten habe ich mich nicht getraut weil dort das Klima ziemlich rauh ist und ich Angst davor habe diskrimminiert oder  gemobbt zu werden. Auch durch das ADS bin ich sehr eingeschränkt, das heißt ich bin sehr langsam und auch vergesslich.

Ich habe mal im Callcenter gearbeitet. bei dem ich Knebelverträge für Stromkunden verkaufen musste um diese an einem Wechsel zu einem anderen Stromanbieter zu hindern. Da habe ich tüchtig versagt weil ich zu ehrlich bin.

Ich finde beides meine auffällige Homosexualität mit hoher Sprechstimme und das ADS als belastend. Ich war mal so verzweifelt das ich zu einer Logopädin gegangen bin doch hat das nichts gebracht, aus dem Grunde weil ich mich mit meiner „normalen“ Sprechstimme wohler fühle.

Vor zwei Jahren habe ich dann die Umschulung angefangen wurde dann aber noch mal psychotisch aus einer Depression heraus und wegen Mobbing durch die Dozentinnen wegen meinem ADS.

Verlegen, verlieren, vergessen

ADS ist ja eine Aufmerksamkeitsstörung. Früher habe ich häufig Termine vergessen oder verpasst. Regelmäßig habe ich Sachen verlegt. Im Moment verliere ich häufiger meine Hausschuhe, viel mehr lasse ich sie irgendwo liegen wo ich sie später suchen muss.

Einmal habe ich ein Fahrrad in der Stadt so abgestellt das ich es nicht mehr wiedergefunden habe. Generell fällt es mir schwer zu merken wo ich mein Fahrrad in der Stadt abgestellt habe, ich muss es fast immer suchen.

Von meinem Abiturzeugnis musste ich zwei mal eine Abschrift machen lassen weil ich es verlegt habe  und nicht mehr wiedergefunden.

Manchmal steige ich in die falsche U-Bahn ein wenn ich aus der Stadt nach Hause fahre.

Ich mag den Begriff Sissyboysyndrom nicht

Hier mal wieder ein Thema das nichts mit ADS aber viel mit mir zu tun hat. Das sogenannte Sissyboysyndrom hat mal ein Sexualwissenschaftler in den 80er Jahren des 20 Jahrhunderts erforscht. Er hatte angenommen das nicht geschlechtsrollenkonformes Verhalten von präpubertären Jungs ein Hinweis auf Transidentität sein kann. Dies ist nur in seltenen Fällen so, wie er später herausgefunden hat. Viel mehr ist das ein Hinweis auf spätere Bi- oder Homosexualität als Erwachsene. Etwa 2/3 der schwulen Männer waren als Kinder Sissyboys und sind daher eher weiblich sozialisiert. Ich zum Beispiel habe mit Puppen gespielt und gehäkelt und später gestrickt. Ich bin nach wie vor etwas feminin, vor allem durch die Stimme und ich häkel und stricke immer noch gerne. Nicht alle  Männer die diese Hobbys haben sind allerdings schwul. Es gibt auch alternative oder weiche heteros mit diesen Hobbys die man ebenfalls als straight sissys bezeichnet, als hetero sissys. Ich mag das Wort nicht weil es feminine oder weiche Männer abwertet. Nicht alle schwulen Männer sind feminin. Etwa 1/3 ist männlich sozialisiert.  Welche Begriffe fände ich besser. Ich mag den begriff feminin oder genderqueer lieber. Aber Stricken und Häkeln hat eigentlich nichts feminines an sich. Männer haben vor der Industrialisierung relativ häufig gestrickt und vielleicht auch gehäkelt. Erst mit der Industrialisierung wurde es eher ein Hobby für Frauen. Die Kölner Stadtsoldaten haben auf der Wache gestrickt und auch die Schäfer bei ihren Herden. Es gab im Mittelalter auch Zünfte der Strumpfstricker. Also passt das auch nicht ganz dass das weibliche Hobbys sind. Ich finde einen Ausspruch von Oskar Wild dazu passend: „Alles was ein Mann macht ist männlich“!

Trägheit durch zu viele Gedanken im Kopf

Ich habe versucht herauszufinden warum ich so relativ träge bin. Als Ursache habe ich nur das ADS gefunden. Ich habe schlichtweg zu viele Gedanken im Kopf, denen ich trotz der Behandlung ständig nachhängen will. Habe ich aber den ersten Schritt gemacht um eine Aufgabe zu tun geht es meistens etwas besser aber Dinge durchhalten ist für mich auch ein Problem.

Mir gehen so viele Gedanken auf einmal durch den Kopf. Das das Kalenderblatt mit den beiden Sussexhennen schön ist. Das ich einen Termin mit meinem Bruder machen muss um gemeinsam die Ausstellung Cowboy und Indianer zu besuchen. Ob ich zum Dekanatswochende der altkatholischen Gemeinden in NRW in Attendorn fahre? Und ob wir tatsächlich eine Pfeifenorgel für unsere Kirche bekommen.?Das ich gerne einen Tagesausflug mit einem Schiff auf der Ruhr gemacht hätte…und und und.

Schyzoide Männer sind häufig sensibel und intelligent

Die Schyzoide Persönlichkeitsstörung ist eine Kontaktstörung. Menschen mit dieser Persönlichkeit sind Einzelgänger und brauchen wenig soziale Kontakte. Dennoch können Sie gute Freunde und Partner sein, so fern man ihr Vertrauen gewinnt.

Ich gebe es nicht gerne zu aber ich mag schyzoide Männer. Sie sind häufig intelligent und sensibel. Nicht umsonst gibt es viele die in einem naturwissenschaftlich-technischen Beruf tätig sind. Ich kenne relativ viele schyzoide Männer, vielleicht insgesamt 3 oder 4.

Alle sind kulturell oder sozial angagiert. Wobei sozial eher Mitgefühl meint. Ein Kollege setzt sich für Minderheiten durch E-Mails an Politiker und durch Online Petitionen ein. Mein Lebensgefährte ist bekennender Feminist und er verfolgt in seinem Interessensgebiet die Situation von Frauen als Gamerinnen oder auch Scince Fiktion Autorin. Ein anderer schyzoider Mann war in der Schwulenberatung des lokalen Schwulen-und Lesbenzentrums aktiv und arbeitete da auch als Thekenbedienung mit. Ein weiterer Bekannter beschäftigt sich mit experimenteller Jazz-Musik und in einem lokalen Kunstvereinigung.

Es ist aber auch wahr dass solche Menschen gern für sich alleine sind. Das kann häufig als nicht Beachtung und Ungeliebtsein als Partner interpretiert werden, doch brauchen diese Menschen ihrer Rückzugsräume um sich von sozialen Stress zu erholen. Sie vermeiden soziale Aktivitäten das kann dazu führen das es kaum ein gemeinsames soziales Leben gibt. Das sind die Schattenseiten dieser Persönlichkeit. Vereinsamung und Depression kann das Schiksal dieser Menschen sein. Dies muss es nicht denn mein Mann hat mindestens noch eine gute Bekannte mit der er regelmäßig etwas unternimmt. Also ganz isoliert sind die meisten nicht. Es gibt da auch hochfunktionale Typen die ihre Störung überspielen können und nicht so stark auffallen. Aber ihre Isolierung hat nichts damit zu tun das sie nicht liebenswert sind.

Aus dem Fersehjunkie wurde ein Bücherwurm

Als Kind der 80er Jahre war ich fernsehsüchtig. Ich schaute täglich stundenlang fern. Wenn es um Kindheitserinnerungen aus meiner Kindheit geht dann sind das Erinnerungen an Filme und Serien. Ich war ein riesiger Tagträumer der sich in die Geschichten aus dem Fernsehen hineinträumte. Dann habe ich als Jugendlicher aufgehört viel fern zu sehen. Bis heute schaue ich nicht viel fern. Nachrichten schaue ich und ab und an eine DVD. Ich habe letztes Jahr angefangen abends zu lesen. Ich habe im letzten Jahr mehr als 10 Bücher gelesen. Das kannte ich früher nicht so sehr. Ich las ab und an Bücher aber höchstens 3 pro Jahr. Angefangen hat das mit Büchern von Lucy Maud Montgomery. Ich habe „Anne of Green Gables“ noch mal angefangen zu lesen allerdings auf englisch. Ich kannte ja damals nur die Miniserie von Sullivan Entertainment aus dem Fernsehen. Ich habe große Teile der „Anne Serie“ auf englisch gelesen und auch andere Bücher von Lucy Maud Montgomery bei der das Träumen vorkommt. Ich glaube das war der Einstieg für mich weil ich ja selber nicht mehr tagträume. Ich habe auch Bob den Streuner gelesen und andere Bücher über Außenseiter. Das tat mir richtig gut. Auch den Roman von Mina Teichert „Neben der Spur aber auf dem Weg“ habe ich ebenfalls verschlungen. Ich suche immer nach neuen Inspirationen für Lesestoff gesucht. Dabei fällt mir auf das mein erwachsenes ich nach Identifikationsfiguren sucht. Ich suche immer nach Vorbildern in der Literatur. Im Moment ist es Sten Nadolnys John Franklin aus der Entdeckung der Langsamkeit.

Meine alten Träume von Abenteuern im wilden Westen habe ich aufgegeben. Winnetou ist endgültig gestorben. Ich bin viel stärker in der Realität verhaftet als früher. Ich nehme meine alten Träume als Illusionen wahr. Manchmal ist meine Realität ganz schön hart. Aber Illusionen will ich mich nicht mehr hingeben.

Nachgiebig und ausnutzbar

Ich habe ja auch noch  zusätzlich zum ADS eine ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung. Ich vermeide soziale Kontakte um eine be- oder verurteilung durch anderen zu umgehen.

Anscheinend wissen das Bettler genau dass ich nur selten nein sagen kann und versuchen es mit der absouluten Mitleidsmasche. Ich kann mittlerweile dem auch wiederstehen.

Heute wurde ich von einer Jugendlichen angesprochen ob ich für sie Zigaretten kaufe sie hätte ihren Ausweis nicht dabei. Ich habe dann doch barsch geantwortet das ich ihr auf keinen Fall Zigaretten hole, und das ich nicht bekloppt sei. Ich bin froh darüber das ich mittlerweile nein sagen kann. Ich wirke auf andere immer so freundlich und gutmütig dass es immer wieder versucht wird mich über den Tisch zu ziehen oder anzubetteln. Nur das klappt halt nicht immer.

Auch Literatur beflügelt meine Fantasie nicht

Früher konnte ich mich in Bücher und in Filme reinträumen. Als Kind träumte ich unzählige male davon einen verletzten Apachenkrieger zu pflegen. Als die Winnetouverfilmungen mit Pierre Brice in meiner Kindheit aktuell waren. Oder ich kämpfte zusammen mit den Gesetzlosen um Robin Hood als Bruder Tuck mit. Als Erwachsener wurden die Träume anders. Ich träumte etwa auf Prince Edward Island zu leben, meiner Trauminsel, der Heimat der verträumten Anne Shirley aus der Fernsehserie “ Anne auf Greengables – ein zauberhaftes Mädchen.

Jetzt lese ich viele Bücher träume mich aber nicht in die Geschichten hinein. Ist das Buch beiseite gelegt ist auch die Welt die es mir bietet auch verschlossen. Das finde ich schade. Gerne würde ich manchmal in Fantasiewelten eintauchen. Etwa mit John Franklin an den Nordpol fahren wie in „Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny. Gerade bei dieser Hitze kommt mir der Nordpol als Ziel besonders verlockend vor. Aber mein Kopf ist leer. Das ärgert mich so das Strattera dauernd wirkt. Gerne würde ich auf ein Medikament umsteigen das nicht durchgehend wirkt. Aber ich vertrage Medikinet nicht. Ich habe davon einen Rebound bekommen und bekam depressive Verstimmungen wenn die Wirkung gegen Abend nachließ. Und die Tagträumerei kam dann auch verstärkt zurück.